Von

„Ein Gänsehautschauer nach dem anderen“

Bedeutung europäischer Aufmärsche für die deutsche Neonazi-Szene

Dass deutsche Neonazis ins europäische Ausland fahren um dort an „Gedenkmärschen“ teilzunehmen, stellt grundsätzlich keinen Widerspruch dar. Die extreme Rechte oder der Neonazismus war und ist kein rein nationales Phänomen. Schon im 20. Jahrhundert existierten diverse Bündnisse unter den faschistischen Bewegungen in Europa und auch heute haben sich in verschiedenen europäischen Ländern extrem rechte Bewegungen und Organisationen etabliert, die sich grenzüberschreitend vernetzen, kooperieren und (gemeinsame) Straßenpolitik betreiben. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, welche Faktoren deutsche Neonazis dazu bewegt, an Aufmärschen der europäischen Kameraden teilzunehmen, und welche sie eher von einem Besuch abhalten.

In der Begründung einer länderübergreifenden Zusammenarbeit rekurriert die extreme Rechte auf verschiedene Europakonzeptionen und -vorstellungen. Innerhalb des deutschen Neonazismus existiert eine starke Bezugnahme auf eine Europa-Idee, die auf völkisch-rassistische Ordnungsvorstellungen des Nationalsozialismus zurückgreift. Einen wichtigen Anknüpfungspunkt stellt die Heroisierung der SS bzw. der Divisionen da, in denen „Waffenbrüder“ aus verschiedenen europäischen Ländern gekämpft haben. Die Orientierung an einem vermeintlichen Kampf für eine „weiße Rasse“ dient der extremen Rechten auch heute als gemeinsame Basis für transnationale Kooperationen. Mit der Losung eines „Europa der Vaterländer“ wird die Zusammenarbeit mit den Kameraden aus den europäischen „Bruderstaaten“ beschworen. Europa wird in diesen Vorstellungen als schicksalhafte „über Jahrhunderte gewachsene Lebenskampfgemeinschaft“ konstruiert, wie Pierre Dornbrach exemplarisch in der JN-Zeitschrift Der Aktivist mit dem Schwerpunktthema „Europa“ ausführt. Auch in den Reiseberichten über die Teilnahme an Aufmärschen im europäischen Ausland findet sich immer wieder das Mantra eines gemeinsamen Kampfes für ein „freies Europa der Völker“ als Begründung wieder. So schreibt das DortmundEcho über die Teilnahme von „Dortmunder Aktivisten der Partei Die Rechte“ an drei stattgefundenen Aufmärschen in Athen, Budapest und Sofia, dass „der Widerstand aller freien, europäischen Völker gemeinschaftlich organisiert werden“ muss.

Nachbarschaft

Neben dieser grundsätzlichen Bezugnahme der extremen Rechten hinsichtlich einer europäischen Ausrichtung, existieren unterschiedliche Beweggründe und Faktoren, die dazu führen, dass deutsche Neonazis im europäischen Ausland an Demonstrationen teilnehmen. Ausschlaggebend können persönliche oder organisatorische Kontakte und Freundschaften zwischen extrem rechten Gruppen und Einzelpersonen sein. Dies ist oft in Grenzgebieten der Fall, und daher finden oft durch die räumliche Nähe transnationale Kooperationen statt. So pflegen sächsische und bayrische Neonazis gute Kontakte nach Tschechien, die sich auch in gegenseitigen Aufmarschbesuchen zeigen. Bayrische Neonazis um das im Jahr 2014 verbotene Freie Netz Süd und tschechische Neonazis, die hauptsächlich der dortigen Arbeiterpartei für soziale Gerechtigkeit (DSSS) zugeordnet werden können, treten teilweise auch unter einem gemeinsamen Label, dem selbsternannten Deutsch-Böhmischen Freundeskreis auf. In erster Linie besteht die Vernetzung in gegenseitigen Besuchen extrem rechter Aufmärsche in Tschechien und Deutschland. Auch Neonazi-Strukturen aus NRW waren ab Mitte der 1990er Jahre regelmäßig bei Aufmärschen in den benachbarten Niederlanden zu Gast. Ihre Strukturen waren eng mit jenen in NRW verbunden. Seit 2012 scheinen zumindest die Aufmärsche an Attraktivität verloren zu haben und die deutschen Kameraden lassen sich kaum noch bei diesen blicken. Einen Anreiz, über die Grenze zu fahren, bieten eher RechtsRock-Konzerte oder Veranstaltungen der in den Niederlanden legalen Blood & Honour-Division. Niederländische Neonazis dagegen nehmen auch weiterhin an Demonstrationen in Deutschland teil.

