DN: Haller will NPD-Landesverband auf radikaleren Kurs bringen

Düren – Welche Schlüsse die nordrhein-westfälische NPD aus der Wahlschlappe vom vorigen Jahr ziehen sollte, diese Frage hatte ihr Landesvorsitzender Claus Cremer in seiner ersten Stellungnahme nach dem Wahltag nicht beantwortet. Statt dessen prescht nun sein stellvertretender Landesorganisationsleiter Ingo Haller kurz vor einer für kommenden Sonntag anberaumten Landesvorstandsitzung vor. Er empfiehlt einen ungeschminkt radikalen Kurs, wie er in seinem Kreisverband Düren praktiziert wird.

„In Düren haben wir es sogar geschafft die Wahlergebnisse der letzten Landtagswahl – entgegen dem Landestrend – zu steigern“, schreibt Haller. Die in den Dürener Wahlbezirken erreichten Ergebnisse von 1,4  und 1,5 Prozent der Zweitstimmen könnten sich „für den Westen der Republik durchaus sehen lassen, auch wenn wir damit natürlich noch lange nicht zufrieden sein können oder dürfen“.

Überhaupt nicht zufriedenstellend waren aber viele Ergebnisse andernorts. Haller: „Landesweit versagte die NPD mit kläglichen 0,7 Prozent.“ Zurückhaltung ist seine Sache nicht: „So wie wir in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner einen Misthaufen ungeschönt auch Misthaufen nennen, so wollen wir auch in unseren eigenen Reihen nicht mit notwendiger Selbstkritik sparen, wenn diese angebracht ist, sondern offen und sprachlich unverzuckert aussprechen was Sache ist.“

Sache ist seiner Meinung nach – abgesehen von den begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Landes-NPD – „das Fehlen von aktiven und handlungsfähigen NPD-Strukturen in weiten Teilen von NRW sowie die mangelnde Zusammenarbeit einiger Verbände mit den freien Kräften in ihrer Region“. Eine solche sehr enge Kooperation mit „parteilosen“ Neonazis von der „Kameradschaft Aachener Land“ über die „Freien Nationalisten Euskirchen“ bis hin zu Axel Reitz pflegt Haller wie kaum ein anderer Kreisvorsitzender in NRW.

Das Dürener Ergebnis sei eine Verpflichtung, „den von uns bewußt beschrittenen Weg des radikalen Kampfes um die Straße und damit um die Köpfe der Menschen, die uns den Kampf um die Parlamente ermöglichen, weiterzuführen“. Haller meint, man müsse das Hauptaugenmerk auf „Straßenaktivismus“ legen und betont die „Richtigkeit dieses Deutschen Weges der NPD“. Mit einer Erklärung zum „Deutschen Weg“ der NPD hatte deren Bundesvorstand im vorigen Jahr sich abgegrenzt von NPD-Politikern, die sich um ein gemäßigteres Erscheinungsbild ihrer Partei bemühen. Der Ex-Partei-Vize Holger Apfel ist deren bekanntester Vertreter. Er hatte der NPD einen „bürgernäheren“, weniger radikal erscheinenden „Sächsischen Weg“ zur Nachahmung empfohlen.

Einen kleinen Teilerfolg erzielte Apfel, als eine Strategiekommission der NPD beschloss, sich künftig nicht mehr „NPD – Die Nationalen“ zu nennen, sondern im Untertitel als „Die soziale Heimatpartei“ zu erscheinen. Selbst solche kleinen Abweichungen von der Lehre des radikal-neonazistischen Flügels mag Haller offenbar nicht nachvollziehen: „Die NPD – Die Nationalen!“ steht unter seinem Text. Und zuvor notiert er noch: „Es bleibt zu hoffen, dass unsere Politik auch vom Landesvorstand als die einzig sinnvolle erkannt und für die Gesamtpartei in NRW umgesetzt werden wird.“ (ts)

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