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Inhalt
Rezensionen
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Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus
Von Alexander Häusler
In den Initiativen gegen Rechts kursiert in immer neuen Auflagen die hervorragend gemachte Broschüre „Versteckspiel“, in der sich mit Symbolik und Lifestile der extremen Rechten auseinandergesetzt wird. Doch so viel in diesen Szenen über die Bedeutung von „88“ oder dem Thorshammer bekannt ist, so wenig ist bekannt, was etwa das „Zülfikar“ als Halskette bedeutet, wer Amyr Khaled ist oder was unter waymo.de zu finden ist und was vaybee! bedeutet. Muslimische Jugendkultur ist ebenso vielfältig wie andere Jugendkulturen und auch dort existieren demokratiefeindliche Ausformungen. Zu diesem Thema jedoch herrschen vielerorts eher Vorurteile und Unkenntnis vor. Eine gut gemachte, leicht lesbare und reichlich illustrierte Broschüre hilft, diesen Misstand zu beheben. Dort wird ein sachkundiger Einblick in die alltägliche Lebenswelt junger deutscher Muslime gegeben: Modewellen und Musikkultur, Kontaktbörsen und Infoportale, religiöse und politische Strömungen – hier wird ein Einblick in die Szenenvielfalt einer bislang wenig beachteten Jugendkultur gegeben. Vom Pop-Muslim bis zum Dschihadi reicht dabei die Angebotspalette. Der Titel des Themenheftes weist zugleich auf die problematischen politischen Aspekte in dieser Jugendkultur, die in kurzen Beschreibungen der islamistischen Organisationen und deren Medien und Symbolik kritische Würdigung findet.
Eine empfehlenswerte Broschüre zum Einstieg in eine alltagsorientierte Auseinandersetzung mit einem Thema, das auch für die antifaschistische Arbeit von steigender Bedeutung ist!
Schule ohne Rassismus (Hg.): Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus. Lifestyle, Medien, Musik, Broschüre, 3 Euro, bestellbar unter: schule@aktioncourage.de / Fax: 030-21458620
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Globale Finanzkrise
Von Pia Gomez
Die Entwicklung und die Ursachen der aktuellen internationalen Finanzkrise sind Thema der aktuellen Neuerscheinung von Joachim Bischoff, Mitherausgeber der Zeitschrift „Sozialismus“. Komprimiert werden in diesem Daten und Fakten aufgezählt und Fachbegriffe erläutert. Es werden der Aufstieg und das Platzen der Vermögensblasen im Bereich der New Economy und der Immobilienmärkte und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft dargelegt. Bischoff versucht zugleich aufzuzeigen, dass die aktuelle Finanzkrise zugleich ein „Scheitern der neoliberalen Politik der Deregulierung und Privatisierung“ darstellt. Abschließend werden in der Neuerscheinung Alternativen zur Regulierung der Finanzkrise geboten, die sich allerdings auf sehr allgemein gehaltene Reformvorschläge begrenzen: Derartig reformistische Politikansätze stehen in merkwürdigem Kontrast zur vorher wiederholt zitierten Kritik der politischen Ökonomie. Kein Revolutionsmanifest also, sondern schlicht ein Nachschlagebändchen zur ersten Orientierungshilfe zum Thema Finanzkrise.
Joachim Bischoff: Globale Finanzkrise.
Über Vermögensblasen, Realökonomie und die „neue Fesselung“ des Kapitals
VSA-Verlag 2008, 94 S., 9,80 Euro
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Notstand der Demokratie
Von Pia Gomez
In dem Sammelband werden aktuelle Tendenzen zur Forcierung eines autoritären Sicherheitsstaates dargelegt und kritisch analysiert. Während vor vier Jahrzehnten das Konstrukt des Extremismus die Vorlage für die Notstandsgesetze gab, ist es heute das Konstrukt des „Kampfes gegen den internationalen Terrorismus“, das der Legitimierung von „Sicherheitsgesetzen“ dient. Ob Online-Durchsuchung, Telekommunikationsüberwachung, biometrische Erfassung, Anti-Terror-Datei, Ausweitung des §129 a oder polizeiliche Notstandsübungen wie anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm – nach Ansicht der AutorInnen des Bandes geht die Entwicklung zu einem autoritären Sicherheitsstaat bereits vonstatten. Dagegen setzen sie eine „aktivierende Demokratiepolitik“ unter Einbeziehung der Gewerkschaften, die sich nicht nur gegen Gesetzesverschärfungen und einen „starken Staat“ wendet, sondern zugleich eintritt für mehr direkte Demokratie und ein neues europäisches Sozialmodell.
Frank Deppe/Horst Schmitthenner/Hans-Jürgen Urban (Hrsg.):
Notstand der Demokratie.
Auf dem Weg in einen autoritären Kapitalismus?
VSA-Verlag, Hamburg 2008, 117 S., 11,80 Euro
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Faschismus. Konzeptionen und historische Kontexte
Von August Lindler
Als Richard Saage 1976 das Buch „Faschismustheorien“ veröffentlichte, rief dies eine breit geführte Kontroverse hervor. Während dem Autor von orthodox-realsozialistischerSeite Verrat am Marxismus vorgeworfen wurde, galt er in der konservativen bundesdeutschen Forschungszunft als Linksaußen-Ideologe, der unsachlich mit dem Faschismus-Begriff hantiere und mit seinen Verweisen auf den Zusammenhang von Großkapital und Faschismus Klassenkampfparolen verbreite. Das Werk war zum Zeitpunkt seines Erscheinen ein Gegenstück zum vorherrschenden Totalitarismusparadigma. Mittlerweile hat sich die Forschungslandschaft – zumindest im angelsächsischen Raum – stark geändert und dem Begriff des Geltung verschafft. In seinem Folgewerk zum Thema stellt Saage die unterschiedlichen Interpretationen des Faschismus vor.
Der Autor orientiert sich hierbei an neueren Werken komparativer Faschismusforschung. Einen inhaltlich besonderen Bezug nimmt er hierbei auf Arbeiten von Wolfgang Wippermann. Zudem benennt er den Historiker Ian Kershaw als wesentlichen Bezugspunkt seiner Arbeit, von dem er sich allerdings durch einen anderen Zugang unterscheide.
Nach eigenem Bekunden geht es Saage „vielmehr um eine Rekonstruktion der Genesis und Geltung von Paradigmen der Faschismusforschung als Gegenstand der politischen Ideengeschichte.“ Vorgestellt und kritisch erörtert werden in unterschiedlichen Abschnitten sowjetmarxistische, bonapartistische, konflikttheoretische und totalitarismustheoretische Interpretationsmuster sowie modernisierungstheoretische, geistesgeschichtliche und sozialpsychologische Erklärungsansätze des Faschismus.
Hierbei ist zu bemängeln, dass die neueren bedeutenden Werke der vergleichenden Faschismusforschung (Payne, Paxton, Eatwell, Griffin, Reichardt etc.) nur ungenügend bzw. gar keine Berücksichtigung gefunden haben.
