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Das Netzwerk der Neuen Rechten

„Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist ein neues und einflussreiches rechtes Netzwerk aus Stiftungen, Vereinen, Medien und Kampagnen in Deutschland herangewachsen“, heißt es im Werbetext für das im März erschienene Buch „Das Netzwerk der Neuen Rechten.

Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern“ von Christian Fuchs und Paul Middelhoff. Das hört sich spannend an und verspricht neue Erkenntnisse. Leider hat das in einem alarmistischen Ton geschriebene Buch entscheidende Schwächen. Viele der reißerisch dargestellten Fakten sind zudem schon lange bekannt. Das „Netzwerk“ als Ganzes darzustellen, hätte jedoch dennoch seine Berechtigung gehabt, wäre da nicht der Hauptschwachpunkt: falsche sowie fehlende Definitionen und Analysen. Hier wird von der Identitären Bewegung über das Studienzentrum Weikersheim bis zur AfD irgendwie alles zur „Neuen Rechten“. Unterschiedliche Standpunkte und Strategien der einzelnen Akteure werden dabei zugunsten der These vom großen „Netzwerk“ verwischt. Es fehlt an Genauigkeit, was letztendlich zu politischen Fehlanalysen führen kann. So wird der Eindruck erweckt, die AfD sei von rechts unterwandert worden oder dass AfD-Abgeordnete wie Andreas Lichert „sorglos“ und nicht etwa bewusst mit der Identitären Bewegung zusammenarbeiten würden. Auch die Analyse, dass die „Neuen Rechten“ ihren Hass gegen „Muslime im Allgemeinen“ richten, wirkt sehr oberflächlich. In seinem Buch „Die Autoritäre Revolte“ hat der Historiker und Publizist Volker Weiß durch die Analyse einer „neurechten“ Diskussion zum Thema „Ist der Islam unser Feind?“ ein deutlich differenzierteres Bild gezeichnet — und auch insgesamt mehr Definitionen und Analysen zur „Neuen Rechten“ geliefert.

Christian Fuchs, Paul Middelhoff:
Das Netzwerk der Neuen Rechten.
Wer sie lenkt, wer sie finanziert und
wie sie die Gesellschaft verändern
Rowohlt Polaris, Hamburg 2019
288 Seiten, 16,99 Euro

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