Nebenbei: Bürgerbewegte Führungsansprüche und Oberhäuptlinge

BERLIN/LEVERKUSEN – Ob dem „pro Deutschland“-Vorsitzenden Manfred Rouhs in den letzten Tagen, Wochen und Monaten mit Blick auf „pro NRW“ der Satz in den Sinn gekommen ist, dass, wer solche Freunde hat, Feinde nicht mehr braucht? Wir wissen es nicht. Unwahrscheinlich wäre es auch aus aktuellem Anlass nicht.

Rouhs Partei hat am vorigen Wochenende ihre Bundesversammlung abgehalten.* Sie hat dabei den stellvertretenden „Republikaner“-Vorsitzenden Detlev Stauch und den Bonner „pro NRW“-Stadtrat Nico Ernst als Redner auftreten lassen. Die Mitglieder haben Ernst in den „pro D“-Vorstand gewählt, wo er für die „Kooperation mit der Bürgerbewegung pro NRW“ zuständig sein soll. Die Bundesversammlung beschloss eine Resolution, mit der der Vorstand beauftragt wurde, „Verhandlungen zu führen mit allen freiheitlichen und wertkonservativen Parteien und Organisationen in Deutschland, die sich zu den Werten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bekennen, mit dem Ziel, zur Teilnahme an der Europawahl 2014 eine gemeinsame Wahlplattform zu bilden“. „Pro Deutschland“ erhebe dabei ausdrücklich keinen Führungsanspruch gegenüber den anderen beteiligten Parteien, wurde ergänzend betont.

Offizielles Schweigen

Das „pro NRW“-offizielle Echo aber ist auch zwei Tage nach dem Parteitag gleich null. Markus Beisicht, der sich ab und an nicht nur als Vorsitzender von „pro Köln“ und „pro NRW“ bezeichnet, sondern auch als der der gesamten „Pro-Bewegung“, schweigt bislang zu der Bundesversammlung. Auch sein Generalsekretär Markus Wiener hat sich öffentlich und offiziell noch nicht geäußert.

Geäußert hat sich hingegen ein Autor beim „pro NRW“-Werbeblog „freiheitlich“, wo zuweilen zu lesen ist, was man in Kreisen der Rechtspopulisten vom Rhein zwar denkt, aber aus den verschiedensten Gründen nicht unter dem Label der Partei verbreiten möchte. „Wir haben in der Redaktion lange gezögert, ob und was wir schreiben sollen“, verrät der Autor mit Blick auf die „pro D“-Versammlung. Ein kleines Lob gibt es für Rouhs, der sich „als kluger Realpolitiker“ zeige, wenn er Gespräche über eine Kooperation der Rechtsparteien „nicht gleich durch einen Führungsanspruch hemmt“. Ansonsten scheint die „pro D“-Versammlung und eine anschließende Pressemitteilung der Partei aus Sicht des „freiheitlich“-Autors aber mehr oder weniger belanglos gewesen zu sein. Die Vorstandswahlen hätten „keine sonderlichen Überraschungen“ gebracht. In der Presseerklärung der Partei erfahre man auch nichts, zum Beispiel, wie groß die Zustimmung für Rouhs gewesen sei. Rein inhaltlich lasse „pro Deutschland“ auch nichts weiter verlauten etc. pp.

„Lippenbekenntnisse“

In den Diskussionsspalten legt ein Kommentator nach, hinter dessen Pseudonym man einen hochrangigen „pro NRW“-Funktionär vermuten darf. „Lippenbekenntnisse“ seien es gewesen, die man in Berlin zur Zusammenarbeit der Rechtsparteien abgegeben habe. Unterschwellig werde immer noch versucht, „PRO DEUTSCHLAND nach außen als quasi Dachverband von Pro darzustellen“, klagt er. „Pro NRW“ sei aber „eine eigenständige Partei mit mehr Mitgliedern als dieser selbsternannte ,Dachverband’“. Und in Frageform gekleidet rätselt der Kommentator, ob Rouhs deswegen gegen einen Zusammenschluss von „pro D“ und „pro NRW“ gewesen sei, weil er dann „nicht mehr den Oberhäuptling spielen“ könne.

Was Rouhs daraus lernen könnte? Zweierlei. Erstens: Sein neues, für die Kooperation mit „pro NRW“ zuständiges Vorstandsmitglied Nico Ernst hat zumindest bei dieser ersten Bewährungsprobe nichts erreicht. Und zweitens: Der Verzicht von „pro D“ auf einen „Führungsanspruch“ im rechtspopulistischen Lager reicht seinen „Freunden“ im Rheinland nicht. Er könnte es einmal mit Unterwerfungserklärungen versuchen. (ts)

* http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/kooperationsbestrebungen-bei-pro-d

und

/nrwrex/2011/11/b-pro-deutschland-chef-rouhs-wiedergew-hlt-bonner-pro-nrw-ler-ernst-neu-im-vorstand