DO: 85 Neonazis bei Demo am Vorabend des 1. Mai – und ein Feuerwehrmann unter politischen Brandstiftern

Dortmund – Es war eine der kleineren Neonazi-Aktionen, wie sie Dortmund in den letzten Jahren neben den größeren Veranstaltungen der Szene zum 1. Mai oder 1. September schon zuhauf erlebt hat. Und doch könnte die Demonstration am Freitagabend mit rund 85 Teilnehmern noch zu einigen Diskussionen führen.

Für den, der sich mit lokalen Personalien nicht auskennt, war alles wie immer bei vergleichbaren Aktionen der „autonom-nationalen“ Szene in der Ruhrgebietsstadt. Dennis Giemsch, Dortmunds „Ober-Rechtsautonome“, verlas an der Katharinentreppe gegenüber dem Hauptbahnhof die Auflagen; ein junger „Kamerad“ – diesmal einer aus Datteln – durfte sein Glaubensbekenntnis als „Nationalsozialist“ in die Runde schreien; Giemsch selbst setzte zu einer Rede an – diesmal u.a. darüber, dass die „nationalen Sozialisten“ dafür gesorgt hätten, dass die Produktion von Brandt-Zwieback in Hagen erhalten worden wäre –; dann setzte sich der Tross in Richtung Dortmund-Dorstfeld in Bewegung.

Was aber lokalpolitisch noch für weitere Diskussionen und Fragen sorgen dürfte, war die Tatsache, dass sich einer unter die politischen Brandstifter gemischt hatte, den man dort bis gestern nicht vermutet hätte: Klaus Schäfer, ehemals Chef der Dortmunder Berufsfeuerwehr und inzwischen Leiter des städtischen Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie.

Schäfer ist zwar seit zwölf Jahren im Besitz eines SPD-Parteibuchs, wirkte aber inmitten der „Autonomen Nationalisten“ keineswegs wie ein Fremdkörper: hier eine vertraut/bekannt wirkende Begrüßung, dort ein Smalltalk, kräftiges Händeklatschen bei den Redebeiträgen, ehe er sich wie selbstverständlich in den Demonstrationszug Richtung Dorstfeld einreihte.

Wie die Westfälische Rundschau und die Ruhrnachrichten am Abend berichteten, wurde Schäfer von Stadtdirektor Siegfried Pogadl umgehend vom Dienst suspendiert. Dortmunds SPD-Parteichef Franz-Josef Drabig kündigte an, man werde „den Sachverhalt genauestens prüfen und gegebenenfalls ein Parteiordnungsverfahren einleiten“. (ts)

  • Zu den Berichten von Westfälischer Rundschau und Ruhrnachrichten geht’s hier:

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Dortmunds-Ex-Feuerwehrchef-applaudiert-Nazis-id2923676.html

http://www.ruhrnachrichten.de/Dortmund-Leitender-Feuerwehrmann-Schaefer-unter-Neonazis-sofort-vom-Dienst-suspendiert;art930,894093#