GT: Meinolf Schönborn lädt zum „Julfest“ ein

Herzebrock-Clarholz – Statt sich aller politischen Aktivitäten zu enthalten und nur noch mit Feuerwehr-T-Shirts zu handeln, wie er dies vor drei Jahren versprochen hatte, ist Meinolf Schönborn immer noch in der Neonaziszene aktiv.

Er wolle die freiheitlich demokratische Grundordnung achten, seine politischen Aktivitäten einstellen, den Wohnsitz ins Ausland verlegen und sich künftig auf den Vertrieb von T-Shirts mit „Feuerwehr-Motiven“ beschränken. So schmeichelte sich der damals 51-jährige, einschlägig vorbestrafte Neonazi Meinolf Schönborn im August 2006 bei den Richtern der Staatsschutzkammer am Dortmunder Landgericht ein. Seine Hoffnung, dank seines Läuterungsgelübdes noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, ging auf. 18 Monate auf Bewährung wegen Volksverhetzung und Verbreitung von Propagandamitteln verfassungsfeindlicher Organisationen waren es am Ende. Der Staatsanwalt hatte dem Neonazi aus dem Ostwestfälischen seinerzeit die Besserungsversprechen nicht abgekauft: Schönborn habe sich von seinem Tun nie distanziert und sei daher gar nicht bewährungsfähig. Die Dortmunder Staatsschutzkammer sah’s anders und glaubte Schönborn.

Drei Jahre später lässt sich festhalten: Nach wie vor zeigt Meinolf Schönborn wenig Sympathien für die freiheitlich-demokratische Grundordnung, seine politischen Aktivitäten hat er nicht eingestellt, seine Adresse in Herzebrock-Clarholz im Kreis Gütersloh deutet nicht auf einen Wohnsitzwechsel ins Ausland hin, und geschäftlich beschränkt er sich auch nicht auf den Handel mit T-Shirts, die „Feuerwehr-Motive“ zeigen. Sein Schönborn-Versand bietet statt dessen fast alles, was jenen „Oldschool“-Neonazis gefallen könnte, die von neueren Entwicklungen mindestens der letzten fünf, sechs Jahre unberührt geblieben sind – wie etwa der Entwicklung der „Autonomen Nationalisten“.

„Reden und Lieder des Dritten Reiches“ gibt es bei Schönborn ebenso wie Musik von Neonazi-Liedermacher Frank Rennicke oder des Duos Annett & Michael. Tarnkleidung ist im Angebot, dazu Bomberjacken und Springerstiefel für den Mann. Für „Mädels“ wird unter anderem ein „Ladies-Top, bw-flecktarn“ empfohlen. Baseballschläger, Schlagstöcke, Elektroschocker und Messer werden u.a. in der Rubrik „Sicherheitsausrüstung“ offeriert; das Pfeffergas zählt zu den „Ausrüstungskleinteilen“. T-Shirts mit Feuerwehrmotiven sucht man bei einer ersten Durchsicht von Schönborns breiter Produktpalette vergeblich.

In diesem Sommer hat er zudem die Herausgeberschaft der Neonazi-Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ übernommen. Und in der Nähe von Erfurt organisiert er regelmäßig Tagungen und andere Veranstaltungen. Bei der „Herbsttagung“ Anfang Oktober ging es um die aus Neonazisicht selbstredend vornehmlich zu Lasten der Deutschen gefälschte Geschichtsschreibung. Politisch-praktische Fragen spielten dabei offenbar keine Rolle, weil – wie ein Teilnehmer in einem Veranstaltungsbericht schrieb – „die Machtfrage seit 1945 geklärt ist und unser Kampf sich daher (zunächst) auf das geistig – weltanschauliche beschränken muß“. Möglicherweise könnte für Schönborn aber auch eine Rolle spielen, dass er bei einer eventuellen weiteren Anklage und Gerichtsverhandlung nicht sicher sein kann, erneut so vertrauensseligen Richtern wie einst in Dortmund gegenüberzustehen.

„Geistig-Weltanschauliches“ soll auch bei der nächsten Veranstaltung thematisiert werden. Gemeinsam mit Heinz-Franz Schulte lädt Schönborn aktuell zur „Weihnachtstagung“ bzw. zum „Julfest“ vom 27. bis 29. Dezember ein, erneut „in der Nähe von Erfurt“.

Am ersten Tag soll sich ein „Festvortrag“ mit der „Herkunft der ,christlichen’ Sitten und Gebräuche“ beschäftigen. „Es kann jetzt schon das Resümee gezogen werden, daß diese Verhaltensweisen ausnahmslos ,heidnischen’ Ursprungs sind, von den Wallfahrten über die Strukturierung des Tages-, Jahres- und Lebenslaufes bis zur Platzierung des Kirchgangs am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr. Hierzu zählen selbstverständlich auch die typischen Kennzeichen der Wintersonnenwende, wie das Anzünden des Lichterbaums, einer immergrünen Tanne, deren Zapfen kerzenförmig nach oben stehen, und der rituelle Verzehr von Lebkuchen und Totemtier“, betonen die Einladenden. Die alten Sitten sollen abends von allen Teilnehmern dann auch ganz praktisch „neu erprobt und erfahren werden“, unter anderem beim „rituellen“ Verzehr der Wildschweinkeule, die im Teilnehmerbeitrag (172 Euro im Einzelzimmer, 144 Euro im Doppelzimmer und 107 Euro für Gäste, die mit Schlafsack anreisen) enthalten ist.
„Nun mag man sich fragen, was diese Thematik mit der Jetztzeit und mit dem Deutschtum zu tun hat“, greifen die Einladenden mögliche Kritik aus dem eigenen Lager an solch weit rückwärts gewandten Tagungsthemen auf. „Als Antwort kann gegeben werden, daß das deutsche Volk keines der Art ist, wie die anderen auf der Welt vorhandenen.“ „Deutsches Bestreben“ sei es, so erfahren wir, „dem Ungeist der sog. Aufklärung zu widerstehen“.

Dem soll sich demnächst ein Verein widmen und die Trägerschaft der Tagungen übernehmen: „Ordo mundi“. „Dieser Name wird auch Programm sein“, erklären Schönborn und Schulte und verweisen auf dessen doppelte Bedeutung: „Zum einen: Die Ordnung der Welt!, zum anderen: Der Orden der Welt!“ (ts)