Militanz

Am Beispiel Tschechien läßt sich verdeutlichen, dass es nicht nur die geringe Entfernung ist, die für eine grenzüberschreitende Mobilisierung sorgt. In (Nord-)Tschechien kam es in den letzten Jahren zu mehreren antiziganistischen Mobilisierungen und Aufmärschen, bei denen es auch zu pogromartigen Ausschreitungen gegen von Roma bewohnte Häuser kam (vgl. LOTTA #48, S. 51). Bilder eines vermummten rassistischen Mobs verbreiteten sich über Tschechien hinaus, diese zogen auch Neonazis aus Deutschland an. Bei verschiedenen Aufmärschen wie am 29. Oktober 2011 in Rotava oder am 29. Januar 2012 in Varnsdorf beteiligten sich Neonazis aus Bayern und Sachsen. Dass es bei diesen Aufmärschen eine spezifische Motivation gab, zeigt sich daran, dass die TeilnehmerInnenzahl weit über der sonstigen Beteiligung deutscher Neonazis bei Veranstaltungen in Tschechien lag. Die Hoffnung, sich an Ausschreitungen und Übergriffen beteiligen zu können ist also für deutsche Neonazis ein Grund, sich auf Reisen zu begeben.

NS-Verherrlichung...

Auf der inhaltlichen Ebene stellt die Verherrlichung des Nationalsozialismus bzw. anderer faschistischer Regime in Europa ein wichtiges Moment der länderübergreifenden Mobilisierungsfähigkeit für die extreme Rechte dar. Noch vor einigen Jahren richtete die extreme Rechte in Deutschland mit den Heß-Märschen in Wunsiedel und den Aufmärschen zum Jahrestag der Bombardierung in Dresden selbst zwei zentrale Events mit europaweiter Beteiligung in diesem Themenfeld aus. Geschichtsrevisionistische Aufmärsche und die Glorifizierung des NS sind für die neonazistische Bewegung aber auch ein beliebter Reisegrund. So reisen bspw. NPD-Delegationen seit vielen Jahren im November nach Madrid, um dort am Gedenken für den spanischen Diktator Francisco Franco und den Falange-Gründer José-Antonio Primo de Rivera teilzunehmen, deren Todestage sich jeweils am 20. November jähren. Deutsche Neonazis beschwören dort auf Veranstaltungen und Demonstrationen immer wieder die „traditionelle Freundschaft“ und „gemeinsame Geschichte“. Zum festen Programm der Novembertermine gehören Besuche der Denkmäler für die Gefallenen der faschistischen Legion Condor und dem spanischen SS-Freiwilligenverband Blaue Division. Konnten Ende der 1990er Jahre noch bis zu 100 Personen aus Deutschland mobilisiert werden, hat sich die Teilnahme im Laufe der Zeit auf eher kleine Delegationen reduziert.

Zwei NS verherrlichende Aufmärsche im Osten Europas haben hingegen in den letzten Jahren für deutsche Neonazis größere Bedeutung erlangt.