Auf der ideologiekritischen Ebene der Forschung zum deutschen Faschismus jedoch bietet das Buch einen guten und diskussionsanregenden Überblick.
Richard Saage:
Faschismus. Konzeptionen und historische Kontexte.
Eine Einführung
VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, 239 S., 22,90 Euro
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1968 in Osteuropa
Von Pia Gomez
In der Fülle aktueller Rückblicke auf das Rebellionsjahr 1968 geht zumeist unter, dass diese Zeit der politisch-kulturellen Revolte auch Auswirkungen in Osteuropa hatte, die in Massenaktionen mündete, welche auf die Herstellung eines egalitären Sozialismus ausgerichtet gewesen sind. Diese Hoffnungen wurden mit der militärischen Besetzung der CSSR durch die Truppen des Warschauer Paktes begraben. Der „Prager Frühling“ und dessen Niederschlagung stehen im Zentrum der Beiträge eines neuen Sammelbandes zum Thema, der Ergebnis einer Tagung der „Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die AutorInnenschaft setzt sich zusammen aus Fachleuten, die mehrheitlich auch biografischen Bezug zu dieser Zeit haben. Der interessante Band ist angereichert mit Dokumenten und Bildern und ermöglicht einen erweiterten Blick auf das Schlüsseljahr 1968 mit internationalistischer und freiheitlich-sozialistischer Stoßrichtung.
Angelika Ebbinghaus (Hrsg.):
Die letzte Chance?
1968 in Osteuropa. Analysen und Berichte über ein Schlüsseljahr
VSA-Verlag, Hamburg 2008, 257 S., 16,80 Euro
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Die Türkei, die Juden und der Holocaust
Bislang war das Bild vorherrschend, dass die Juden während der NS-Zeit in der Türkei vor dem Holocaust gerettet wurden. Der türkische Staat zog dabei eine historische Parallele zur türkischen Aufnahme der aus Spanien vertriebenen Sepharden, um die türkisch-osmanische Toleranz gegenüber den Juden zu untermauern. Diese offizielle Geschichtsdeutung wird in Auseinandersetzungen als Argument gegen Kritik an der türkischen Minderheitenpolitik angeführt.
Einen „sich selbst reproduzierenden Mythos“ nennt dies die Turkologin Corry Guttstadt aus Hamburg, die nun die erste umfassende kritische Aufarbeitung zu diesem Thema vorgelegt hat. Sie zeigt in ihrem Werk auf, dass diese offizielle Deutung mehr als nur geschönt ist. Denn die forcierte nationalistische Politik der jungen türkischen Politik seit den Zwanziger Jahren beinhaltete nach ihren gründlichen Recherchen von Anfang an eine ausgrenzende und diskriminierende Politik gegenüber der nicht muslimischen Bevölkerung, von der auch die jüdische Minderheit betroffen war. Ein Schwerpunkt der Untersuchung liegt in der Darstellung der spezifischen Entwicklung des türkischen Nationalismus und der kemalistischen Politik und deren Auswirkungen auf die Juden des Osmanischen Reiches.
Guttstadt weist nach, dass die Politik Ankaras in erster Linie darauf ausgerichtet (war), eine Einwanderung oder Remigration von Juden in die Türkei zu verhindern.“ Dies vollzog sich auch in gesetzgeberischen Maßnahmen in Form von Geheimdekreten zu Einreiseverboten wie dem Entzug der Staatsbürgerschaft: „Auch wenn diese Politik nicht ursprünglich antisemitisch begründet, sondern der forcierten Nationalstaatsbildung geschuldet war, richtete sie sich während des Holocaust in erster Linie gegen Juden.“ Derartige administrative Maßnahmen waren begleitet von einer nationalistischen Aufwiegelei des Mobs, die in antisemitischen Gewalttaten Entladung fand. Guttstadt weist nach, dass die türkischen Hilfsaktionen für türkischstämmige Juden vielmehr das Resultat engagierter individueller Maßnahmen türkischer Diplomaten war, als ein Ergebnis gezielter staatlicher Politik. Die Autorin weist zudem darauf hin, dass es noch weitere Forschungsleerstellen in Bezug auf die Minderheitenpolitik zu jener Zeit gibt und verweist dabei auf die bislang unerforschte Geschichte der Sinti und Roma in der Türkei hin.
Die Untersuchung bietet eine fundierte Grundlage zur kritischen Auseinandersetzung mit der türkischen Minderheitenpolitik und schließt eine Lücke zum Thema.
Corry Guttstadt:
Die Türkei, die Juden und der Holocaust
Assoziation A, Berlin Hamburg 2008, 516 S., 26 Euro
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- Das Frankreich der Reaktion
Von August Lindler
Der neue Präsident Frankreichs, Nicolas Sarkozy, hat schon in seinem Wahlkampf anlässlich der Riots in den Banlieues gezeigt, wie autoritärer Populismus zum Wahlerfolg führen kann. Der Journalist Bernhard Schmid zeichnet in der Neuerscheinung den Werdegang des französischen Präsidenten nach und setzt ihn ins Verhältnis zu den Entwicklungen der extremen Rechten in Frankreich. "Selten wurde Frankreich so weit rechts regiert", so der Autor. Den Erfolg von Sarkozy erklärt Schmid mit dessen Fähigkeit zur Modernisierung des Rechtspopulismus in Kombination mit wirtschaftliberalen Politikansätzen. Seine Parolen an "das Frankreich, das früh aufsteht und sich abplagt" haben eine nationalistische und immigrantenfeindliche Stoßrichtung und appellieren an die nationalkonservative Bürgerschaft, wobei auch der Teil bewusst einbezogen wird, der vorher zur FN-Wählerschaft gehörte. Sarkozy hat nach Ansicht des Autors bewusst Parolen von Le Pen übernommen und diese neoliberal transformiert.
Das Buch stellt in gut lesbarer und prägnanter Form die Rechte in Frankreich dar und stellt ihren Erfolg in den Kontext gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um soziale und migrationspolitische Belange.
Ein Buch, dessen Lektüre lohnt!
Bernhard Schmid
Das Frankreich der Reaktion. Neofaschismus und modernisierter Konservatismus
Pahl-Rugenstein Verlag, Bonn 2007, 193 S., 14,90 Euro
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- Räume der Neoliberalisierung
Von August Lindler
Die Neuerscheinung beinhaltet die Nachzeichnung der neoliberalen Wende hin zu einem neokonservativen Gesellschaftsmodell im internationalen Maßstab und die theoretische Auseinandersetzung mit Möglichkeiten zu gesellschaftlichen Alternativen. Der Autor David Harvey ist ein marxistisch orientierter us-amerikanischer Geograf. Er versucht, den Raum als Schlüsselbegriff für ein Verständnis und eine Ortbarkeit sozialer Kämpfe zu entwickeln (s. Matrix hierzu): "Es liegt auf der Hand, dass wir das sich wandelnde Terrain, auf dem sich politische Subjektivitäten formen und politisches Handeln stattfindet, nur verstehen können, wenn wir berücksichtigen, was im relationalen Sinne geschieht."
