DO/UN: DVU-Beitritt von NPD-Funktionären nur eine „Privatinitiative“

Dortmund/Unna – Im Nachhinein scheint Dortmunds NPD-Kreisvorsitzender Matthias Wächter gemerkt zu haben, dass es sich sonderlich klug war, den geplanten Beitritt von NPD-Funktionären zur DVU laut in alle Welt hinauszuposaunen.* Mitglied der „Volksunion“ will er kurz vor ihrem Ende aber dennoch werden.

„Um ein deutliches Zeichen nach dem NPD-Bundesparteitag zu setzen, stellen die Kreisvorsitzenden der Nationaldemokraten in Dortmund und Unna (Matthias Wächter und Hans Jochen Voss) sowie weite Teile der jeweiligen Kreisvorstände, so auch Axel Thieme, Mitgliedsanträge in der DVU“, hatte die NPD Dortmund am Montag mitgeteilt. Die drei namentlich genannten Funktionäre würden sich „auch innerhalb der DVU“ für die Fusion beider Parteien „stark machen“. Am Mittwoch hatte der Kreisverband nachgelegt und ein Foto von Wächters Mitgliedsantrag mit dem Hinweis: „Die Anträge gehen HEUTE RAUS“, veröffentlicht.

Geerntet hatten Wächter und sein Unna/Hammer Amtskollege Hans-Jochen Voß mit ihrer Ankündigung überwiegend Kritik. Sie wollten, so ein Vorwurf, quasi mit einer „feindlichen Übernahme“ den Entscheidungsprozess in der DVU über den geplanten Zusammenschluss manipulieren. So sicher sei die Mehrheit pro Fusion bei dem noch in diesem Monat anstehenden Parteitag der „Volksunion“ offenbar nicht, wenn die Fusionsbefürworter nun zu solchen Mitteln greifen müssten, wurde gemutmaßt. Sogar der Ruf nach einem Eingreifen der Staatsanwaltschaft oder des Bundeswahlleiters wurde laut.

Unter einem Autorennamen, den gewöhnlich ein hochrangiger Funktionär der nordrhein-westfälischen NPD benutzt, wurde in einem einschlägigen Neonazi-Forum daraufhin beteuert, bei der Ankündigung der beiden NPD-Kreisvorsitzenden handele es sich um „Privatinitiativen“. Schon zahlenmäßig könne man daher eine „feindliche Übernahme“ ausschließen. Einen offiziellen Aufruf der NPD an ihre Mitglieder, nun in die DVU einzutreten, gebe es jedenfalls nicht.

Inzwischen rudert Wächter ein klein wenig zurück. Von der Homepage seines Kreisverbandes ist die Beitrittsankündigung wieder verschwunden. DVU-Mitglied wollen er und Voß aber weiterhin werden: „Die Eintritte in die DVU sollen unseren Willen nach einer geschlossenen, vereinten nationalen Partei untermauern und den wenigen Spaltern, die nicht im Sinne Deutschlands handeln, eine klare Abfuhr erteilen.“ Sein Amtskollege Voß beeilt sich zu versichern: „Ich folge keinerlei Aufruf in die DVU ein zu treten, sondern nur meinem eigenen Willen.“

Wächters Hinweis auf die „wenigen Spalter“ innerhalb der DVU dürfte den Hinweis liefern, worum es ihm und Voß vor allem geht. Als „Spalter“ haben sie Max Branghofer ausgemacht, den Dortmunder DVU-Kreis- und NRW-Landesvorsitzenden, der eine Fusion mit der NPD strikt ablehnt. Für ihn dürfte die Vorstellung, beim DVU-Parteitag auf seine Intimfeinde Wächter und Voß zu treffen und ihnen zu unterliegen, als Höchststrafe gelten. Und umgekehrt: Für Wächter und Voß wäre es ein kleiner Triumph ganz am Ende der DVU-Geschichte. (ts)

* /nrwrex/2010/11/doun-npd-funktion-re-wollen-mit-sich-selbst-fusionieren