...in Budapest

Im Zuge der Befreiung von Budapest durch die Rote Armee im Februar 1945, kam es zu einem versuchten Ausbruch von Einheiten ungarischer Faschisten und der Waffen-SS, bei dem mehrere tausend Soldaten ums Leben kamen. Zur Ehre dieser findet seit mehreren Jahren am zweiten Wochenende im Februar in Budapest der sogenannte „Tag der Ehre“ statt. Maßgeblich organisiert wird dieser von ungarischen Strukturen des Blood & Honour-Netzwerkes bzw. dessen Nachfolgestrukturen. Insbesondere der positive Bezug und die Glorifizierung der Waffen-SS spielt bei dem Aufmarsch eine bedeutende Rolle. Der Aufmarsch am „Tag der Ehre“ entwickelte sich in den 2000er Jahren zu einem wichtigen Neonazievent, mit Teilnehmenden aus diversen europäischen Ländern, auch aus Deutschland. Deutsche Neonazis traten dabei immer wieder als Redner in Erscheinung. So zum Beispiel 2007 der damalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt oder zwei Jahre später der nordrhein-westfälische Kameradschaftsführer Ralph Tegethoff. Seinen Höhepunkt hatte der „Tag der Ehre“ 2009, als ca. 2000 Neonazis ins Budapester Stadtzentrum mobilisiert werden konnten. In den folgenden Jahren musste die Veranstaltung aufgrund staatlicher Verbote zumeist außerhalb von Budapest bzw. in Waldgebieten stattfinden. Auch die diesjährige - kurzfristig verlegte - Kundgebung am 07. Februar fand mit rund 150 Personen an einem Denkmal für die Waffen-SS in Dég statt. Wie das Jahr zuvor steuerte der Vorsitzende der Kleinstpartei Der Dritte Weg Klaus Armstroff einen Redebeitrag bei.

...und Sofia

Anlässlich des Todestages des ehemaligen bulgarischen Kriegsministers und Generals Hristo Lukov findet jährlich im Februar in Sofia der sogenannte „Lukov-Marsch“ statt, regelmäßig auch mit deutscher Beteiligung. Lukov war ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus und Anführer des faschistischen Bunds der Bulgarischen Nationalen Legionen. Im Februar 1943 wurde er von kommunistischen Partisanen erschossen. Maßgeblich organisiert wird der seit 2004 durchgeführte „Lukov-Marsch“ vom Bulgarischen Nationalbund (BNS), regelmäßig nehmen an die 1.000 Personen teil. An dem martialisch inszenierten Fackelmarsch nahmen neben bulgarischen NeofaschistInnen auch solche aus verschiedenen europäischen Ländern teil. Auch nordrhein-westfälische Neonazis um den ehemaligen NW Dortmund und heutigen Die Rechte Kreisverband Dortmund reisen seit mehreren Jahren immer wieder nach Sofia und treten - wie zuletzt am 14. Februar 2015 – auch als Redner in Erscheinung. Die Dortmunder Strukturen pflegen seit langer Zeit gute Kontakte zum BNS und Delegationen aus Bulgarien waren regelmäßig bei den Aufmärschen bzw. Kundgebungen zum Antikriegstag in Dortmund zu Gast.

Inhalt, aber auch Form

Es ist nicht „nur“ die Möglichkeit einer Verherrlichung des NS, die es für deutsche Neonazis attraktiv macht sich auf Reisen zu begeben. Auch die Form und die Inszenierung faschistischer Ästhetik, wie Fackeln, Marschformation oder militärischer Uniformierung, spielen eine Rolle. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser geschichtspolitischen Aufmärsche für die deutschen Neonazis ist, dass sie hier die Erfahrung machen, für ihre offen nach außen getragene NS Verherrlichung nicht angefeindet zu werden. So finden in Sofia und Budapest keine größeren Gegenmobilisierungen statt, welche die Aufmärsche stören oder behindern. Dies ist auch bei dem jährlichen „Tag der Legionäre“ im lettischen Riga von Bedeutung. Bei diesem Aufmarsch von Alt- und Neonazis, bei dem bis zu 2.000 Teilnehmende zusammenkommen, werden die lettischen Einheiten der Waffen-SS im Kampf gegen den „Bolschewismus“ glorifiziert. Auch hier waren Dortmunder Neonazis vor Ort und berichten von einem „ehrvollen Gedenken“ und einer positiven Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung, da die „Freiwilligen in Lettland einen Heldenstatus“ genießen würden.