Harvey versucht, die Theorie des Raumes für eine materialistische Staats- und Gesellschaftsanalyse nutzbar zu machen und damit sozialen Kämpfen theoretische Grundlagen an die Hand zu geben.
David Harvey
Räume der Neoliberalisierung. Zur Theorie der ungleichen Entwicklung
VSA-Verlag 2007, 157 S., 14,80 Euro
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- Kontroversen über den Zustand der Welt
Von August Lindler
Der kleine Band des operaistischen Theoretikers Karl Heinz Roth mit dem Titel "Der Zustand der Welt" hat deshalb Wirkung gezeigt, weil dort in prägnanter Form aus einer radikal linksemanzipativen Sicht jenseits ideologischer Scheuklappen ein theoretisch fundierter Blick auf die aktuellen Entwicklungen der sozioökonomischen Verhältnisse und Ansatzpunkte zu neuen sozialen Kämpfen geworfen wurde.
Der Sammelband erschien zum 65. Geburtstag des im Hamburg niedergelassenen Arztes und Mitherausgeber der Zeitschrift "sozial.geschichte" (früher: "1999").
Die Autorenschaft ist allesamt dem linken Denken verschrieben und daher findet sich in dem Band, der zugleich eine Festschrift für "Carlo" Roth ist, eine weit gefächerte Auseinandersetzung mit dem Oberthema Klassenzusammensetzung und soziale Kämpfe. Leider kommt die direkte Auseinandersetzung mit dem Band des Gefeierten zu kurz. Dieser Umstand verhindert jedoch nicht, den Sammelband als eine anregende Anknüpfung an die notwendige Debatte um zeitgemäße materialistische Analysen zum gegenwärtigen Kapitalismus und den Ansatzpunkten für soziale Alternativen hierzu zu begreifen und zu nutzen.
Marcel van der Linden/Christoph Lieber (Hrsg.): Kontroversen über den Zustand der Welt. Weltmarkt - Arbeitsformen - Hegemoniezyklen VSA-Verlag 2007, 253 S. 17,80 Euro
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- 88 Fragen und Antworten zur NPD
Von Tanja Herrmann
Das Buch "88 Fragen und Antworten zur NPD" diskutiert Weltanschauung, Strategie und Auftreten der NPD. Fragen, die besonders dann im Licht der Öffentlichkeit stehen, wenn wieder ein Verbot der Partei auf der politischen Tagesordnung steht. Die Herausgeber Fabian Virchow und Christian Dornbusch haben nun ein Werk zusammengestellt, das - anders als viele oftmals spezialisierte Publikationen zu der extrem rechten Partei - als Handreichung für "Gespräche und Diskussionen, im Schulunterricht oder am Arbeitsplatz, der politischen Bildungsarbeit oder im Rahmen politischen Engagements" dienen soll. Gemeinsam mit 42 namhaften Autoren aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis, darunter Andrea Röpke, Andreas Speit, Jan Raabe, Alexander Häusler und Rena Kenzo, geben sie jeweils in mehreren kurzen Beiträgen Antworten zu zwölf verschiedenen Themenblöcken. Neben der historischen Entwicklung, Weltanschauung und Strategie werden hier auch Positionierungen, Führungspersonal, Geschlechterfragen, Infrastruktur, Bündnispartner und die Verbotsdebatte diskutiert. Ein letzter Abschnitt befasst sich mit der Frage, wie der NPD entgegen getreten werden kann und gibt Empfehlungen beispielsweise für Schule und Jugendarbeit, Gewerkschaften sowie ein entschlossenes Handeln auf der Straße und in den Parlamenten. Einen von den Herausgebern bewusst provokant gewählten Vorgeschmack auf die manchmal "versteckte" Ideologie der NPD gibt bereits der Titel des Buchs. Die 88 steht für das Buchstabenkürzel HH, den achten Buchstaben im Alphabet, und damit für den verbotenen Gruß "Heil Hitler".
Zwar wird nicht jeder Artikel immer dem Anspruch gerecht, auch für nicht wissenschaftlich geschulte Leser leicht lesbar zu sein. Im Großen und Ganzen jedoch laden die kurzen und ohne Fußnoten geschriebenen Artikel sowie der Aufbau zum Lesen ein. Dabei eignet sich das Buch sowohl als Nachschlagewerk als auch zum Einstieg in das Themengebiet. Den Autoren ist der Balanceakt gelungen, trotz 44 Beitragenden ein stimmiges Werk zu erstellen.
Fabian Virchow, Christian Dornbusch (Hrsg)
88 Fragen und Antworten zur NPD. Weltanschauung, Strategie und Auftreten einer Rechtspartei - und was Demokraten dagegen tun können
Wochenschauverlag 2008, 336 S., 24,80 Euro
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- Schwule Nazis
Von Johannes Lohmann
Das Verhältnis der extremen Rechten zum Thema Homosexualität ist nicht frei von Widersprüchen. Obwohl es auch in der NSDAP Schwule gab - prominentes Beispiel war der 1934 ermordete SA-Chef Ernst Röhm - wurden Homosexuelle im Nationalsozialismus verfolgt, interniert und ermodet. Der Neonaziaktivist Michael Kühnen bekannte sich in den 1980er Jahren offen zu seiner Homosexualität und stieß bei vielen seiner Kameraden auf Ablehnung. Auch heute gehören Schwule zu den Opfern der extremen Rechten - und dennoch gibt es schwule Nazis.
Markus Bernhardt beleuchtet in seinem Buch dieses Phänomen und stellt es in einen gesellschaftspolitischen Kontext. Denn auch in der schwullesbischen Szene sind rassistische und menschenverachtende Positionen zu finden, wie der Autor an Beispielen zur Diskussion um Homophobie bei MigrantInnnen verdeutlicht. Insbesondere bei einigen Szene-Medien sowie Verbandsfunktionären spiegele sich ein gesellschaftlicher Rechtsruck. Von den emanzipatorischen Forderungen der Schwulenbewegung hätten sie sich schon längst verabschiedet. Flankiert wird diese Entwicklung von einem weit verbreiteten Körperkult und dem Spiel mit rechten Codes und Kleidungsstücken.
Neben einigen theoretischen Abhandlungen kommen in Interviews der erste bekennende schwule Bundestagsabgeordnete Herbert Rusche und der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim zu Wort. Koray Yilmaz-Güney, Sprecher des Berliner Vereins Gays & Lesbians aus der Türkei (GLADT) erläutert das Bedürfnis nach einem ethnospezifischen Rückzug, für den langjährigen Aktivisten Gottfried Ensslin ist die Befreiung der Schwulen und Lesben ohne den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus nicht möglich.
"Schwule Nazis" will sich nicht auf die vermeintliche Objektivität einer wissenschaftlichen Arbeit zurückziehen, sondern Position beziehen und mit dem Vorurteil aufräumen, dass Lesben und Schwule aufgrund der ihnen zuteil gewordenen Unterdrückung nicht für rechte Phrasen empfänglich wären. Die informative Mischung aus journalistischen Essays, Interviews und Dokumentation stellt einen lesenswerten Einstieg in diese Diskussion dar.
