DO: Neonazis werben in Baden-Württemberg für „Antikriegstag“

Dortmund – Auch in diesem Jahr werben Dortmunder Neonazis bundesweit persönlich für ihren „Nationalen Antikriegstag“, der diesmal am 4. September stattfinden soll.

Zwei von ihnen reisten einem eigenen Bericht zufolge am Samstag zu einer „Mobilisierungsveranstaltung“ nach Baden-Württemberg, an der angeblich „etwa 50 Aktivisten“ teilnahmen. Während einer von ihnen sich in seiner Rede mit den „weltanschaulichen Hintergründen“ des geplanten Neonazi-Aufmarschs beschäftigte, war der andere mehr fürs Praktische zuständig. Mit einem Verbot der Veranstaltung werde in diesem Jahr nicht gerechnet, verriet dieser. Im vorigen Jahr hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot kurzfristig aufgehoben; die Neonazis mussten sich aber mit einer stationären Kundgebung ohne Demonstrationszug begnügen. Die Zahl der Teilnehmer – für 2009 bezifferte der Dortmunder Referent sie auf rund 800 nach 1300 im Jahr zuvor – werde diesmal wieder steigen.

Unterstützung erhielten die beiden Redner aus dem Ruhrgebiet durch einen Vertreter der „Partei National Orientierter Schweizer“ (PNOS), der, so der Veranstaltungsbericht, „auf die globalen Verpflechtungen der Kriegstreiber einging, bei denen Kriege lediglich dem Kapital dienen und die Völker zu Spielbällen verkommen“. Dabei habe er „Parallelen zu den Ursachen des ersten und zweiten Weltkrieges“ gezogen.

Was man darunter konkret verstehen darf, wurde aus den Redebeiträgen früherer „Nationaler Antikriegstage“ deutlich: die Darstellung Deutschlands als Opfer fremder Kräfte – egal ob jüdisch, kommunistisch oder kapitalistisch –, das den am 1. September 1939 begonnenen Krieg gar nicht gewollt habe. Und in einem weiteren Schritt die Glorifizierung Hitlers, den Veranstaltungsanmelder Dennis Giemsch im vorigen Jahr als „großen deutschen Politiker“ bezeichnete und aus dessen Buch „Mein Kampf“ er zitierte: „Jede Niederlage kann zum Vater eines späteren Sieges werden. Jeder verlorene Krieg zur Ursache einer späteren Erhebung, jede Not zur Befruchtung menschlicher Energie, und aus jeder Unterdrückung vermögen die Kräfte zu einer neuen seelischen Wiedergeburt zu kommen, solange das Blut rein erhalten bleibt.“ (ts)