DO: Reste der „Borussenfront“ wollen feiern

Dortmund – Die Reste der ehemaligen „Borussenfront“ wollen am Karfreitag offenbar den 29. Jahrestag der Gründung ihrer neonazistischen Hooligan-Truppe feiern. Szenekreisen zufolge soll dies in dem von Neonazis genutzten Gebäude an der Rheinischen Straße 135 geschehen, das der Stadt Dortmund gehört.

Stadt und Polizei haben derzeit keine eigenen Erkenntnis, ob und wo eine Veranstaltung der „Borussenfront“ geplant ist, wie aus einer Mitteilung der Stadtverwaltung vom Mittwochnachmittag hervorgeht. Ordnungsamt und Polizei hätten sich darauf verständigt, „die Szene und das Gebäude in den nächsten Tagen verstärkt im Auge zu behalten und dann einzuschreiten, wenn es dazu Anlass geben sollte“.

SS-Siggi

Gestützt auf Angaben aus Szenekreisen hatte die „Antifaschistische Union Dortmund“ am Dienstag über die geplante Veranstaltung berichtet. Die Gruppe hatte an die Verwaltung appelliert, zu prüfen, „ob eine hinreichende Gefahrenprognose vorliegt, die es ermöglicht, die Veranstaltung zu untersagen“. Nicht selten sei es im Umfeld von Feiern Dortmunder Neonazis zu „Sieg Heil“-Rufen sowie zu Angriffen auf Migranten und alternative Jugendliche gekommen. Die Stadt stehe in der Pflicht, „alle Maßnahmen, die zur Verhinderung der Nazi-Feier beitragen könnten, zu ergreifen“.

Gründer und Anführer der „Borussenfront“ war der Dortmunder Neonazi Siegfried Borchardt („SS-Siggi“). Im Stadion ist die Hooligan-Truppe bereits seit zwei Jahrzehnten nicht mehr aktiv. Ihre führenden Vertreter waren mit Stadionverboten belegt worden. Schlagzeilen machte die „Borussenfront“ zuletzt höchstens noch mit ihren jährlichen Treffen, bei denen der Gründungstag gefeiert wurde – zuweilen unter der Parole „SS, SA, Borussia“, wie bei einer Veranstaltung im Jahre 2002.

Treffpunkt der Neonaziszene

Borchardt war auch Mitbegründer der „Kameradschaft Dortmund“ und Landesvorsitzender der später verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP). Allein zwischen 1976 und 2001 sammelte er in seinem Vorstrafenregister mehr als zwei Dutzend Verurteilungen. Bis etwa 2005 gehörte er zu den führenden Figuren der Neonaziszene in Dortmund.

Das Haus an der Rheinischen Straße, das nun als möglicher Veranstaltungsort genannt wurde, ist in den letzten Jahren zum Treffpunkt der regionalen Neonaziszene geworden. Die Stadt Dortmund hatte das Gebäude zum Jahreswechsel gekauft. Ziel der Verwaltung war es, dort „die rechtsradikalen Aktivitäten so schnell wie möglich wegzubekommen“, wie es ein Sprecher der Stadt formulierte. Gelungen ist dies bislang allerdings noch nicht. (ts)