Markus Bernhardt
Schwule Nazis und der Rechtsruck in Gesellschaft und schwuler Szene
Pahl-Rugenstein Nachfolge, Bonn 2007, 164 S., 16,90 Euro
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- Rechtspopulismus: Teil Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
Von Rainer Brahms
Unter Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wird ein Einstellungssyndrom verstanden, dessen theoretisches Konzept von WissenschaftlerInnen des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung entwickelt wurde. Im Rahmen eines breit angelegten Forschungsprojekts wird dort versucht, über einen längeren Zeitraum zu analysieren, in welchem Maße gesellschaftliche Minderheiten wie beispielsweise MigrantInnen, Obdachlose oder Behinderte von abwertenden und ausgrenzenden Einstellungen und diskriminierendem Verhalten betroffen sind und warum diese in den vergangenen Jahren Bestand haben oder sogar zunehmen. Seit dem Jahr 2002 werden jedes Jahr 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen in Deutschland interviewt.
Im Rahmen dieses Projekts sind bereits zahlreiche interessante Studien entstanden, ausgewählte Ergebnisse werden jedes Jahr in der Reihe "Deutsche Zustände" veröffentlicht.
Sven Schönfelder kommt der Verdienst zu, auf Basis einer Kombination der Umfragedaten des GMF-Surveys aus dem Jahr 2003 mit der Analyse von Leserbriefen auf der Internetseite der REP-Parteizeitung und Interviews mit hessischen Kommunalpolitikern der Republikaner, das Phänomen des Rechtspopulismus im Konzept gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu verorten.
Kern der Analyse ist die Frage nach dem Potential gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der deutschen Bevölkerung. Schönfelder gelingt es nachzuweisen, dass spezifische Einstellungen wie autoritäre Aggression, Fremdenfeindlichkeit, Etabliertenvorrechte und sekundärer Antisemitismus, die zentrale Elemente im theoretischen Konzept gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit darstellen, eine ebensolche Rolle im Rechtspopulismus spielen. Dieser gilt Schönfelder als eine Art Abwehrmechanismus gegen minoritäre Bevölkerungsgruppen. Für die Entstehung rechtspopulistischer Einstellungen ist ihm zufolge insbesondere eine Kombination aus sozialstrukturellen Ursachen, individuellen Einstellungen und dezidiert ideologischen, politischen Orientierungen verantwortlich.
Sven Schönfelder
Rechtspopulismus. Teil Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
Wochenschau Verlag 2008, 242 S., 24,80 Euro
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- Antisemitismus und radikaler Islamismus
Von August Lindler
Der Sammelband ist Ergebnis einer Tagung des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin im Dezember 2005. Angefügt wurde ein Beitrag zum Antisemitismus im Iran unter Mahmud Ahmadinedschad, andere länderbezogene Beiträge werfen einen Blick auf die Entwicklungen in Schweden und die Niederlande. Im Zentrum der Debatte steht das Verhältnis von Antisemitismus und Islamismus in der arabischen Welt.
Während ein Beitrag das historische Verhältnis von Nationalsozialismus und Antisemitismus beleuchtet, setzen sich vier Beiträge mit dem aktuellen Verhältnis von Antisemitismus und Islamismus auseinander. Hilfreich ist hierbei die Erläuterung des Autors Michael Kiefer zu Begriff und Genese eines islamisierten Antisemitismus.
Der Sammelband bietet einen interessanten Einblick in das Thema und ist frei von ideologisierten Debatten, die sonst bei diesem Thema oftmals prägend sind.
Wolfgang Benz/Juliane Wetzel (Hrsg.)
Antisemitismus und radikaler Islamismus
Klartext Verlag, Essen 2007, 218 S., 22,90 Euro
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- Gestern Morgen
Von August Lindler
Kann man neunzig Jahre nach der russischen Oktoberrevolution ein Buch über die totalitären Auswüchse und zugleich über die "Re-Konstruktion einer kommunistischen Begierde" schreiben? "Wir können - wir müssen das sogar zusammen denken", so die Autorin Bini Adamczak. Die Autorin durchforscht die Geschichte der kommunistischen Bewegung und bürstet sie gegen den Strich. Konträr zu den zeitgeistkompatiblen Entsorgungen des Kommunismus durch die postmodernen Intellektuellen beharrt Adamczak auf das menschliche Recht auf ein freies Leben ohne Ausbeutung, auf eine kommunistische Gesellschaft. Allerdings: Ein Zurück zur "wahren Lehre", zu einem "ursprünglich reinem" Sozialismus kann es ihrer Ansicht nach nicht gegen. Es gibt keinen "wahren Sozialismus", sondern nur die reale Geschichte und die Lehren, die daraus gezogen werden können, so Adamczak. Die Autorin sucht daher bei den von der Partei "gesäuberten" Intellektuellen, den "Quertreibern", Kritikern, vom Glauben Abgefallenen, Verstoßenen, Ermordeten nach Antworten. Sie lässt in ihrem Rückblick Diejenigen zu Wort kommen, die Akteure der Revolution und Opfer derer Auswüchse zugleich waren. Sie führt uns in die Gedankenwelt der Verzweifelten, die nach den Gründen der totalitären Auswüchse ebenso suchen wie nach der Möglichkeit für eine freie Gesellschaft.
Es ist ein beklemmendes Buch, das durch die schonungslose Betrachtung des realsozialistischen "Gestern" zugleich die Tür öffnet für die Frage nach dem Wie eines gesellschaftlichen "Morgen" jenseits des Vorherrschenden.
Bini Aadamczak
Gestern Morgen. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft.
Unrast-Verlag, Münster 2007, 160 S., 12 Euro
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- Gebrauchsanleitungen für die Vergangenheit
Von August Lindler
Der Politikwissenschaftler Enzo Traverso beschäftigt sich mit seiner vom Unrast Verlag herausgegebenen Essay-Sammlung mit dem vorherrschenden Umgang mit der Vergangenheit, mit der Politik der Erinnerung. Erinnerung als sozialwissenschaftliche Kategorie - so der Autor - ist eine relativ neue Kategorie, welche der Beschäftigung mit der Vergangenheit eine spezifische Form gegeben hat: Der Blick des Opfers, der Ort der Täter. Hierbei offenbart sich laut Traverso zugleich die Selektion im Gedenken: Im vorherrschenden Geschichtsbild wird zugleich der Widerstand gegen den Faschismus, der politische Kampf für eine andere Gesellschaft ausgeblendet, entsorgt. Die vorherrschende Erinnerungspolitik habe zu einer "Verdinglichung der Vergangenheit" geführt, die mit einem "Erinnerungstourismus" und der kulturindustriellen Vermarktung von Schreckensbildern zu einer selektiven und verzerrenden Interpretation des Vergangenen beiträgt. Erinnerungspolitik beinhaltet nach Ansicht des Autors zugleich die politische Instrumentalisierung des Vergangenen zur Rechtfertigung aktueller politischer (militärischer) Handlungen. Die einseitige Fixierung auf die NS-Vernichtungspolitik beinhalte zudem die Abwehr vom Begriff des Faschismus und des Antifaschismus: "Die Abwehr des Faschismusbegriffs (und konsequenterweise des Antifaschismus) führt zurück auf die ewige Frage nach dem Verhältnis von Geschichte und Erinnerung. Sie gräbt einen radikalen Hiatus zwischen der aktuellen Historisierung des Nationalsozialismus und seiner Wahrnehmung durch die Zeitgenossen. Schließlich war der Faschismus, bevor er zu einer analytischen Kategorie wurde, eine Gefahr, gegen die man kämpfen musste, und es war der Antifaschismus, bevor er zur Staatsideologie wurde, ein Ethos des demokratischen Europas und auch der deutschen Kultur im Exil."
