NRW: „Pro-Bewegung“ mit notorischer Rechenschwäche

LEVERKUSEN – Eine achtseitige Zeitung hat „pro NRW“ drucken lassen. Angeblich in einer Auflage von 100.000 Stück. 35.000 Exemplare sollen an „Unterstützerhaushalte der Bürgerbewegung in ganz Nordrhein-Westfalen“ verschickt worden sein. Man kann diese Angaben glauben. Man kann es aber auch – was ratsamer ist – bleiben lassen. Die Übertreibungen der angeblichen „Bürgerbewegung“ sind notorisch – eine ganz typische findet sich auch in jener Zeitung wieder.

„Die PRO-BEWEGUNG in Nordrhein-Westfalen kann sich insgesamt inzwischen auf über 2100 Mitglieder in  fast 40 Kreis- und 8 Bezirksverbänden stützen“, ist dort zu lesen. Das behauptet „pro NRW“ nicht zum ersten Mal. Schon im Februar sprach Generalsekretär Markus Wiener von „über 2100 Mitgliedern in allen Regionen NRW’s“. Man mag es für einen Widerspruch halten, dass sich die Mitgliederzahlen innerhalb von acht Monaten kaum verändert hat, wo doch der „pro“-Vorsitzende Markus Beisicht im April persönlich jubiliert hatte: „Die Mitgliederzahlen explodieren, der Zuspruch in der Bevölkerung wächst von Tag zu Tag.“

Rund 650 „pro NRW“-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen

Letztlich zeigen solche Äußerungen aber lediglich, wie wenig ernst sie zu nehmen sind. Ende 2010, also fünf Wochen bevor Wiener von „über 2100 Mitgliedern“ in Nordrhein-Westfalen sprach, gab es in einer zentralen Kartei von „pro NRW“ in der Rubrik „Mitglieder“ gerade einmal etwas mehr als 630 Einträge. Hinzurechnen müsste man jene Mitglieder, die keinen eigenen Eintrag in der Kartei hatten, weil sie Ehepartner eines „pro NRW“-Mitglieds sind. Dies waren maximal vier Dutzend, eher aber weniger. Subtrahieren wiederum müsste man jene Mitglieder, die gar nicht in Nordrhein-Westfalen lebten, sondern zum Beispiel in Berlin, Gera etc., bis hin nach Bangkok. Dies waren etwa zweieinhalb Dutzend. Blieben bei einer aus „pro“-Sicht sehr wohlwollenden Betrachtung 650 „pro NRW“-Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen zum Jahresende 2010.

Von „über 2100 Mitgliedern“ weit entfernt

Um die Stärke der sogenannten „Pro-Bewegung“ in NRW zu ermitteln, wären wiederum jene Mitglieder von „pro Köln“ hinzuzurechnen, die nicht zugleich auch den Parteiausweis von „pro NRW“ in der Tasche hatten. „Pro Köln“ selbst bezifferte die Zahl der Mitglieder für das Jahr 2010 auf „über 500“. Auch das war nach Informationen von „NRW rechtsaußen“ deutlich übertrieben. Tatsächlich sollen in der Domstadt nach unterschiedlichen Quellen lediglich zwischen 250 und 300 Namen in der Mitgliederkartei gestanden haben. Von denen wiederum sind diesen etwas differierenden, in der Tendenz aber übereinstimmenden Angaben  zufolge zwischen 80 und 100 zugleich „pro NRW“-Mitglied gewesen.

Addiert ergibt dies eine Mitgliederzahl der „Pro-Bewegung“ in Nordrhein-Westfalen zwischen 800 und 870 zum Ende letzten Jahres. Von den angegebenen „über 2100“ in NRW jedenfalls ist dies weit entfernt.

Explodierende Übertreibungen

Doch nicht zum ersten Mal operiert die „Bürgerbewegung“ mit aufgeblähten Zahlen. Ende 2009 beispielsweise zählte „pro NRW“ 527 Mitglieder, wie aus dem in einer Bundestags-Drucksache veröffentlichten Rechenschaftsbericht der Partei, unterzeichnet vom Vorsitzenden Markus Beisicht und der Schatzmeisterin Judith Wolter, hervorgeht. Keinen Monat nach dem Jahreswechsel 2009/2010 freilich fabulierte die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ von „über 1500 Mitgliedern der Pro-Bewegung in Nordrhein-Westfalen“.

Hinweise darauf, dass die Mitgliederzahlen in diesem Jahr „explodiert“ seien, wie dies Beisicht behauptete, gibt es nicht. Stattdessen musste „pro“ 2011 den Abgang einiger nicht unwichtiger Mitglieder registrieren: darunter ein ehemaliger stellvertretender Vorsitzender, ein ehemaliger Kreisbeauftragter, ein ehemaliges Kölner Ratsmitglied, ein Sponsor aus Leverkusen, der bildungspolitische Sprecher und der umweltpolitische Sprecher. (rr/ts)

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