Nebenbei: „Pro NRW“-Neuzugang von rechtsaußen nach rechtsaußen

Bonn – Es ist wieder einmal ein „spektakuläres“ Ereignis, das Markus Beisicht, der Vorsitzende von „pro NRW“, bejubelt: Ein leibhaftiger ehemaliger Bundestagsabgeordneter hat bei den Rechtspopulisten angeheuert. Nicht genug damit: Der Neuzugang saß gar einst für die Grünen (!) im – damals noch Bonner – Parlament.

Torsten Lange ist der Name des „pro“-Novizen, der sich nun „intensiv in die Arbeit der Programmkommission für die Landtagswahl 2010 einbringen“ soll, wie Beisicht ankündigt. Womöglich ist nicht jedem sein Name geläufig, denn nur zwei Jahre lang, von 1985 bis 1987, saß Lange für die Grünen als Abgeordneter im Bundestag. Mit der Mehrheit seiner Fraktion zerstritt er sich, weil die nach seinem Geschmack den Verteidigungsetat zu drastisch kürzen wollte.

Statt längerer Parlaments- bringt Lange allerdings reichlich Parteierfahrung mit in seine neue politische Heimat, wenn man – ausnahmsweise in diesem Fall – der Internetplattform „Politically Incorrect“ (PI) glauben will, die einen detaillierten „politischen Werdegang“ Langes veröffentlichte. PI berichtet, Lange sei in jungen Jahren Vorsitzender der Jungsozialisten und SPD-Mitglied in Schwäbisch Gmünd gewesen, 1980 dann Gründungsmitglied der Grünen, die er 1987 nach seiner Abgeordneten-Episode wieder verließ, in den 90er Jahren NRW-Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender der populistischen „Statt-Partei“, aus der er 1998 schließlich austrat, und von Februar 2008 bis Anfang 2009 CDU-Mitglied in Bonn, seinem Wohnort, ehe er zu „pro NRW“ fand.

„Spektakulär“, um Beisichts Diktum aufzugreifen, wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn einer, der so überreichlich Erfahrung mit Ein- und Austritten bei Parteien hat, bei seiner Suche nach einer neuen politischen Heimat nicht früher oder später auch einmal bei „pro NRW“ Station machen würde, könnte man vermuten. Erst recht, wenn es Kontinuitäten im politischen Denken gibt.

Beisicht verklausuliert letzteren Sachverhalt ein wenig: Lange sei „ein gutes Beispiel für die sehr unterschiedlichen Wurzeln der Grünen in ihren Anfangsjahren“. Gemeint haben könnte der „pro NRW“-Vorsitzende Langes Engagement bei der „Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher“ (AUD) Ende der 70er Jahre. Die Rechtsaußentruppe, die in den 60er Jahren eine Alternative zur NPD aufbauen wollte, hatte sich auf die Suche nach einem „Neuen Nationalismus“ gemacht, um dann nach einigen Wahlschlappen in den 70ern Ökologie und „Lebensschutz“ als „ihr“ Thema zu entdecken und schließlich bei den Grünen anzudocken. Lange war mittendrin. So gesehen wäre sein aktueller Einsatz für „pro NRW“ kein Wechsel der politischen Lager – eher eine Rückkehr zu den Wurzeln. Von rechtsaußen nach rechtsaußen. (rr)