Nebenbei: Wahlkampf-Lyriker

Hans Jochen Voß, Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Unna/Hamm, versteht es, unterm Strich und trotz aller Vorbehalte der NPD gegenüber für gute Stimmung unter den „Kameraden“ ohne Parteibuch zu sorgen. Dortmunds Rechts-„Autonome“ beispielsweise fanden es zwar „scheiße“, wie der Hamburger Neonazi Christian Worch ihre „deutlich proletarische“ Formulierung wiedergab, dass sie von Voß 3000 Euro nur dann erhalten sollten, wenn sie die konkurrierende DVU nicht im Kommunalwahlkampf unterstützen. Sie akzeptierten die Kohle fürs Nichtstun Worch zufolge dann aber doch. Begründung: „Parteifreie und vor allem autonome Nationalisten können mit dem Geld zweifellos mehr anfangen als irgendeine – egal welche – Partei.“

Begeisterung entfacht hat die Voß’sche NPD inzwischen auch bei der „Nationalen und Sozialistischen Kameradschaft Hamm“. Die veröffentlicht seit einigen Tagen einen „Wahlkampf-Ticker“ auf ihrer Homepage. Er hält „tagesaktuell“ fest, wie fleißig die „Kameraden“ NPD-Material trotz manchmal widriger Umstände unters Volk und an die Laterne bringen. „2000 Flugzettel“ waren es am Montag; dienstags („mieses Wetter“) hingen die ersten Plakate; mittwochs waren die „NPD-Wahlhelfer“ bereits „nahezu rund um die Uhr im Einsatz“; donnerstags hatten sie „den ersten Kontakt mit unseren Freunden und Helfern von der Polizei“, weil auf ihrer Route „ein Plakat der Linkspartei wahrscheinlich der Witterung zum Opfer gefallen“ war; freitags verteilten sie bei einer Veranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel „weitgehend ungestört über 500 Flugzettel“.

Die Frage, wie oder womit diese NPD-Euphorie bei den Neonazis der „Kameradschaft Hamm“ be- und gefördert worden ist, bleibt vorerst unbeantwortet. Jedenfalls ist ihre Begeisterung so groß, dass die „NPD-Wahlhelfer“ auch noch holprig zu dichten versuchen: Sie seien, so reimen sie übereifrig in ihrem „Wahlkampf-Ticker“, „vollbepackt mit tollen Sachen, die unsere Stadt schöner machen“. Für Sätze wie diesen wäre eigentlich ein Gehaltsabzug fällig. (rr)

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