DO: Noch ein Spender für Rechts-"Autonome"

Dortmund – Der Graben zwischen NPD und DVU in Dortmund kann nicht mehr breiter und tiefer werden? Doch, er kann.

Gerade einmal ein Vierteljahr ist es her, dass der NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer in einem Interview äußerte, auch wenn NPD und DVU in Dortmund getrennt zur Kommunalwahl antreten würden, werde man sich nachher „sicherlich zu einer Fraktion zusammenschließen“. Daran durfte man spätestens Zweifel haben, als Ende Juli die Zusage des Unnaer NPD-Kreisvorsitzenden Hans Jochen Voß bekannt wurde, Dortmunds „Autonomen Nationalisten“ 3000 Euro zu zahlen, falls sie für die „Deutsche Volksunion“ im Wahlkampf keine Hand rühren. Aber der Streit geht noch weiter. Die Fortsetzung wird auf der Homepage der DVU ausgetragen.

Demnach war schon längst vor dem Voß’schen Spendenangebot das Tischtuch zwischen den beiden extrem rechten Parteien restlos zerschnitten. So beklagt sich die NPD der Ruhrgebietsstadt über „gehässige elektronische Nachrichten, wie die vor circa zwei Monaten, abgeschickt und unterzeichnet durch Herrn Faust“. „Herr Faust und Herr Branghofer“, der DVU-Bundesvorsitzende und der Dortmunder Kreis- und Fraktionsvorsitzende, hätten „über den Kreisvorsitzenden der NPD-Unna wilde und unverschämte Theorien verbreiteten“.

Unglaubwürdig zu sein, wirft die NPD der Truppe um Matthias Faust und Max Branghofer vor allem vor: „Unglaubwürdig ist es, wenn man auf der einen Seite klarstellt, daß die DVU das 3.Reich als Unrechtregime betitelt und gleichzeitig Kameraden, die sich selbst als Nationalsozialisten bezeichnen, als Wahlkampfhelfer anbettelt. Unglaubwürdig ist es, wenn man klarstellt, daß man mit Neonazis nichts zu schaffen haben möchte, gleichzeitig aber mindestens die Hälfte seiner Kandidatenliste z.B. aus Mitgliedern der Skinheadfront bestückt.“

Dabei wurden die schärfsten Attacken der NPD sogar von der Internetseite der DVU getilgt. Der „Admin“ der Seite schrieb – und vieles spricht dafür, dass es sich um Parteichef Faust persönlich handelt – zur Begründung und zum „Geschreibsel“ der Dortmunder NPD: „Wir lassen ungerne Beleidigungen gegen unsere eigenen Leute auf unseren eigenen Seiten zu.“ Zugleich bezeichnete er Voß als einen, „der freie Kräfte mit Geld dafür besticht, daß sie im Wahlkampf nicht für die DVU tätig werden. Herzlichen Glückwunsch! Sie sind am Ende der Moral angekommen“.

Weiteres Öl ins Feuer gießen Dr. Günther Hartwig, Listen-Sechster der NPD für die NRW-Landtagswahl im nächsten Jahr und – obwohl in Ostwestfalen beheimatet – Mitglied des NPD-Kreisverbands Unna/Hamm, auf der einen Seite und der Neonazi Christian Worch, der derzeit in Sachen Wahlkampf für die DVU unterwegs ist, auf der anderen Seite. Der Mediziner Hartwig kündigt an, er wolle zugunsten der Dortmunder Rechts-„Autonomen“ ebenfalls ins Portemonnaie greifen, um der „spalterischen Organisation“ DVU zu schaden: „Ich werde die gelungene NPD-Aktion ebenfalls mit einem Beitrag unterstützen.“ Und Worch fragt auf der DVU-Seite – bisher ohne Antwort – nach genaueren Angaben über die Dortmunder NPD-Ratskandidaten: „Altersstruktur und mögliche soziale Relevanz (,asoziale Schläger’)“ würden ihn unter anderem interessieren. (ts)