BRD: Ist „pro Deutschland“ käuflich?

Düsseldorf/Berlin – „War Jürgen Rüttgers käuflich?“, fragte „pro NRW“ sich und die Welt, als im vorigen Monat die Sponsoring-Affäre der nordrhein-westfälischen CDU bekannt wurde. Lauscht man dem „pro Deutschland“-Vorsitzenden Manfred Rouhs, fragt man sich nicht, was gegebenenfalls ein Gesprächstermin bei ihm und seinesgleichen kosten würde. Statt dessen könnte man eher die Überlegung anstellen, welche Summe ein Polit-Investor mitbringen muss, damit ihm gleich der Vorsitz der Rouhs’schen „Bürgerbewegung“ angedient wird.

„Pro Köln“-, „pro NRW“- und „pro Deutschland“-Funktionär Rouhs besuchte in der vorigen Woche wieder einmal die „pro D“-Dependance in Berlin. Die Basis in der Hauptstadt hatte bis dahin überwiegend nur aus Zeitungen, dem Fernsehen oder von der Homepage der Rechtspopulisten und auch nur in groben Zügen davon erfahren, dass der schwedisch-deutsche Unternehmer Patrik Brinkmann sein Herz (und wichtiger noch: das Portemonnaie) für die „pro“-Gruppierungen entdeckt und zugleich Interesse an einer Spitzenkandidatur für deren Berliner Filiale bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im nächsten Jahr signalisiert hat.

Am Stammtisch der Berliner „pro Deutschland“-Mitglieder lieferte deren Vorsitzender nun Details nach. Brinkmann habe für den Wahlkampf in Berlin „recht konkrete Zusagen im solide sechs- bis siebenstelligen Bereich gemacht“, berichtete Rouhs. Nach seiner Auffassung rechtfertigt dies auch, „den Herrn Brinkmann als Spitzenkandidaten in der Öffentlichkeit herauszustellen“. Rouhs: „Es muss eines klipp und klar gesagt werden: Wenn sich jemand ökonomisch in dieser Größenordnung hier bei uns einbringt, dann verdient er es natürlich, dass er selber in gewissem Maße Kontrolle hat über das, was wird mit dem Geld gemacht.“ Er könne sich sehr gut vorstellen, Brinkmann „auch relativ zeitnah in eine verantwortliche Position hineinzuwählen“.

Dabei muss sich die „verantwortliche Position“ nicht allein auf die Spitzenkandidatur für „pro“ bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus beschränken. Nach der Landtagswahl in NRW müsse man überlegen, wie es organisatorisch weitergehe. „Da sind verschiedene Dinge offen. Aber da ist auch für den Herrn Brinkmann nach oben hin nichts limitiert“, sagte der „pro Deutschland“-Chef am Stammtisch der Berliner „Bürgerbewegten“. Falls Brinkmann sage, er wolle „Vorsitzender vom Ganzen werden und tritt mit uns als Mannschaft an und finanziert mit ’ner Million Euro oder so was in der Kante den Landtagswahlkampf, dann wäre ich der Letzte, der sich dagegen stemmen würde“. Im Gegenteil: Das sei ein Schritt, den er „außerordentlich begrüßen würde“, sagte Rouhs. (ts)