Massenerlebnis

Einen der aktuell größten europäischen Aufmärsche der extremen Rechten in Europa mit mehreren tausend Teilnehmenden veranstaltet die Goldene Morgenröte jährlich in Athen. Mit dem „Imia-Marsch“ soll an den Tod drei griechischer Offiziere bei einem Hubschrauberabsturz im Territorialkonflikt mit der Türkei um zwei Inseln 1996 erinnert werden. In den letzten Jahren haben an diesen Aufmärschen regelmäßig Delegationen der NPD und anderer deutscher Neonazis aus dem früheren Kameradschafts- und heutigen Spektrum von Die Rechte oder Der Dritte Weg teilgenommen. Neben der grundsätzlichen Faszination der extremen Rechten für den Erfolg der Goldenen Morgenröte hat insbesondere der Massenaufmarsch eine starke identitätsstiftende und emotionale Wirkung. Der „Imia-Marsch“ bietet mit einem riesigen Fahnenmeer und dem massiven Einsatz von Pyrotechnik eine nationalistische Inszenierung, wie sie in Deutschland derzeit nicht möglich ist. „Wie jedes Jahr umfasste die deutschen Teilnehmer dabei ein Gänsehautschauer nach dem anderen“ schwärmt „völlig begeistert und beeindruckt von der Zusammensetzung der Teilnehmer, der Veranstaltung und der positiven Energie“ ein/e deutsche/r TeilnehmerIn auf der Homepage von Der Dritte Weg. Solche emotionalen Berichte waren in den 2000er Jahren auch regelmäßig nach Besuchen deutscher Neonazis im schwedischen Salem zu lesen. Nachdem dort im September 2000 der junge Neonazi Daniel Wretström bei einer Auseinandersetzung mit Jugendlichen ums Leben kam, etablierte die extreme Rechte für mehrere Jahre einen der wichtigsten Neonaziaufmärsche Nordeuropas. (vgl. LOTTA #34, S. 52) Zu dem „Trauermarsch“, der in Hochzeiten an die 2.000 Neonazis aus verschiedenen europäischen Ländern mobilisieren konnte, reisten auch spektrenübergreifend zeitweise über 100 deutsche Neonazis an. Neben den traditionell guten Kontakten zwischen schwedischen und deutschen Strukturen, lag die Mobilisierungskraft beim „Salem-Marsch“ bei der Inszenierung mit Schweigemarsch und Fackelmeer bzw. einem emotional betriebenen Märtyrerkult.

Grenzen

Allerdings lassen sich auch Grenzen und Hindernisse der Mobilisierung zu Demonstrationen im Ausland feststellen. Die nationalistischen Massendemonstrationen in Polen zum Jahrestag der Unabhängigkeit haben Anziehungskraft für die extreme Rechte aus Ländern wie Ungarn, Tschechien, Spanien oder Italien. Der „Unabhängigkeitsmarsch“ bzw. der „Marsch der Patrioten“ erfüllt sogar Kriterien, wie Nachbarland, Massenevent mit mehreren zehntausend Teilnehmenden und bietet auch militante Auseinandersetzungen. Eine Teilnahme deutscher Neonazis bei diesen Aufmärschen wurde bisher nicht registriert, was an dem historischen Kontext und antipolnischen Ressentiments in der Szene liegen dürfte.

Auch England war und ist kein attraktives Demonstrationsziel für die extreme Rechte aus Deutschland. Während deutsche Neonazis regelmäßig bei Konzerten im „Mutterland“ des RechtsRock anzutreffen sind, haben die Demonstrationen bspw. der English Defence League (EDL) keine Anziehungskraft für die hiesige Szene gehabt. Lediglich vereinzelt waren Mitglieder der German Defence League (GDL) bei Veranstaltungen der EDL zu Gast. Trotz guter Kontakte nach Italien und der verbreiteten Faszination für Gruppen wie CasaPound, ist auch hier keine nennenswerte Beteiligung an Aufmärschen der dortigen neofaschistischen Bewegung festzustellen.

