NRW: DVU hat nur noch Kohle für ein neues Fahrrad – aber ein gutes (ergänzt)

Dortmund – Max Branghofer ist offenbar am Wochenende als Vorsitzender der nordrhein-westfälischen DVU im Amt bestätigt worden.

Bisher haben weder die Bundes-DVU noch der NRW-Landesverband oder der Dortmunder Kreisverband etwas zu dem Landesparteitag verlauten lassen, der am Sonntag stattfand. In einem Leserblog der extrem rechten Internetplattform „Gesamtrechts“ findet sich allerdings ein Bericht, den ein Gast des Parteitags geschrieben hat. „Wirkliche Interna“ will der Autor zwar nicht ausplaudern, da „die Mitglieder größtenteils zu ehrenwert“ seien und er auch DVU-Chef Matthias Faust Glaubwürdigkeit attestiert. Ein paar interessante Einblicke liefert der Text aber dennoch.

Wenig überraschend ist seine Beobachtung, „daß die Zahl der Delegierten und Besucher weitaus geringer war als die Zahl der Bücher auf den Verkaufstischen“. Vorhersehbar war auch seine Einschätzung des Altersdurchschnitts der Teilnehmer: „Deutlich über 60, junge Leute sah man praktisch überhaupt nicht.“ Und auch was die Vorlieben der Parteitagsteilnehmer an den Büchertischen anbelangt, liest man Erwartbares. Reichlich verkauft wurde demnach „in den letzten Jahren gedruckte Nachkriegsliteratur über die Kriegs- und Vorkriegszeit wie zB. ,Reichskriegertag’, ,Supersoldiers’, ,Hitler als Frontsoldat’ usw.“

Was beim Parteitag fehlte, so jener Autor, war jede kontroverse Auseinandersetzung, „obwohl angesichts der überregional schwachen Wahlergebnisse eigentlich eine heftige Diskussion über den weiteren Weg“ zu erwarten gewesen sei. „Nichts dergleichen!“, bedauert er. Branghofer sei ohne Diskussion wiedergewählt, sachbezogene Anträge seien nicht gestellt worden. „Mit Verlaub gesagt: Das Ganze glich eher einer Sektenversammlung denn dem Landesparteitag einer im politischen Leben stehenden Partei, deren Mitglieder und Delegierte das Ohr am politischen Geschehen haben und die auch einmal Kritik an der Führung üben, zumal ja genügend Anlaß hierfür bestand.“

Strukturell sieht der Autor die DVU in NRW am Ende. Er notiert, dass ein „zentraler Landesverband wie NRW“ ein finanzielles Guthaben besitze, „mit dem man allenfalls ein ganz gutes neues Fahrrad finanzieren kann“. Man hätte, meint der Autor, „den größtenteils offensichtlich seit Jahrzehnten opferbereiten Teilnehmern des Parteitages reinen Wein einschenken sollen, so sie nicht selber schon merkten, daß es zu Ende geht“.

Renitenter als der lethargische nordrhein-westfälische Landesverband zeigten sich am Wochenende die DVU-Landesparteitage für Schleswig-Holstein und Niedersachsen. In beiden Ländern sind die Gegner des Bundesvorsitzenden Matthias Faust am Ruder. Die beiden Landesverbände forderten angesichts der Misere der Partei die Einberufung eines außerordentlichen Bundesparteitags, um „neue Strategien auszuarbeiten und Richtlinien zu erstellen, die der Partei ein Gesicht geben müssten“. Zugleich wird mehr Geld für die Landesverbände gefordert.

Beide Forderungen dürften darauf abzielen oder zumindest zur Konsequenz haben, dass Faust sein Amt verliert bzw. freiwillig abgibt. Allerdings: Für die Einberufung eines Sonderparteitags reicht der Beschluss in zwei Landesverbänden noch nicht aus. Laut Satzung muss ein solcher Parteitag erst dann einberufen werden, wenn fünf Landesparteitage dies verlangen. (ts)

  • Inzwischen berichtet auch die DVU über den Parteitag, der in der Nähe von Recklinghausen stattfand:

http://www.bnr.de/content/branghofer-im-amt-bestaetigt

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