MS: JN-Bezirksbeauftragter bei „Lebensschützer“-Marsch

Münster. Unter den Teilnehmenden eines Gebetszugs fundamentalistischer Christen befand sich am Samstag auch Marcel Huesmann, der in der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ die Position des „Bezirksbeauftragten Münsterland/OWL“ inne hat.

Huesmann und drei weitere Kameraden nahmen von Anfang bis Ende an dem „1000-Kreuze-Marsch“ teil, ohne dass sie vom Veranstalter, der Münchener Gruppe „EuroProLife“, der Prozession verwiesen wurden. Mit dem Marsch will „EuroProLife“ auf die angeblich 1000 „Kinder“, die an jedem Werktag durch Abtreibungen „ermordet“ würden, hinweisen.

Seit 2006 demonstriert „EuroProLife“, das sich als überkonfessionelle Sammlung von so genannten Lebensschützern versteht, in Münster. Während sie in den ersten Jahren für die Auftaktmessen sogar den Dom nutzen konnten, fiel der Gottesdienst am Samstag aus. Das Bistum Münster wollte den Fundamentalisten keine Kirche mehr zur Verfügung stellen, nachdem 2009 gut 200 Feministinnen und Antifaschisten den Gebetszug für mehrere Stunden blockiert hatten.

Auch am Samstag wurden die gut 100, weiße Holzkreuze tragenden Abtreibungsgegner von mehr als doppelt so vielen Gegendemonstranten lautstark begleitet. Mit Sirenen, Slogans, Schildern und Transparenten forderten sie ein Recht auf Selbstbestimmung und legalen Schwangerschaftsabbruch und sprachen sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen aus.

Dies war nicht die erste „EuroProLife-Veranstaltung“ mit Neonazi-Beteiligung: Bereits 2008 hatten Mitglieder der „Freien Nationalisten“ und des NPD-Ablegers „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ an einem „1000-Kreuze-Marsch“ in München teilgenommen. „EuroProLife“-Präsidiumsmitglied Wolfgang Hering distanzierte sich im Nachhinein von seinen neonazistischen Unterstützern. (hp)