UN/SU: „NPD - DVU 99:1“

Unna/Siegburg – Die DVU-Mitglieder sind in der NPD willkommen, große Erwartungen, was ihren programmatischen und personellen Einfluss in der „neuen“ Partei anbelangt, sollten sie aber nicht hegen, wenn es nach manchen NPDlern geht.

„Gemäß dem Parteitagsmotto ,Gemeinsam stärker’ wird die NPD auch hier vor Ort verstärkt auf die Mitglieder der Deutschen Volksunion zugehen, um sie für das gemeinsame Projekt ,NPD – Die Volksunion’ zu gewinnen“, versicherte die NPD im Rhein-Sieg-Kreis nach dem Parteitag in Hohenmölsen.* Die NPD Unna/Hamm erklärte ganz ähnlich: „Jetzt gilt es von unserer Seite auch auf der lokalen Ebene auf die DVU Mitglieder zu zugehen und sie in unseren Reihen kameradschaftlich aufzunehmen.“

Der von Hans-Jochen Voß geleitete Kreisverband mag sich allerdings den Hinweis nicht verkneifen, im jahrzehntelangen Gegeneinander von NPD und DVU hätte sich „unsere Partei als die vitalere und kämpferischere Gemeinschaft erwiesen“. Und weiter: „Irgendwelchen Vermutungen und Orakeleien über einen angebliche Kurswechsel“ nach dem Zusammenschluss müsse „eine energische Absage erteilt werden“.

Etwas deutlicher wird noch ein Mitglied des Kreisverbandes Unna/Hamm in den Diskussionsspalten einer Neonaziplattform im Internet. Dr. Günther Hartwig, Listenfünfter der NPD bei der Landtagswahl im Mai, notiert dort, „die paar DVU-Anhänger“, die zur NPD kommen würden, „werden die grundsätzliche Richtung der NPD sicher nicht entscheidend verwässern können“. Die „tatsächlich zu erwartenden innerparteilichen Machtverhältnisse“ skizziert er kurz und knapp so: „NPD:DVU = 99:1“.

Seiner Partei empfiehlt Hartwig, „auch in Zukunft möglichst noch stärker als bisher mit freien Strukturen als Partner“ zu kooperieren. Die „freien Kräfte“, und insbesondere die Jüngeren aus diesem Spektrum, sollten sich „vermehrt in die Partei einbringen und sich nicht von den wenigen tatsächlich hinzugekommenen DVUlern (oder geistigen DVUlern) verkraulen lassen“.

Manches Problem, das Hartwig sieht, wird seiner Ansicht nach aber auch durch den biologischen Ablauf verschwinden: „Das Durchschnittsalter der DVU liegt bei mindestens 70 Jahren – die Zeit arbeitet nicht für diese DVU-Reste.“ Die zur NPD kommenden DVU-Funktionäre würden außerdem „sehr schnell an ihre Grenzen stoßen, und bei ausbleibender Leistung wird es mit dem Funktionärsleben zumindest in der NPD auch schnell wieder zu Ende sein“. Sie würden „sehr schnell merken, dass man mit einer Kaderpartei und mit jungen nationalistischen Aktivisten nicht so umspringen kann, wie diese es vielleicht bisher von ihrer ,betont auf dem Boden des Grundgesetzes schlafenden Ruhe- und Ordnung-Rentnertruppe’ gewohnt waren“.

Sorgen wegen eines Richtungswechsels der NPD nach der „Fusion“ mit der DVU hatten unter anderem Äußerungen des DVU-Präsidiumsmitglieds Heiner Höving beim radikaleren Flügel der NPD geweckt. Höving hatte an die Mitglieder der „Volksunion“ appelliert, sie sollten sich bei ihrer Entscheidung pro oder kontra Fusion „bewusst sein, dass wir mit der nicht geringen Anzahl unserer Mitglieder das ,bürgerliche’ Lager innerhalb der NPD stärken“.**

Auch bei einer Saalveranstaltung der nordrhein-westfälischen NPD am vorigen Donnerstag hatte Höving auffallend oft den sächsischen Landesverband erwähnt, der sich um eine gemäßigter erscheinende Außendarstellung der NPD bemüht. „Der Kamerad Apfel in Sachsen hat es geschafft, die Köpfe der Mensche zu erreichen und zu zeigen, dass mit aktiver, menschennaher Politik, auf die Menschen zugehend, tatsächlich Stimmen und Wähler gewonnen werden können“, hatte Höving den „sächsischen Weg“ der NPD gelobt. (ts)

* http://www.bnr.de/content/freundliche-uebernahme

** /nrwrex/2010/10/do-dvu-vorstandsmitglied-will-durch-fusion-b-rgerliches-lager-der-npd-st-rken