Diese Sammlung von Aufsätzen ist hilfreich für einen kritischen Blick auf die vorherrschende Erinnerungspolitik und deren Fallstricke - ein empfehlenswertes Buch für Antifaschist/inn/en!
Enzo Traverso
Gebrauchsanleitungen für die Vergangenheit. Geschichte, Erinnerung, Politik.
Unrast Verlag, Münster 2007, 112 S., 12,80 Euro
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- Rechtsextremismus in Brandenburg
Von Alexander Häusler
In dem Sammelband wird ein umfangreicher Einblick zu Entwicklung und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in Brandenburg gegeben. Diese Neuerscheinung ist mehr als eine bloße Aufsatzsammlung: Sie dient zugleich als Handbuch zur Aufklärung und antifaschistischen Praxis vor Ort. Die Publikation richtet sich an diejenigen, die als "Amtsträger oder engagierte Bürger mit den Problemen von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit konfrontiert sind, sich über Hintergründe und Erscheinungsformen informieren wollen und nach verschiedenen Möglichkeiten fragen, wie vorgebeugt oder gegengesteuert werden kann." Das Land Brandenburg hat ein großes Problem mit dem Erstarken der extremen Rechten. Zugleich sind in Brandenburg allerdings auch Initiativen gestartet worden, die Vorbildcharakter für andere Bundesländer und Kommunen haben - so etwa der im Jahr 2001 in Potsdam verabschiedete "Lokale Aktionsplan".
Die Neuerscheinung zeigt anhand von detaillierten Fakten auf, wie vielfältig und gefährlich die Einflussnahme der extremen Rechten in Brandenburg ist und zugleich, wie sich dessen zu erwehren ist.
Die umfangreiche Analyse und die Auflistung von Präventions- und Hilfemöglichkeiten in der antifaschistischen Arbeit macht die Neuerscheinung zu einem empfehlenswerten Hilfsmittel.
Julius H. Schoeps/Gideon Botsch/Christoph Kopke/Lars Rensmann (Hrsg.)
Rechtsextremismus in Brandenburg. Handbuch für Analyse, Prävention und Intervention.
Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2007, 455 S., 19,80 Euro
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- Orient- und Islambilder
Von Lars H. Schmidt
Für alle, die sich über den Islam oder den Orient informieren wollen oder nach differenzierten Berichten über islamische Lebensweisen suchen, sei das Buch nicht geeignet, stellt die Herausgeberin Iman Attia in der Einleitung klar: "Die Beiträge dieses Sammelbandes handeln weder vom Islam (bzw. individuellen, gesellschaftlichen etc. Lesarten oder Praxen desselben) noch geben sie sonst Auskunft über den Orient. Beides gibt es weder als Region noch als Kultur."
Orient wie Islam werden vielmehr als Wirklichkeitskonstruktionen gesehen. Wie diese Konstruktionsprozesse entstehen und welche Bilder und Diskurse im Westen vorherrschen, steht im Mittelpunkt des Sammelbandes. Neben zwei lesenswerten theoretischen Einführungen, die sich vor allem auf die Post-Colonial Studies beziehen, vereint der Band zehn Beiträge, die sich mit den Orient- und Islambildern in der westlichen Wissenschaft, Politik und Kultur befassen. Es wird untersucht, wie zum Beispiel die Rezeption der Märchen aus 1001 Nacht oder die Romane von Karl May die europäische Sicht eines Orient geschaffen haben, der einerseits exotisch verklärt wird und andererseits als gefährliche Bedrohung erscheint. Abgerundet wird der Sammelband durch Beiträge, die zeigen, wie in den aktuellen Debatten um Zuwanderung oder Kopftuchverbot diese Sicht mitschwingt.
Iman Attia (Hg.)
Orient- und Islambilder. Interdisziplinäre Beiträge zu Orientalismus und antimuslimischen Rassismus
Unrast-Verlag, Münster 2007, 307 S.,19,80 Euro
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- Rechtspopulismus als "Bürgerbewegung"
von Jan-Henning Schmitt
Im November 2007 veröffentlichte Alexander Häusler, unter Mitarbeit von Jürgen Peters, die erste Studie zu Pro NRW, einer Gruppierung, die sich als "Bürgerbewegung" inszeniert, deren ideologischen Grundlagen und die organisatorische Herkunft ihrer Führungspersonen aber beweisen, dass sie fester Bestandteil der extremen Rechten ist. Nun legt Häusler einen Sammelband vor, der die Bestandsaufnahme des pro-Netzwerkes fortschreibt und um weitere Facetten ergänzt. So werden zum Beispiel die Jugendarbeit von Pro NRW und die Aktivitäten von pro-Gruppen in München und Berlin untersucht. Lesenswert ist auch die einleitende Populismus-Definition der Soziologin Karin Priester. Sie fasst Populismus als einen rechten Politikstil, der den vermeintlichen Volkes-Willen in der Vordergrund stellt und sich sowohl gegen "die da oben" ("Macht-Kartell der Altparteien"), als auch gegen "Sozialschmarotzer" und "Fremde" richtet. Die nationale Identität hat Vorrang vor sozialen Fragen und bildet die Grundlage für das Bündnis einer aufstrebenden Außenseiter-Elite und sich von sozialen Abstieg bedroht fühlenden Mittelschichten, welches die populistischen Parteien ausmacht.
Die zweite Hälfte des Bandes befasst sich mit dem Agitations-Schwerpunkt von Pro NRW: Überall dort, wo über den Bau von Moscheen diskutiert wird, agitiert die selbst ernannte "Anti-Islam-Partei" erfolgreich gegen "Islamisierung" und "Überfremdung". Das Thema bietet Anknüpfungspunkte bis tief in die Mitte der Gesellschaft hinein. Mit ihrer erfolgreichsten Kampagne in Köln-Ehrenfeld beschäftigen sich deshalb auch drei Artikel. Auch die zweifelhafte Rolle von Ralph Giordano in der Debatte um den Ehrenfelder Moscheebau wird nachgezeichnet. Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik skizziert in seinem Essay den Weg Giordanos vom "Aufklärer zum Stammtischpolitiker", dessen undifferenzierte Islam-Schelte Pro Köln in die Hände spielte. Abgeschlossen wird der Band durch Vorschläge und Erfahrungsberichte zum Umgang mit Rechtspopulismus und Anti-Islam-Kampagnen in Kommunen, Parlamenten und Jugendarbeit.
