NRW: „Gegnern ein Forum geboten“ (ergänzt)

Schwelm – Das Lesevergnügen beim Betrachten der Parteizeitung „Deutsche Stimme“ (DS) werde sich diesmal bei der Führungsriege der nordrhein-westfälischen NPD in Grenzen halten, wurde hier gestern gemutmaßt.* Ein Mitglied des Landesvorstands hat seinem Ärger schon einmal etwas Luft gemacht: Thorsten Crämer meint, man müsse am Verstand der DS-Verantwortlichen zweifeln.

Anlass seines Zorns ist die Tatsache, dass in der aktuellen Juli-Ausgabe der DS einmal mehr der parteilose Neonazi Axel Reitz als Autor zu Wort kommt. Einen Aufnahmeantrag von Reitz hatte die NRW-NPD im vorigen Jahr abschlägig beschieden. Nicht wenige machen ihn für das Aufbrechen politischer wie personeller Konflikte in der Landespartei verantwortlich.

Thorsten Crämer wiederum darf als einer der Intimfeinde von Reitz innerhalb der nordrhein-westfälischen NPD gelten. „Man muß wirklich am Verstand der Verantwortlichen unserer Parteizeitung zweifeln, daß sie konträr zu den Vorstellungen der Landespartei Gegnern noch ein Forum bietet“, schreibt er nun auf seiner Facebook-Seite. Solche „Gegner“ würden „durch geschickt harmlose Textveröffentlichungen salonfähig“ gemacht.

Wenig Gefallen finden auch der hessische NPD-Landesvorsitzende Jörg Krebs sowie Matthias Pohl, Leiter der Referate Schulungen und Politik der NRW-NPD, an der Reitz’schen Autorenschaft. „Unglaublich“ nennt Krebs auf Crämers Facebook-Seite den Vorgang. Und ebenso wie Pohl („Das hat alles System...“) sieht er womöglich das Problem nicht nur bei einzelnen Verantwortlichen der Parteizeitung: „Ich zweifle so langsam nicht mehr nur am Verstand des einen oder anderen Kameraden...“ (ts)

Nur ahnungslos?

  • Ergänzung, 1. Juli: Thorsten Crämer gibt inzwischen „Entwarnung“. Nicht komplett ohne Verstand oder gar bösartig, sondern nur ein wenig ahnungslos war seiner Meinung nach jener Mitarbeiter der Parteizeitung „Deutsche Stimme“, der einen Beitrag des Pulheimer Neonazis Axel Reitz ins Blatt hob. Dem „Verantwortlichen, der ein sowohl untadeliger als auch vernünftiger Mitstreiter ist“, seien „die Hintergründe hier in NRW nicht ausreichend bekannt“ gewesen, schreibt Crämer inzwischen auf seiner Facebook-Seite. Ob es wirklich so war, wie von ihm nun behauptet, was wiederum auch aus NPD-Sicht kein gutes Licht auf die DS-Belegschaft werfen würde, oder ob der Schwelmer NPD-Funktionär nur die Wogen nach seiner massiven Kritik wieder etwas glätten will, bleibt erst einmal offen. Jedenfalls ruft er „alle vernünftigen Kameraden“ dazu auf, „unsere Parteizeitung mit veröffentlichungswertem Schriftgut zu beliefern“. Dann gebe es „für gewisse Strategen“ auch keinen Platz mehr... (rr)

* /nrwrex/2011/06/nrw-reitz-darf-npd-zeitung-schreiben