NRW: Andreas Molaus No-Go-Areas

Leverkusen – Fünf Tage nach der Wahl war es soweit: „Pro NRW“ begrüßte öffentlich den neuesten Neuzugang. Andreas Molau hatte sich zwar schon im Wahlkampf hier und da für die „Bürgerbewegung“ nützlich gemacht. Schlagzeilen wegen des Mannes, der sich noch vor eineinhalb Jahren daranmachte, Bundesvorsitzender der NPD werden zu wollen, galt es aber kurz vor dem Urnengang zu vermeiden.

Mehr im Hintergrund soll Molau nun für „pro“ wirken, die Öffentlichkeitsarbeit „unterstützen“ und sich „insbesondere auch im Bereich der neuen Medien einbringen“, hieß es bei „pro NRW“. Keine zwei Jahre ist es her, da wirkte Molau, damals Mitglied des NPD-Bundesvorstands, nicht im Hintergrund, sondern trat beim Sommerfest der nordrhein-westfälischen NPD in deren Zentrale in Bochum-Wattenscheid als Redner auf. Auftritte wie dieser dürften es gewesen, die es Molau und den „pro NRW“-Oberen angeraten erschienen ließen, den Beitritt zur „Bürgerbewegung“ erst nach dem Wahltag zu vollziehen bzw. diesen Beitritt erst nach dem 9. Mai bekannt zu geben.

Knapp 50 Minuten dozierte der „Nationalist“, wie er sich selbst bezeichnete, bei jenem NPD-Sommerfest vor seinen „Kameradinnen und Kameraden“ über die Aufgaben der NPD und des „Nationalen Widerstands“. Die NPD stehe für einen „Befreiungsnationalismus“, rief Molau seinen Kameraden zu: „Wir wollen Deutschland zu einer national befreiten Zone machen!“ Und später unterstrich er: „Wir wollen endlich wieder Herr im eigenen Haus werden.“

Wer in dieser „national befreiten Zone“ bzw. in dem vom damaligen NPD-Spitzenfunktionär erträumten „eigenen Haus“ keinen Platz haben sollte, machte er in jener Rede ebenfalls deutlich. „Da heult der Herr Laschet vor Kurzem rum, es gäbe auch hier in Nordrhein-Westfalen – vielleicht ist das ja dem einen oder anderen auch schon aufgefallen – sogenannte No-Go-Areas für Schwarze. No-Go-Areas, also Gebiete, in die sich Schwarze, also Maximalpigmentierte – Neger darf man ja nicht mehr sagen –, in die sie sich nicht mehr hereintrauen würden“, sagte er, um sich sogleich mit den folgenden Sätzen den begeisterten Applaus der NPD-Festgesellschaft zu verdienen: „Ja, liebe Freunde, wir würden ja uns ja freuen, wenn es so wäre. Wir wären ja froh, wenn es Räume in Nordrhein-Westfalen oder Deutschland geben würden, wo mal keine Schwarzen da wären, das wäre doch tatsächlich mal etwas.“

In diesem Stil geht es weiter. Es wäre ein „Segen“, sagte Molau, wenn man einmal einen Modekatalog aufschlage und „nicht unbedingt auf jeder dritten Seite einen Mulatten oder einen Schwarzen“ sehe. Türken dürfen im Molauschen Katalog der Fremden „im eigenen Haus“ nicht fehlen: „Ich wäre ja froh, wenn ich in irgendeine deutsche Stadt käme und würde einmal keine Döner-Bude sehen. Das wäre herrlich: No-Go-Areas für Döner-Buden und ihre Besitzer.“ Doch nicht nur Migranten sind eine Gefahr: „Wir“, sagte Molau und meinte die NPD, „können den Menschen die Vision sagen, dass wir es durchaus nicht als besonders erstrebenswert empfinden, wenn jede größere deutsche Stadt von Schwulen regiert wird“.

Damals legte Molau noch Wert auf die Abgrenzung zu „pro NRW“. Der „Bürgerbewegung“ fehle der „weltanschauliche Unterbau“, ohne den sie „ziemlich schnell wieder in sich zusammenfallen“ werde: „Die ,pro’-Bewegung ist tatsächlich eine rein populistische Bewegung, nicht nur mit einem Thema, sondern vor allem mit ziemlich platten und schlichten Schlagworten.“ Es genüge nicht, Demonstrationen oder Eingaben gegen Moscheen zu starten, so Molau: „Unser Ziel muss eben sein, die Einwanderungsfrage und die Überfremdungsfrage zu lösen.“

Dass die „pro“-Führungsriege nicht vor dem Wahltag auf solche Auftritte ihres Neuzugangs angesprochen werden wollte, erscheint logisch. Bis zur nächsten Wahl, so dürfte man dort hoffen, könnte über Molaus politisches Vorleben Gras gewachsen sein. Vorausgesetzt, Parteienwechsler Molau sieht dann noch bei „pro NRW“ seine politische Heimat. (ts)

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