Fazit: Ein gelungener Sammelband, der auch LOTTA-LeserInnen neue Informationen bietet.
Alexander Häusler (Hrsg.)
Rechtspopulismus als "Bürgerbewegung". Kampagnen gegen Islam und Moscheebau und kommunale Gegenstrategien
Verlag für Sozialwissenschaften 2008, 292 S, 24,90 Euro
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- Die Junge Freiheit in der Kritik
von Rainer Brahms
Im Mai 2005 feierte das publizistische Flaggschiff der "Neuen Rechten", die Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) seinen bislang größten Erfolg: Das Bundesverfassungsgericht gewichtete die Pressefreiheit stärker und erhöhte die Hürden für eine Nennung von Zeitungen in den Verfassungsschutzberichten. Insbesondere der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz hatte die Junge Freiheit in der Rubrik Rechtsextremismus aufgeführt. Nachdem sie jahrelang juristisch gegen die Nennung gekämpft hatte, wird die JF seit 2006 nicht mehr aufgeführt. Ist daraus zu folgern, dass nun keine extrem rechten Inhalte mehr in der JF zu finden sind? Mitnichten, wie der Sammelband "Die Wochenzeitung 'Junge Freiheit' " am Geschichts- und Nationsverständnis der Zeitung, an ihren Positionen zur Außen- und Militärpolitik oder an den Autoren und Anzeigenkunden aufzeigt. Klar wird außerdem, wie zentral die Rolle der JF für die Vernetzung von extremer und demokratischer Rechter ist. Besonders interessant ist ein Beitrag zur "Interviewfalle", schafft es die JF doch immer wieder, durch Gespräche mit prominenten, demokratischen PolitikerInnen, sich selbst ins Gespräch zu bringen.
Stephan Braun/ Ute Vogt (Hg.)
Die Wochenzeitung "Junge Freiheit" Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden
Verlag für Sozialwissenschaften 2007, 362 Seiten, 39,90 Euro
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- Schwarze Geister, Neue Nazis?
von Johannes Lohmann
Den Veröffentlichungen Rainer Fromms haftet oftmals etwas oberflächlich-sensationalistisches an. Das ist auch beim vorliegenden Band der Fall. Denn dass der Autor so unterschiedliche Phänomene wie DarkWave, Black Metal, Satanismus, Vampire und Rechtsextremismus mit jeweils einem Kapitel zusammen führt, wird vor allem mit ähnlichen Straftatbeständen begründet. Seitenlang werden in Form einer Reportage diverse Gewalttaten von vermeintlichen oder tatsächlichen Gothic-Anhängern und Satanisten beschrieben. Zwar führt Fromm durchaus auch inhaltliche Gemeinsamkeiten wie Sozialdarwinismus, Elitedenken, antiegalitäre Positionen und Freund-Feind-Schemata an, doch vermag er diese nicht aus bestimmten Szeneprozessen heraus zu analysieren, sondern bleibt in einer bloßen Beschreibung verhaftet, in der die "schwarze Szene" als Rekrutierungsfeld für Satanisten und Rechtsextremisten fungiert und "zum Instrument für politischen Ideologietransfer" wird (S. 53). Die Ausführungen zum Vampirismus wären nicht uninteressant, würde nicht auch hier der Versuch unternommen, diese Erscheinung in kompakten Eckpunkten zusammenzufassen und fragliche Verbindungen zum Death-Metal zu konstruieren, die an der Provo-Band Cannibal Corpse festgemacht werden. Dem folgt ein Parforce-Ritt durch den jugendkulturellen Rechtsextremismus, bei dem in aller Kürze NPD, Kameradschaften, Skinheads, rechter Hardcore, Marken und Symbolen der extremen Rechten abgehandelt werden. Das Buch schließt mit zwei Gastbeiträgen von Manuela Ruda, beteiligt am so genannten Satansmord von Witten und dem Aussteiger Gabriel Landgraf. Beide Beiträge hätten besser in einen Gesamtkontext eingebunden werden können. Fromm zitiert häufig Originalmaterialien aus antifaschistischer Literatur. Am Thema Interessierte sollten diese Fromms Buch vorziehen.
Rainer Fromm
Schwarze Geister, Neue Nazis. Jugendliche im Visier totalitärer Bewegungen
Olzog-Verlag 2008, 352 Seiten, 24,90 Euro
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- Tragödien im Mittelmeer
von Torben Heine
Gabriele de Grande, ein junger Journalist aus Italien, begibt sich auf die Spuren der vielen Menschen, die jedes Jahr auf der Suche nach einem besseren Leben versuchen, in die "Festung Europa" zu gelangen. Er folgte ihren Routen in der Türkei, Griechenland, Tunesien, Marokko, Westsahara, Mauretanien, Mali und dem Senegal. In den letzten Jahren wurden die europäischen Außengrenzen immer weiter militarisiert, die EU schottet sich gegen irreguläre Migration ab. Die MigrantInnen begeben sich aber trotz der erhöhten Gefahren auf die schwierige Reise, die Tausende mit ihrem Leben bezahlen. Sie ertrinken im Mittelmeer, weil sie von Bord fallen oder ihre überfüllten Boote kentern. Sie leiden unter den Misshandlungen und der Willkür von Polizei und Militär. Von 1988 bis 2008, schreibt de Grande, sind 8.109 Migranten im Mittelmeer sowie im Atlantischen Ozean auf dem Weg nach Spanien ertrunken. Mehr als ein Drittel aller Leichname sei nie geborgen worden. Mindestens 11.750 Menschen sind bis Januar 2008 an den Grenzen Europas zu Tode gekommen. Gabriele De Grande gibt den Menschen, deren Tragödien den europäischen Medien oft nur eine Randnotiz wert sind, ein Gesicht und eine Stimme. Er fragt nach ihren Geschichten, ihren Motiven und Hoffnungen. Er begibt sich an die Orte, von denen sie in Richtung Europa aufbrechen und besucht die Lager, in denen die leben müssen, die es nach Europa geschafft haben oder schon auf See von den EU-Grenzschützern festgehalten wurden. Seine Reportagen sind ein erschütterndes Zeugnis über ein Europa, das den "unerwünschten" MigrantInnen den Krieg erklärt hat und das Tote dabei billigend in Kauf nimmt.
