SG: Kräftemessen zwischen NPD und „pro NRW“

Solingen – Rechtes Kräftemessen, Teil 2: Parallel wollen am kommenden Samstag, 1. Mai, „pro NRW“ und die NPD in Solingen Kundgebungen abhalten.

Das erste Kräftemessen war am letzten März-Wochenende unentschieden ausgegangen: Jeweils knapp 200 Teilnehmer hatten am letzten März-Wochenende beide extrem rechte Parteien für ihre jeweiligen Demonstrationen in Duisburg-Marxloh mobilisieren können. Wer diesmal mehr Leute auf die Straße bringen kann, ist offen. Klar ist nur, dass es hier wie da weniger Teilnehmer werden dürften als vor fünf Wochen.

In der Kasinostraße (Fußgängerzone) will „pro NRW“ auflaufen. Als Redner angekündigt sind dort in einer aktuellen Mitteilung von „pro NRW“ deren Vorsitzender Markus Beisicht, der Wiener FPÖ-Landtagsabgeordnete Wolfgang Jung sowie „weitere Spitzenvertreter unserer Bürgerbewegung“. In einer früheren Mitteilung war auch die Teilnahme von „pro NRW“-Finanzier Patrik Brinkmann avisiert worden. Angeblich rechnet „pro NRW“ mit rund 200 Teilnehmern. Das erscheint freilich deutlich übertrieben – unter anderem weil die Rechtspopulisten diesmal nicht mit einer so kräftigen Unterstützung durch „Vlaams Belang“ oder FPÖ rechnen können wie Ende März in Duisburg.

Nichtsdestotrotz dürfen die gewohnt vollmundigen Töne bei den Rechtspopulisten nicht fehlen. „Wir werden die letzte Wahlkampfwoche mit einem Paukenschlag in der Klingenstadt Solingen eröffnen. Gerade im bergischen Städtedreieck Wuppertal, Remscheid und Solingen ist pro NRW inzwischen zu einer festen Größe geworden“, lässt sich Udo Schäfer, Kreistagsmitglied im Oberbergischen Kreis, zitieren. Schlagzeilen hatte „pro NRW“ zuletzt in Solingen nicht nur wegen der Kundgebung gemacht, sondern auch wegen ihres lokalen Direktkandidaten für die Landtagswahl, Tobias Nass. Fotos zeigten ihn mit einem Aktivisten aus der militanten Neonazi-Szene und mit Hitler-Bärtchen. Als seine politische Vorbilder wurden in seinem StudiVZ-Profil der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger und der Ex-FAP-Vorsitzende Friedhelm Busse genannt.

Realistischer, was die erwartete Größe der eigenen Veranstaltung anbelangt, zeigt sich die NPD. Sie rechnet einem Bericht des Solinger Tageblatts zufolge mit 60 bis 80 Teilnehmern. Man wolle verdeutlichen, dass man das „nationale Original“ sei. Die NPD wolle ein „undemokratisches System abwickeln“, während „pro NRW“ lediglich den Islamismus bekämpfen wolle, so der Schwelmer NPD-Funktionär Thorsten Crämer, der in Solingen als Wahlkampfleiter fungiert.

Aufrufe zu der Kundgebung gibt es auf den NPD-Seiten aus Nordrhein-Westfalen bislang nicht. Lediglich eine Neonazi-Homepage aus dem Bergischen Land veröffentlichte einen Text, der offenbar aus NPD-Quellen stammt. Demnach organisieren die NPD-Kreisverbände Ennepe-Ruhr/Wuppertal sowie Düsseldorf/Mettmann die Kundgebung auf dem Bremsheyplatz in Solingen-Ohligs „in Abstimmung mit dem Landesverband“. Als Redner werden der Landesvorsitzende Claus Cremer, Vertreter des JN-Bundesvorstandes sowie „unserer rußlanddeutschen Landsleute“ erwartet.

„Gerade für die Kameradinnen und Kameraden, welche eine Woche vor dem Wahltermin oder auch aus anderen Erwägungen heraus nicht die Reise zu einer Mai-Kundgebung in anderen Bundesländern auf sich nehmen möchten, gleichwohl aber an diesem Tag der deutschen Arbeit Präsenz zeigen wollen, ist dies eine gute Gelegenheit“, heißt es in dem Text. (ts)