HS: NPD-Landesvorstand rüffelt Ratsmitglied Wilke

Erkelenz – Dass ein Stadtratsmitglied in der fernen Provinz vom Landesvorstand seiner Partei öffentlich gerüffelt wird, passiert nicht oft. Holger Wilke, NPD-Stadtverordneter in Erkelenz, ist das jetzt widerfahren. Er wäre „gut beraten sich in Zukunft im Rat für die Interessen der Deutschen in seiner Stadt einsetzen“, belehrt ihn Matthias Pohl, passenderweise der „Schulungsleiter“ der NPD in Nordrhein-Westfalen.

Dass Wilke am 9. November an einer Gedenkfeier zum Jahrestag der Pogromnacht des Jahres 1938 teilnahm und sich anschließend gar in einem Schreiben an den Bürgermeister für optische Verbesserungen auf dem jüdischen Friedhof der Stadt und für ein würdigeres Gedenken einsetzte (/nrwrex/2009/12/nebenbei-npd-stadtrat-mit-ariernachweis), stößt bei Pohl auf schroffe Ablehnung.

„Wir Nationaldemokraten nehmen diese Anfrage mit Befremden zur Kenntnis“, heißt es in einer Erklärung Pohls, die von der NPD unter der Überschrift „Wir Nationaldemokraten fühlen uns nur den Interessen der Deutschen verpflichtet“ veröffentlicht wurde. Die NPD sehe es „nicht als die Aufgabe eines nationaldemokratischen Kommunalpolitikers an, sich an Veranstaltungen zu beteiligen, bei denen wir Deutschen als ,Tätervolk’ deklassiert werden“.

Nach einigen weiteren antisemitischen Tiraden („seit 60 Jahren betriebener Schuldkult“, „ewige jüdische Opfertümelei“, „finanzielle Auspressung des deutschen Volkes“) folgt noch einmal der Hinweis, ein „nationaler Mandatsträger“ habe sich „schon alleine aus moralischen Gründen“ nicht bei Gedenkveranstaltungen wie der am 9. November in Erkelenz „rumzutreiben“.

Verschwunden ist von der Homepage der Landes-NPD inzwischen das Protokoll eines am 21. Dezember geführten Gesprächs der „Redaktion von npd-nrw.de“ mit Wilke, das eher an ein Verhör erinnerte. Wilke hatte in dem Gespräch gedankenakrobatisch versucht, seine Anfrage an den Bürgermeister so umzuinterpretieren, dass sie auch noch ins Weltbild antisemitischer NPD-Funktionäre hätte passen können. Seine Verteidigungsstrategie war dann aber endgültig geplatzt, als die Anfrage im Wortlaut veröffentlicht wurde. (rr)

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