Gabriele de Grande
Mamadous Fahrt in den Tod. Die Tragödie der irregulären Migranten im Mittelmeer
von Loeper Literaturverlag 2008, 221 Seiten, 14,90 Euro
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- Zwischen Antisemitismus und Islamophobie
von August Lindler
Über Antisemitismus und Islamophobie herrschen nicht nur hierzulande äußerst differente Ansichten. Die unterschiedlichen Debatten zum Thema sind dabei zumeist geprägt von Unsachlichkeit, ideologisch gefärbter Vorurteilsrhetorik und plumpem Schwarz-Weiss-Denken. Die Neuerscheinung hilft, einen differenzierten Blick auf beide Phänomene erlangen zu können, denn ein zentrales Anliegen des Bandes ist es, "den Antisemitismus und die Islamophobie als zwei gesonderte Phänomene zu untersuchen, die gleichwohl viel miteinander zu tun haben." Ein Anliegen, dem die Herausgeber mit den unterschiedlichen Beiträgen durchaus gerecht werden. Wir finden hier sowohl profunde Auseinandersetzungen mit den Begrifflichkeiten wie auch mit deren aktuellen Ausprägungen. Das Buch ist ein Sammelband, der aktualisierte Beiträge auf einer Konferenz aus dem Jahr 2005 an der Hebrew University in Jerusalem präsentiert, die durch neuere Beiträge ergänzt wurden. Jene Konferenz wurde vom Koebner Zentrum für Deutsche Geschichte und dem Österreichischen Institut für Internationale Politik veranstaltet. Ein interessanter Fundus zur Auseinandersetzung mit dem Thema!
John Bunzl/Alexandra Senfft (Hrsg.)
Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost
VSA-Verlag, Hamburg 2008, 19,80 Euro
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- Politisches Denken im Kalten Krieg (2)
von August Lindler
Mit der Neuerscheinung präsentiert der VSA-Verlag die vierte Publikation des marxistischen Politikwissenschaftler Frank Deppe in der Reihe "Politisches Denken im 20. Jahrhundert". Es handelt sich hierbei um den zweiten Teil der Auseinandersetzung mit der Zeit des Kalten Krieges. Wurden im ersten Band die Schwerpunkte auf die sozioökonomischen und politischen Hintergründe und Zusammenhänge gesetzt, so porträtiert der Autor in der Neuerscheinung auserwählte Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie Hannah Arendt, Wolfgang Abendroth, John Kenneth Galbraith, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre sowie Ernesto "Che" Guevara. Im Kontext der Flut aktueller Rückblicke auf das Aufbruchjahr 1968 stellt die Neuerscheinung eine Rückschau aus Sicht des so genannten Arbeiterbewegungs-Marxismus dar. Frank Deppe ist Schüler von Wolfgang Abendroth, einem geistigen Wegbereiter der so genannten Marburger Schule, die im - nicht nur begrifflichen - Gegensatz zur Frankfurter Schule der Kritischen Theorie einen Schwerpunkt ihrer Analysen auf die sozialen und betrieblichen Kämpfe der Arbeiterschaft setzte. Doch das Buch - wie auch dessen Vorgänger aus der Reihe - ist mehr als das: Es ist zugleich ein ebenso intelligent und pointiert wie zugleich flüssig geschriebenes Lesebuch über "68", das sich wohltuend absetzt von der Flut der Renegaten- und Schwadronierliteratur über diesen Zeitabschnitt linker Geschichte. Es ist ein interessantes Nachschlagewerk zum Thema, das einen breiten Materialfundus zur Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart linker Theorie gibt - ein Lesebuch zu 68 ff. der intelligenten Art!
Frank Deppe
Politisches Denken im Kalten Krieg. Teil 2: Systemkonfrontation, Golden Age, antiimperialistische Befreiungsbewegungen
VSA-Verlag, Hamburg 2008, 26,80 Euro
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- Vom Erinnern und Vergessen
von Pia Gomez
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist ein umkämpftes Terrain - kollektive Erinnerung basiert auf Aushandelungsprozessen und Deutungskämpfen. Zugleich bauen nationale Identitätskonstruktionen auf selektive Erinnerungsmythen auf. Der Umgang mit der Erinnerung - zumal an Verbrechen - ist daher zugleich ein höchst politischer Deutungsakt: "Massenverbrechen, zumal solche des 20. Jahrhunderts, entwickelten sich zu Brennpunkten des Streits um Geschichtsbilder und daran anschließende Selbstbilder von Nationen und subnationalen Gemeinschaften." Die Zeitschrift PERIPHERIE widmet sich in ihrer Doppelausgabe dem Thema. Wir finden hier pointierte Auseinandersetzungen mit dem Verhältnis von Rassismus und Antisemitismus in Deutschland im Kontext von Nationalsozialismus und dem deutschen Völkermord in Namibia, mit dem Völkermord in Ruanda und mit der Praxis der so genannten Wahrheitskommissionen im kollektiven Umgang mit Massenmord. Zudem wird der Gründungsmythos der australischen Nation ins Verhältnis zu der Vertreibung und Ermordung der Aborigines gesetzt und ein Rückblick auf die Aufarbeitung der Franco-Diktatur vollzogen und deren aktuellen Erscheinungsformen analysiert. Diese und weitere Beiträge geben einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand zum Thema und liefern eine Fülle von Anregungen zur profunden Beschäftigung mit der (nationalen) Erinnerungspolitik. Eine lohnenswerte Lektüre!
PERIPHERIE
Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt
# 109/110: "Vom Erinnern und Vergessen" Doppelheft 18,29 Euro
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- Blackwater
von Pia Gomez
Die Firma Blackwater, ein privater "Sicherheitsdienst", sorgte international erstmals für Aufmerksamkeit, als bei der Begleitung eines Autokonvoi des US-Außenministeriums am 16. September 2007 bei einer Schießerei in Bagdad 17 irakische Zivilisten getötet und 24 verletzt wurden. Trotz internationaler Empörung über dieses Massaker weigerte sich das US-Außenministerium, die Ausweisung aller Blackwater-Mitarbeiter aus dem Irak zu vollziehen - im Gegenteil: Der von Bush eingesetzte us-amerikanische Sicherheitsbeauftragte in Bagdad Paul Bremer erließ 2004 in einem Sondererlaß rechtliche Immunität für alle US-nahen Sicherheitsfirmen. Blackwater-Gründer Erik Prince war einer der Profiteure des »Outsourcing« militärischer Leistungen: sein Aufbau eines Söldnertrupps zur mächtigsten Privatarmee der Welt basierte auf Bushs »Krieg gegen den Terror«. Der katholische Fundamentalist Prince steht in engem Kontakt zur religiös-politischen Rechten der US-Republikaner und pries sich von Anfang an als "Sicherheitsberater" an - so etwa, als 1999 bei an der Columbine High School Schüler mit Schießwaffen ein Massaker veranstalteten. Daraufhin vollzog sich der Aufstieg von einer Firma für Schießstände und zur Ausbildung von Leibwächtern hin zu einem privaten Kriegsunternehmen mit ca. 2300 Söldnern, eigener Fallschirmjägerstaffel, eigenen Militärbasen und einem riesigen Waffenarsenal. Der Autor beschreibt detailliert den Aufstieg dieser Söldnertruppe und deren militärische wie auch politische Macht und legt damit einen bestürzenden Beleg für die Folgen politischer Privatisierungsbestrebungen dar. Das Buch ist zugleich ein glänzender Enthüllungsreport wie spannend zu lesender Thriller, der zeigt, wie die kapitalistische Realität manchmal die Action-Unterhaltungsindustrie überflügelt.
Jeremy Scahill
Blackwater. Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt.
