NRW: Thorsten Crämer und Beisichts „Griffe ins Klo“

Solingen – Die Kundgebungen von „pro NRW“ und NPD am 1. Mai in Solingen zeigten beiden Parteien ihre Grenzen auf: 70 Teilnehmer waren es bei der selbst ernannten „Bürgerbewegung“, 26 bei der NPD. In der Szene der extremen Rechten sorgen die Veranstaltungen indirekt immer noch für Diskussionen – wenn auch nicht wegen der aus Sicht der Organisatoren dürftigen Beteiligung hier wie da.

Die Vorlage hatte „pro NRW“ in der vorigen Woche geliefert. Dort hatte man sich darüber geärgert, dass die NPD für den selben Tag und die selbe Stadt ebenfalls eine Veranstaltung angemeldet hatte. „VS-Zuträger Thorsten Crämer organisiert Neonazikundgebung gegen pro NRW“, hatte „pro NRW“ über einer Meldung vom 29. April getitelt, in der man sich über die „Plagiatveranstaltung“ empörte, die „möglicherweise vom Innenministerium bestellt“ sei. Organisator des „verfassungsfeindlichen NS-Aufmarsches in Solingen“ sei „der VS-Provokateur Thorsten Crämer“.

„Pro NRW“ vergaß nicht zu erwähnen, dass der Schwelmer NPD-Funktionär und Kreistagsabgeordnete Crämer an einem Überfall auf die NS-Gedenkstätte in Kemna beteiligt gewesen sei und der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach ihn „als Zuträger des Verfassungsschutzes outete“. Dies habe Crämer nach seiner Haftentlassung aber nicht daran gehindert, „im rechten Narrensaum ,staatlich alimentiert’ Karriere zu machen“. Fazit von „pro NRW“: „Folglich organisiert also ausgerechnet ein enttarnter V-Mann des Verfassungsschutzes, in wessen Auftrage auch immer, eine Plagiatveranstaltung mit dem Ziel pro NRW zu diskreditieren.“

Crämer konterte am Montag. Unter dem Titel „pro NRW dreht endgültig durch“ erschien auf den Internetseiten seines NPD-Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Wuppertal ein „Interview“ mit Crämer, in dem er sich gegen „Hetze aus der untersten Schublade“ wehrt. Offenbar ist er auch persönlich enttäuscht von Beisicht. Mit Thorsten Crämer, so heißt es im einleitenden Text, werde ausgerechnet jener Funktionsträger der NPD in NRW diffamiert, „der lange Zeit hindurch versucht hat, ein kontraproduktives Gegeneinander des ,rechten’ politischen Spektrums zu verhindern und die personell nahezu deckungsgleiche pro NRW-Keimzelle pro Köln immer wieder unterstützt hat“.

Ein „absolut reines Gewissen“ habe er, was den VS-Vorwurf anbelangt, betont Crämer. Mehr noch: „Beisicht weiß genauer als viele andere, selbst in der eigenen Partei, daß ich niemals im Auftrag irgendeines Geheimdienstes, einer Polizeibehörde oder anderer in- und ausländischer staatlicher Organe tätig war.“ Schließlich sei Beisicht seinerzeit in dem Verfahren wegen des Kemna-Überfalls sein Anwalt gewesen. Nebenbei lässt Crämer einfließen, ihn hätten „diverse Mitstreiter, aber auch nicht der NPD angehörende Personen aus dem nationalen Spektrum, angerufen und mir mitgeteilt, daß sie diese neuerliche Schmutzkampagne“ angesichts der Tatsache, dass Crämer einst Beisichts Mandant gewesen sei, „besonders degoutant“ fänden. Wegen der falschen Tatsachenbehauptungen werde er auf Unterlassung klagen, kündigte Crämer an.

Beisichts Fähigkeiten als Parteivorsitzender hält der NPD-Funktionär für äußerst limitiert, seine Versuche, neues Personal ohne zweifelhaften Ruf zu rekrutieren, für gescheitert. Beisicht und Rouhs würden heutzutage „die Nackten und die Toten“ einsammeln, „die anderswo wirklich keiner mehr haben wollte“. Dabei nehme man auch ehemalige Mitglieder des „VS-verseuchten Narrensaums“ mit Kusshand auf, um die eigenen lückenhaften Reihen zu schließen. Crämer nennt Nico Ernst und Tobias Nass als Beispiele. Ernst werde „von seinem ehemaligen NPD-Kreisverband in Köln wegen während seiner dortigen Schatzmeistertätigkeit auf merkwürdige Weise abhanden gekommener Gelder mit dem Gerichtsvollzieher verfolgt“. Und im Fall Nass könne die NPD „froh sein, daß sie den ,integren Kandidaten’ beizeiten quitt wurde und seine amüsanten Auftritte als Charlie-Chaplin-Double nun auf pro NRW zurückfallen“, wie Crämer unter Anspielung auf ein Foto, das Nass mit Hitler-Bärtchen zeigt, schreibt. Die beiden „pro“-Zugänge aus den Reihen der NPD seien für Beisicht jedenfalls „Griffe ins Klo“ gewesen.

„Besonders apart“ finde er, Crämer, es aber im Übrigen, dass Beisicht ihn, „den angeblich enttarnten ,VS-Zuträger’“, noch im Januar „zum x.ten Male animieren wollte, seinem Clübchen ebenfalls beizutreten“. (ts)