GL: „Bergische Stimme“ statt „pro NRW“

Leichlingen – Ronald Micklich, für „pro NRW“ in den Stadtrat von Leichlingen und in den Kreistag des Rheinisch-Bergischen Kreises gewählt, hat eine neue Internetseite. Das ist an sich noch keine Nachricht, die es wert wäre, hier verbreitet zu werden. Eine Nachricht wird es nur deshalb, weil vieles darauf hindeutet, dass sich mit der Neuinstallation dieser Homepage auch Micklichs schrittweiser Rückzug aus der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ fortsetzen könnte.

„Besuchen Sie mich bitte ab sofort auf meiner neuen Internetpräsenz“, fordert Micklich die Leser der bisherigen Internetseite von „pro NRW“ in Leichlingen auf. An neuer Stelle werde man „wie gewohnt Politisches aus Leichlingen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis“ finden, notierte er am Montagabend.

Auf jener neuen Internetpräsenz mit Namen „Bergische Stimme“ kündigt Micklich an: „Als Mitglied des Leichlinger Stadtrates und Abgeordneter im Rheinisch-Bergischen Kreistag, versorge ich Sie hier mit aktuellen Informationen über die kommunale Arbeit in Leichlingen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis.“ Er werde „in der laufenden Legislaturperiode eine Stimme für die Bürger/innen in unserer bergischen Heimat sein, die mir bei den Kommunalwahlen 2009 Ihr Vertrauen geschenkt haben“, verspricht er. Auf welcher Liste er für die beiden Kommunalparlamente kandidierte? Kein Wort dazu auf der neuen Homepage. Komplett fehlt bei Micklichs „Bergischer Stimme“ jeder Hinweis und jeder  Link zu „pro NRW“.

Im Rückblick und von außen betrachtet wirkte das Verhältnis Micklichs zu „pro NRW“ zuletzt wie eine stetig wachsende Entfremdung.* Lange Zeit war der Leichlinger bei „pro NRW“ nicht wegzudenken. Er hatte Funktionen auf Bezirksverbands- und Landesebene, fungierte bis Mitte Januar gar als stellvertretender „pro NRW“-Vorsitzender. Bei öffentlichen Veranstaltungen der Rechtspopulisten zeichnete er häufig für die Technik verantwortlich. Und in die Außendarstellung der sich „rechtsdemokratisch“ und „seriös“ gebenden Truppe rund um Markus Beisicht und Manfred Rouhs mit ihrem langjährigen biografischen Vorlauf in der extremen Rechten passte Micklich als Beamter im Ruhestand beinahe perfekt.

Die Entfremdung von den „pro“-Spitzenkräften Beisicht/Rouhs und dem später zu dem Duo hinzugestoßenen „pro NRW“-Generalsekretär Markus Wiener setzte spätestens im vorigen Sommer ein, als Micklich in Konflikt mit einem Rouhs-Günstling und „pro Deutschland“-Funktionär geriet und er dabei – öffentlich wahrnehmbar – die Rückendeckung der Parteispitze vermisste. Ende Juli letzten Jahres hieß es sogar, Micklich wolle deswegen die „Bürgerbewegung“ verlassen. Doch wenige Tage später versicherte er nach einigem Hin und Her, er bleibe Mitglied. Dennoch fehlte der Leichlinger fortan bei öffentlichen Auftritten von „pro NRW“. Mitte Januar legte der 57-Jährige dann sein Amt als stellvertretender „pro NRW“-Vorsitzender nieder. „Persönliche Gründe“ und seinen „gesundheitlichen Zustand“ nannte er als Motiv für diesen Schritt. Zweifel an dieser offiziellen Begründung waren schon damals erlaubt.

Umgekehrt schien es fast so, als sei Micklich für die „pro NRW“-Spitze in den letzten Monaten zur Unperson geworden. Als die „Bürgerbewegung“ Ende letzten und Anfang dieses Jahres intern ihre Parteigliederungen neu ordnete und Micklich als vormaliger Bezirksvorsitzender für das Rheinland diese für „pro NRW“ zentrale Funktion verlor, wurde sein vorheriges Engagement mit keinem Wort erwähnt. Mit parteioffiziellem Lob wurden dagegen Funktionäre der zweiten und dritten Reihe überschüttet wie Udo Schäfer und Tobias Ronsdorf, Kreistagsmitglied im Oberbergischen Kreis bzw. Stadtrat in Radevormwald. Auch nach seinem Rückzug als „pro NRW“-Vize war öffentlich keine Reaktion der Parteispitze zu vernehmen.

Viel deutet darauf hin, dass Micklich aus dieser Entwicklung nun seine ganz persönlichen Konsequenzen gezogen haben könnte. Dass seine „Bergische Stimme“ auch nach der Kommunalwahl 2014 zu vernehmen sein wird, steht freilich nicht zu vermuten. Andererseits: Im Augenblick gibt es offenbar bei „pro NRW“ niemanden, der im Rheinisch-Bergischen Kreis die entstandene Lücke füllen könnte. (ts)

* /nrwrex/2011/01/gl-micklich-legt-amt-als-pro-nrw-vize-nieder