EN/W: NPD knapp bei Kasse – lethargische Mitglieder

SCHWELM – Der NPD-Kreisverband Ennepe-Ruhr/Wuppertal hat nicht nur finanzielle Probleme. Auch das Engagement der Mitglieder lässt offenbar zu wünschen übrig.

Beides zusammen – die knappe Kreisverbandskasse und das eher bescheidene Engagement der Basis – macht sich insbesondere beim Aufbau der eigenen Geschäftsstelle bemerkbar. „Es kann nicht sein, daß in einem Kreisverband von über 60 Mitgliedern für ein Projekt, das alle gemeinsam anpacken müßten, da es ihr gemeinsames Interesse ist, nur ein paar Kameraden die ganze finanzielle, organisatorische und arbeitstechnische Last tragen“, klagte Kreisschatzmeister Thorsten Crämer in einem internen Schreiben an die Mitglieder in der Region.*

Finanziell seien dies unter anderem die Stadtratsmitglieder aus Witten und Wetter, Dieter Schulz und Marius Klein, sowie er selbst. Zu denen, die sich „arbeitstechnisch“ für den Aufbau der Geschäftsstelle eingesetzt hätten, rechnet er u.a. seinen Vater Hans-Jörg Crämer, der als Kreisvorsitzender fungiert, sowie das Gevelsberger Ratsmitglied Sascha Grunnert. Glaubt man Crämer jun. waren lediglich elf namentlich genannte Mitglieder des Kreisverbandes aktiv am Aufbau der Geschäftsstelle beteiligt.

Stammtischtreffen in Geschäftsstelle

„Die meisten anderen Mitglieder haben es in der Zwischenzeit nicht einmal geschafft oder für nötig befunden, diese Geschäftsstelle, welche wir als einziger Kreisverband in NRW unser eigen nennen, einmal aufzusuchen – und sei es anläßlich einer Versammlung oder eines Stammtischs“, kritisiert er und folgert schließlich: „Auf eine solche Art kann eine Partei nicht funktionieren, wenn sie denn Erfolg haben und öffentliche Wirkung zeitigen soll.“

Crämer verteidigt die Entscheidung, dass sich der Kreisverband den Luxus eigener Räumlichkeiten leistet – ein Luxus, den sich zumeist nicht einmal vergleichbar mitgliederstarke Gliederungen demokratischer Parteien mit günstigeren finanziellen und regionalen Voraussetzungen erlauben. „Im Kreise der Verantwortlichen“, so schreibt er, habe seinerzeit Einmütigkeit geherrscht, „daß ein Kreisverband unserer Größe und Aufgabenstellung mit mehreren kommunalen Abgeordneten und expansiver Zielrichtung in letzterer Hinsicht eine solche Geschäftsstelle dringend benötigt“.

300-Euro-Lücke in der Finanzierung

Doch das haben die „Kameraden“ noch nicht ausreichend verstanden. Nach wie vor gebe es Probleme mit den laufenden Kosten, klagt der Kassierer. Dabei geht es um einen Betrag von etwas unter 300 Euro monatlich, die der Kreisverband zusätzlich benötigt. Die Lücke, die Crämers Rechnung zufolge de facto zwischen dem Anspruch und der Realität in der Finanzierung klafft, schränkt den Kreisverband offenbar in seiner politischen Arbeit ein: Nach derzeitigem Stand sei „an eine fühlbare, kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, wie wir sie im Interesse unseres immer mehr abrutschenden Vaterlandes eigentlich leisten müssten, nicht zu denken“, bilanziert er. (ts)

* siehe auch:

/nrwrex/2011/08/enw-npd-schatzmeister-beklagt-miserable-zahlungsmoral

/nrwrex/2011/08/wen-zoff-bei-der-npd-knausriges-ratsmitglied