Kunstmann Verlag, München 2008, 22 Euro
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- Über die Deutschen
von August Lindler
Mit seinem Buch "über die Deutschen" hat der Althistoriker und Kulturwissenschaftler Alexander Demandt eine Art Reiseführer durch die deutsche Geschichte und deren Deutungen und Mythen verfasst. Zwar formuliert der Autor eingangs den Anspruch zu erklären, was nun wirklich "ein Deutscher" ist. Doch seine Herleitungen fassen den Gegenstand nicht schlüssig. So definiert er einerseits Deutsche als "Angehörige einer Sprachgemeinschaft" und fordert anderseits die Einbeziehung "dynastischer und ethnischer Verbindungen" und verwehrt sich gegen eine "Beschränkung auf die Staatsbürger oder Einwohner Deutschlands". Doch derartige Unklarheiten tun dem Wert des Buches keinen Abbruch. Man muss auch beileibe nicht mit allen polithistorischen Deutungen des Autors übereinstimmen. Denn das Werk ist eher ein Lesebuch, das einen Fundus an Geschichten und Erzählungen unterschiedlichster Couleur präsentiert, als ein Lexikon für Völkerkunde oder eine stringente politische Analyse. Zudem lässt es der Autor bei der Suche nach dem Deutschen auch nicht an (Selbst-)Ironie fehlen: "Erasmus hat sich in seinen jungen Jahren als Deutscher gesehen, so schrieb er 1514 an Wimpfeling, später als Franzosen oder Niederländer - und doch war die eigentliche Heimat dieses Kosmopoliten seine Bibliothek, so 1518 an Laurin." In seiner deutschen Spurensuche geht Demandt nicht zeitchronologisch, sondern themenbezogen vor. Er erzählt Geschichten zu verschiedenen Themen wie den Frauen und der Liebe oder dem Wald und den Bäumen. Da wird die Geschichte anhand Schilderungen von Brauchtum, Alltag, Sport, Musik, Theater und Glauben veranschaulicht und lebendig. Auch die klassischen Themen wie Krieg und Frieden, Staat und Recht werden behandelt, aber Demandt präsentiert sich dabei weniger als polittheoretisch bewanderter Spezialist, denn vielmehr als glänzender Geschichtenerzähler mit spannenden und witzigen Anekdoten . So wird bei der Frage um nationale Identitätskonstruktionen im Kontext nationaler Feiertage mit Beispielen wie dem Oktoberfest operiert: "Da nun aber doch einmal gefeiert werden muss, gibt es in Deutschland das größte Volksfest der Erde, das Münchner Oktoberfest mit all seinen Ablegern. Es hat zwar auch einen historisch-politischen Ursprung: das Pferderennen bei der Hochzeit des Bayernkönigs Ludwigs I. mit Therese von Sachsen im Jahre 1810, doch das ist längst vergessen. Heute feiert man, um zu feiern. Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun." Demandt ist mit dieser "kleinen Kulturgeschichte" die Herstellung eines äußerst anregenden und an vielen Stellen überaus erheiternden Lesbuches geglückt, dass eine breite Leserschaft verdient.
Alexander Demandt
Über die Deutschen. Eine kleine Kulturgeschichte
Propyläen Verlag, Berlin 2007, 24,90 Euro
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- NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern
von Rainer Brahms
Nach Sachsen gelang der NPD 2006 mit dem Einzug in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns der Einzug in ein zweites Landesparlament. Wofür die NPD politisch steht, ist bereits hinlänglich untersucht worden, die konkrete Umsetzung in der Volksvertretung selbst ist bislang kaum analysiert worden. Über das Wirken im Parlament in Mecklenburg-Vorpommern gibt jetzt erstmalig ein Sammelband Auskunft. Offensichtlich wird, wie die Partei populistische Politik betreibt und sich dabei insbesondere des Mittels der Provokation bedient. In den beiden Analysen der parlamentarischen Arbeit und den dokumentierten Landtagsdebatten liegt auch der interessanteste Part des Buches. Auswertungen von Anträgen und Anfragen der NPD-Fraktion zeigen, wie die Abgeordneten das Parlament sowohl als Propagandabühne, als auch als Lehrwerkstatt, Versorgungswerk und Informationsquelle nutzen. Erfreulich ist, dass Artikel zur neonazistischen Kindererziehung oder der Bedeutung von Szeneläden nicht fehlen. Eine Analyse der NPD muss diese "vorpolitischen Bereiche" einbeziehen, soll der Charakter der NPD als "Bewegungspartei" erkannt werden. In der Darstellung der Aktivitäten der Landesregierung gegen die extreme Rechte durch einen Minister eben jener wird jedoch offensichtlich, aus welcher Ecke das Buch kommt, sind die Herausgeber doch Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion. Entsprechend positiv fällt ihr Fazit aus.
Mathias Brodkorb/Volker Schlotmann (Hg.)
Provokation als Prinzip. Die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern
Adebor Verlag 2008, 257 Seiten, 13,90 Euro
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- James Twining: Die schwarze Sonne
von Michael Fehrin
James Twining soll ein guter und erfolgreicher Unternehmer in England gewesen sein. Spricht das dafür, dass er auch ein guter Autor ist? Natürlich nicht! Aber er hat es immerhin geschafft, einen Schundroman zu schreiben und international zu vermarkten, der "Die schwarze Sonne" heißt. Warum ist dieses Buch es wert, an dieser Stelle beschrieben zu werden? Nun, es ist ohne jeden Zweifel schlecht. Sehr schlecht sogar. Absolut vorhersehbar, ein Thriller ohne Spannung mit albernen Charakteren. Kann man einen Krimi schlimmer bewerten? Aber eins ist nicht uninteressant: dieses Geschreibsel ist berstend voll mit Nazigeschichten- und Anekdoten. Die Handlung? Ein ehemaliger Kunstdieb, seine Freundin und ein Kumpel fliegen innerhalb kürzester Zeit durch ganz Europa um eine Naziverschwörung zu verhindern. Dabei geht es um einen Zug mit Raubgut, den amerikanische Soldaten 1945 den Deutschen wegschnappten und plünderten (so was kam vor), die Wewelsburg (gibt es wirklich), das Bernsteinzimmer (gab es wirklich), die SS und, und, und. Alles ist drin. Die Wahrheit, so sie in diesem Büchle steht, über die "Schwarze Sonne" oder den Verbleib des Bernsteinzimmers wird hier natürlich nicht verraten. Aber Scherz beiseite: Die Naivität mit der in diesem Roman die oben genannten Themen verwurstet werden ist einfach unglaublich. Aber das wirklich interessante an der Geschichte ist, dass all die trüben Nazigeschichten nun so lange her ist, dass man sogar solch miese Romane darüber schreiben kann. Wobei Twinings Werk nicht das erste ist. Aber bevor jemand glaubt, dass ich Twining verdamme, sei auch etwas Positives gesagt: Immerhin ist die Geschichte politisch korrekt!
James Twining
Die schwarze Sonne
Bastei-Lübbe 2008, 413 Seiten, 8.95 Euro
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