LEV/B: Beisicht will vor Berliner Wahl mit der „Freiheit“ sprechen

LEVERKUSEN/BERLIN – „Pro Köln“-Urgestein Manfred Rouhs tritt mit seiner Partei „pro Deutschland“ bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin an. Ein Einzug ins Parlament ist zwar in sehr weite Ferne gerückt. Zumindest geht es aber noch um die Frage, ob am Ende „pro Deutschland“ oder die andere rechtspopulistische Kleinpartei „Die Freiheit“ (DF) am 18. September mehr Stimmen im niedrigen Prozent- bzw. Promillebereich erhalten wird. Den „pro NRW“-Vorsitzenden Markus Beisicht scheint diese Frage nur noch eher am Rande zu interessieren.

Während Rouhs’ Truppe in den letzten Tagen vor der Wahl Flyer in die Briefkästen der Berliner stopft, finanziert durch Kleinspenden, die er in Westdeutschland erbettelt hat**, widmet Beisicht sich dem großen Ganzen. Der Leverkusener Rechtsanwalt, der als Vorsitzender von „pro Köln“, „pro NRW“ und des als Verein gegründeten Koordinierungsgremiums „Pro-Bewegung“ fungiert, hat knapp zwei Wochen vor der Wahl einen „Offenen Brief“ geschrieben.

„Persönliche Befindlichkeiten“

Adressat ist der DF-Vorsitzende Rene Stadtkewitz. Veröffentlicht wurde der Brief aparterweise auf dem Internetblog seines „pro NRW“-Öffentlichkeitsarbeiters Andreas Molau, in dessen Kommentarspalten Stadtkewitz in den letzten Monaten auf das Heftigste beschimpft worden ist. „Lassen Sie uns zu Gesprächen zurückkehren – Gespräche, die wir vor der Gründung Ihrer Partei bereits geführt haben“, appelliert Beisicht in dem Schreiben an den DF-Vorsitzenden. „Solche Gespräche dürften selbst vor den anstehenden Wahlen in Berlin nicht schaden“, schreibt Beisicht: „Wenn wir klar machen, dass das Gegeneinander ein Fehler war, so würde dies vor den Wahlen beiden Formationen nutzen.“ Gespräche nach einem möglichen Misserfolg seien zudem unglaubwürdiger.

Im Grunde und im Kern verträten „Pro-Bewegung“ und „Die Freiheit“ doch die gleichen Positionen, schreibt Beisicht. Differenzen zwischen den Parteien erscheinen ihm als „persönliche Befindlichkeiten“. Nur im Dialog könnten kritische Fragen besprochen werden. „Es ist deshalb Zeit, miteinander zu reden.“

Berliner „No-Name“-Partei

Dass er vor der Berliner Wahl eine aus seiner Sicht zufrieden stellende Antwort von Stadtkewitz erhält, dürfte Beisicht selbst nicht erwarten. Reichlich unwahrscheinlich ist, dass der „Pro-Bewegung“-Vorsitzende in Abstimmung mit „pro Deutschland“ gehandelt hat, als er 13 Tage vor der Wahl seinen „Offenen Brief“ an den Vorsitzenden der Konkurrenzpartei verfasste. Immerhin schaffte es Beisicht in seinem Schreiben wieder einmal, Rouhs’ Partei an keiner Stelle namentlich zu erwähnen. (ts)

* siehe auch:

/nrwrex/2011/08/nrwb-rechtspopulistischer-durchbruch-erst-einmal-verschoben

/nrwrex/2011/08/bnrw-rechtspopulistische-nadelstiche

** http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/spenden-und-kleinkredite-erbeten