Fazit

Grundsätzlich bietet der Besuch von Aufmärschen im Ausland eine Begegnungs-, Vernetzungs- und Kontaktmöglichkeit für die extreme Rechte über Ländergrenzen hinweg und stellt eine wichtige Praxis der transnationalen Zusammenarbeit dar. So findet sich nahezu in jedem Erlebnisbericht der Szene, dass es neben dem Aufmarsch ein Treffen und Austausch mit lokalen Strukturen gegeben hat. Die juristische, politische und kulturelle Rahmung der Demonstrationen in den Ländern spielt eine große Rolle hinsichtlich der Attraktivität, zu dem jeweiligen Aufmarsch zu fahren, insbesondere in Bezug auf Inszenierungspraxen wie martialische Uniformierungen, Teil eines Massenevents zu sein oder das Zeigen hier verbotener Symboliken. So war es deutschen Neonazis schon in den 1990er Jahren möglich in Dänemark, bei dortigen Ersatzveranstaltungen für die in Deutschland verbotenen Heß-Märsche, mit Hakenkreuzfahnen und -schildern aufzulaufen. Eine gemeinsame Straßenpolitik ist nur ein Indiz für eine länderübergreifende Kooperation, denn nur weil deutsche Neonazis nicht zu Aufmärschen in ein Land fahren, heißt das noch nicht, dass es auf anderen Ebenen, sei es auf parlamentarischer oder subkultureller, keine Zusammenarbeit gibt. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Besuche aus Deutschland eher aus Delegationen bestehen und es keine große bundesweite Mobilisierung zu einem europäischen Event gibt. Auch der gerne propagierte gemeinsame „Kampf der europäischen Völker“, kommt nicht immer an der Basis an. So beschwert sich ein Kommentator unter einem Bericht über die Teilnahme von Dortmunder Kameraden beim „Lukov-Marsch“ in Sofia: „Wozu fahrt ihr nach Bulgarien? Hätte gereicht in die Nordstadt zu fahren, denn da haste mitlerweile genauso viele von denen“.

Meta

Mehr aus diesem Schwerpunkt

Wiederkehr der großen Aufmärsche oder neue Unübersichtlichkeit?

Verschiedentlich ist in den letzten zwei Jahren in antifaschistischen Publikationen davon die Rede gewesen, dass die großen Aufmärsche der neonazistischen Strömung an Bedeutung verloren hätten. Insbesondere die anlässlich der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten jeweils Mitte Februar von Neonazis veranstalteten Versammlungen hatten sich in wenigen Jahren zu Großveranstaltungen entwickelt, konnten aber durch eine bundesweite antifaschistische Mobilisierung eingeschränkt werden. Auch an anderen Orten haben sich die Proteste intensiviert.

Die Bedeutung des 1. Mai für die Straßenpolitik der extremen Rechten

Der Aufzug, der sich am 1. Mai 1993 durch die menschenleeren Straßen von Berlin- Lichtenberg bewegte, wirkte reichlich bizarr. Knapp 100 Neonazis hatten sich hinter einem Transparent der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) versammelt, auf dem die Parole „Deutsche Arbeitsplätze für deutsche Arbeitnehmer“ prangte. Dirigiert wurde der Tross durch den FAP-Vorsitzenden Friedhelm Busse, ausstaffiert mit einem knarzenden Handmegaphon. Ein Jahr zuvor war die FAP mit ihrem Versuch, im Prenzlauer Berg einen Aufmarsch durchzuführen, sogar komplett gescheitert. Bevor die Veranstaltung überhaupt begonnen hatte, blieb den rund 50 AktivistInnen angesichts wütender Gegenproteste nur der wenig ruhmreiche Rückzug.