DO: Antisemitismus, Hitler-Verehrung, Machtergreifungsfantasien

Dortmund – „Gegen Steuergeldverschwendung, Parteienfilz und Vetternwirtschaft“ wollten Neonazis am Donnerstagabend in Dortmund angeblich demonstrieren*. Wer ihren Reden lauschen konnte, hörte das Übliche: Antisemitismus, Hitler-Verehrung und Machtergreifungsfantasien.

So viele freilich konnten den Reden nicht lauschen. Gegendemonstranten sorgten mit allerlei Lärminstrumenten dafür, dass außerhalb des für die rund 70 Neonazis abgesperrten Bereichs oberhalb der Katharinentreppen von den vier Rednern (aus Ahlen, Datteln, Hamm und Dortmund) und einer Rednerin (ebenfalls aus Dortmund) nicht viel zu vernehmen war.

Passanten hätten sich erstaunt gezeigt, „dass sich nationale Deutsche anders verhalten und aussehen, als es die Systemmedien darstellen“, heißt es in einem Veranstaltungsbericht der Dortmunder Neonazis. Was das Outfit der überwiegend sehr jungen Teilnehmer anbelangt, mag das zum Teil zutreffen, was die Reden anbetrifft aber nicht. Vor allem der Vertreter der „Kameradschaft Hamm“ erging sich in antisemitischen Tiraden, während Hitler für ihn zum „größten Staatsmann der Welt“ wurde. Standesgemäß beendete er seine Rede dann auch mit einem Hitler-Zitat.

In diesem Stil – Antisemitismus plus Bekenntnis zum Nationalsozialismus – soll es offenbar spätestens am 4. September beim „Nationalen Antikriegstag“ in Dortmund weitergehen. Die Band „Dissidenten“ hat schon einmal ein „Mobilisierungslied“ für den Neonaziaufmarsch veröffentlicht. „Auf die Straße demonstrieren, Zionisten provozieren“, wird im Refrain des auch ansonsten textlich wie musikalisch eher dürftigen Lieds Sinn und Zweck der Veranstaltung beschrieben. Und was den positiven Bezug auf Hitler anbelangt, steht der Redner der Hammer Neonazikameradschaft nicht alleine. Dennis Giemsch, Anmelder der „Antikriegstags“-Veranstaltung, hatte im vorigen Jahr seine Rede ebenfalls „mit dem Zitat eines großen deutschen Politikers“ beendet und dann aus „Mein Kampf“ zitiert. (ts)

* /nrwrex/2010/07/do-neonazi-kundgebung-angemeldet