NRW: "Feindkontakte" und "bolschewistisches Gesindel"

NRW/Dresden – Einen Tag nach dem missratenen Versuch, mit mehr als 6000 Neonazis durch Dresden zu ziehen, ist auch bei NPDlern und „parteifreien“ Neonazis aus NRW Wundenlecken angesagt.

Neonazis aus Ostwestfalen waren heute Vormittag offenbar noch so sprachlos, dass sie es lediglich schafften, die Überschrift „Legislative und Exekutive als Hure fremder Interessen!“ auf ihre Homepage zu setzen und einen Bericht für den späten Nachmittag zu versprechen. Nach einigen Stunden Erholung kamen die Ostwestfalen dann zu dem Schluss, „etablierte Politiker als Befehlsgeber und Polizei als Befehlsempfänger“ hätten „gemeinsam mit Gewerkschaften, Berufsdemonstranten und ihren gewalttätigen Antifabanden“ das Recht gebrochen: eine „Anarchistenbande in Frack, Uniform und Antifakluft“.

Etwas atemlos zeigten sich die Rechts-„Autonomen“ aus dem Raum Unna, die im Telegrammstil zu berichten wussten, dass die „Antworten“ auf die Verhinderung des Aufmarschs direkt erfolgt seien: „**nationale Spontandemo in Pirna mit über tausend Aktivisten**Antifas wurden direkt angegriffen, u.a Schädelbruch bei Linken**Mehrere demokratische Parteibüros zerstört**Angriffe auf Polizeiwagen nach polizeilich verhindertem Trauermarsch**“

Die NRW-NPD tröstete sich per Twitter-Nachricht, dass es „trotz dem rechtswidrigen Verhalten der Systembüttel“ immerhin eine „Demo“ von Dresden-Wilder Mann nach Dresden-Neustadt gegeben habe.

Die „Kameradschaft Aachener Land“ veröffentlichte einen Text, der vermuten lässt, dass der Verfasser zu viele Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht konsumiert hat. Von „Feindkontakt“ wird da schwadroniert, davon, dass es auf dem Weg zum Bahnhof in Dresden-Neustadt gelungen sei, „das bolschewistische Gesindel in die Flucht zu schlagen“. Die Polizeibeamten werden als „Faschisten in Uniform“ tituliert, denen man den eigenen „Unmut“ durch „Flaschenwürfe“ zu verdeutlichen versucht habe.

Nicht militant genug ging es offenbar für Axel Reitz in Dresden zu. Per Twitter klagte Reitz, der sich bisher nicht unbedingt als „Straßenkämpfer“ einen Namen gemacht hat, „die Feigheit und die Apathie einiger beim Feindkontakt“ sei „allerdings traurig“ gewesen.

In völliger Verkennung der Tatsachen meint die „Aktionsgruppe Ruhr-Mitte“, die die rechts-„autonomen“ Neonazis im Ruhrgebiet koordiniert, die Polizei habe sich außerstande gesehen, „einige wenige Antifaschisten wegzuschieben“. Dass sie die Neonazi-Demo blockierten, sei gar „mit der Polizei abgesprochen“ gewesen. Die „Autonomen Nationalisten“ von der Ruhr fordern andere Aktionsformen: „Jeder hat erlebt dass die Wege die wir gegangen sind nicht ans Ziel führen werden. Wir werden wieder in Dresden und anderswo stehen, egal was sie sagen oder machen.“

Bleibt noch Björn Clemens, Rechtsanwalt aus Düsseldorf und stellvertretender Bundesvorsitzender der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“, die zu dem Aufmarsch aufgerufen hatte. Er sei bei seinem Auftritt vor dem Bahnhof in Dresden-Neustadt nicht zu bremsen gewesen, heißt es auf der Internetseite der neu-rechten Zeitschrift „Sezession“. Sie berichtet über seine Rede: „Daß der Holocaust eine Zivilreligion geworden sei, und wie bitter das ihm, Björn Clemens, der keinesfalls den Holocaust leugnen oder beschönigen wolle, aufstoße. Holocaust, Holocaust, von morgens bis abends schalle ihm das um die Ohren. Horst Mahler müsse für eine Meinung elf Jahre im Gefängnis schmoren; das schaffe kein Messerstecher. ,Freiheit für Horst Mahler!’ donnert Clemens.“ (ts)

  • siehe auch: "Björn Clemens und die ,auschwitzfixierte Buß- und Schuldreligion'“

/nrwrex/2010/02/d-bj-rn-clemens-und-die-auschwitzfixierte-bu-und-schuldreligion