NE: Ex-Südtirol-Aktivist Hartung in Meerbuscher Integrationsrat gewählt

Meerbusch – Der in Italien zu lebenslanger Haft verurteilte Südtirol-Aktivist Erhard Hartung ist am Sonntag in den Meerbuscher Integrationsbeirat gewählt worden.

Hartung beteiligte sich in den 1960er Jahren an Aktionen, die die Abtrennung Südtirols vom italienischen Staat herbeiführen sollten. Ihm wird vorgeworfen, auch in einen Sprengstoffanschlag involviert gewesen zu sein, bei dem vier Menschen ums Leben kamen.

Hintergrund des Anschlags waren Bemühungen einer relativ starken Bewegung in Norditalien in den 1960er Jahren, weitreichende Autonomierechte für Südtirol zu erzwingen. Die Bewegung wurde von rechtsstehenden Kräften aus Deutschland und Österreich unterstützt, die darauf abzielten, Südtirol gänzlich aus Italien zu lösen und es Österreich einzugliedern.

Unter den Südtirol-Separatisten entwickelte sich relativ bald ein Flügel, der zu den Waffen griff und zahlreiche Sprengstoffanschläge verübte; es kam zu Todesopfern. Einer dieser Anschläge wurde am 25. Juni 1967 durchgeführt. Die Täter sprengten an der Porzescharte in den Karnischen Alpen einen Strommast und legten am Tatort Minen, durch die vier italienische Grenzer zu Tode kamen.

Erhard Hartung wurde 1971 in Italien wegen Beteiligung an dem Attentat zu lebenslanger Haft verurteilt; Staatspräsident Giorgio Napolitano lehnte seine Begnadigung im Jahr 2007 ab. Hartung selbst streitet die Tatbeteiligung ab.

Über das Milieu, in dem Hartung sich ab 1963 bewegte - nach eigenen Angaben ausschließlich als Sanitäter -, liegen ausführliche Beschreibungen vor. In einem Text, der vor Jahren im Namen der „Kameradschaft der ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfer“ via Internet verbreitet wurde, hieß es über die Aktivisten: „Die Männer querten die Grenze hoch in der Fels- und Eisregion der Stubaier Alpen in der Nähe des Timmelsjochs und zogen über die Berge bis Walten im Passeier, wo sie aus einem von Georg Klotz in einer Höhle angelegten Versteck weitere Waffen und Munition ausfaßten. Dann ging es weiter über die Hochregion der Sarntaler Alpen in das Sarntal. Vor dem Kraftwerk in Rabenstein griffen die Männer eine italienische Einheit an. Sie schossen über die Köpfe der italienischen Soldaten hinweg. Es sollte keine Toten geben. In diesem Feuergefecht sollte die italienische Einheit nur das Fürchten lernen.“

„Die jungen Burschen“, hieß es weiter, gingen „mit Gewehren und Maschinenpistolen in den Kampf, der bis 1967 andauern sollte. Sie operierten in der Nacht, sprengten Masten und lieferten sich Feuergefechte mit den italienischen Streitkräften, die mit Suchhunden und Hubschraubern hinter ihnen her waren. Zehntausende von Soldaten und Carabinieri schafften es mehrere Jahre hindurch nicht, ihrer habhaft zu werden. Die Nächte gehörten ihnen.“

Der inzwischen 67-jährige Erhard Hartung arbeitete bis zu seiner Pensionierung fast 40 Jahre lang als Anästhesist an der Düsseldorfer Universitätsklinik und war zeitweise Mitglied in deren Personalrat. In Meerbusch gehörte er laut der Rheinischen Post dem Vorstand des Fördervereins des Meerbusch-Gymnasiums an und war einer der Begründer der lokalen Hospizbewegung.

Hartung ist bis heute in Kreisen aktiv, die sich für die Abtrennung Südtirols von Italien einsetzen. Noch vor drei Jahren sprach er öffentlich von einer „bestehenden Fremdbesetzung Südtirols“. In der Vergangenheit hielt Hartung unter anderem Kontakt zu dem Gründer der Nationaldemokratischen Partei (NDP) Österreichs; die NDP ähnelte der deutschen NPD und wurde 1988 wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verboten. (jk)

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