NRW: Prinzip Hoffnung regiert bei NPD – und der Landesvorsitzende will mehr Kohle

Berlin/Bochum/Unna/Dortmund – Bei der NPD regiert nach der Wahlpleite in NRW das Prinzip Hoffnung: die Hoffnung auf bessere Zeiten für die Neonazi-Partei. Und gesucht werden Schuldige für das Debakel: selbstredend vor allem außerhalb der Partei.

„Wir haben die besseren Argumente, wir sind die wirkliche Alternative und wir werden weiter kämpfen“, gibt sich Parteichef Udo Voigt überzeugt. Gewaltige Wählerscharen sind seiner Meinung nach potenziell für die NPD ansprechbar: „Wir wissen, daß Millionen  Wahlberechtigte (in NRW waren es fast die Hälfte der Wahlberechtigten) ,Gewehr bei Fuß’ stehen, aber von ihrer Waffe - gemeint ist der Stimmzettel - noch die Finger lassen. Das ist heute so, kann sich morgen aber schon sehr wesentlich ändern.“

Fehlersuche in den eigenen Reihen? Weitgehend Fehlanzeige. „Wir können sicher selbstkritisch den einen oder anderen Fehler bei uns suchen und finden, an der Großwetterlage ändern wird dies auch nichts“, meint Voigt. Ein Ergebnis der anstehenden Wahlanalyse kennt er aber bereits: „Einigt Euch, so daß nur eine aussichtsreiche nationale Kraft auf dem Stimmzettel steht.“ Zu den Schuldigen an der Pleite der NPD zählt er „die Medien“, die das Bild der Partei bestimmen würden.

In das Klagelied über die Medien stimmt auch der Landesvorsitzende Claus Cremer ein. Sie hätten auf einen „Lagerwahlkampf“ fokussiert und die Linke, die Piratenpartei sowie eine „pseudonationale Populistentruppe“ gefördert. Cremer nennt das Abschneiden der „einzig wirklichen, nationalen Opposition“ eine „schwere Enttäuschung“. Mit dem „Notetat“, der dem NPD-Landesverband für die Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland zur Verfügung gestanden, habe man aber „das Beste herausgeholt“. Cremer: „Offen wird man sich auch in der Gesamtpartei überlegen müssen, ob man den Westen (insbesondere NRW und Bayern) nicht zukünftig noch stärker und intensiver unterstützen sollte.“

Ähnlich sieht das Günther Hartwig, der auf Platz 5 der Landesliste kandidiert hatte. Die „mangelnde innerparteiliche länderübergreifende Unterstützung der NPD NRW“ könne „schlimmstenfalls dazu führen, dass sich die NPD bei den nächsten Wahlen auch in den anderen Bundesländern nicht nur gegen die bisherigen Systemparteien durchsetzen muss, sondern darüber hinaus sich auch noch gegen ,nationale????’ Scheinalternativen behaupten muss“.

Die Dortmunder NPD verzichtet derweil auf eine Wahlanalyse und beschimpft stattdessen die Wähler: „Ist die Pisa-Studie ein Beleg für den geistigen Zustand im bevölkerungsreichsten Bundesland?“, fällt dem nicht namentlich genannten Autor zur Landtagswahl ein. Das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl in Dortmund quittiert er mit den Worten, die SPD-Wähler hätten sich „mit Bier, Würstchen und ein paar Rosen“ ködern lassen. Und den Wählern im Stadtteil Brackel, die die NPD nicht in ihrer Bezirksvertretung sehen wollten, ruft er zu: „Vielen Dank, auf Wiederseh´n und gute Besserung!“ (ts)

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