NRW: Flunkern gehört zum „pro NRW“-Handwerk

Köln – Bei „pro NRW“ gehört nicht nur das Klappern zum Handwerk, sondern auch und nicht zuletzt das Flunkern – zuweilen das hemmungslose, manchmal auch das diskretere.

Der Generalsekretär der selbst ernannten „Bürgerbewegung“, Markus Wiener, durfte am Dienstag schon einmal per „Gespräch“ im „pro-NRW-TV“ eine erste Bilanz des Jahres 2010 ziehen – wobei man sich darunter nicht wirklich ein Gespräch vorzustellen hat, sondern eher das Verbreiten von Parolen, für das der „pro NRW“-Öffentlichkeitsarbeiter Andreas Molau die Stichworte in der Form von „Fragen“ beisteuert. Begleitet wurde das „Gespräch“ Molau-Wiener durch eine kurze „Erfolgsbilanz“ auf der Homepage der Rechtspopulisten.

Wiener, der als Politikwissenschaftler vorgestellt wird, wird dort mit den Worten zitiert, man sei inzwischen „mit über 2000 Mitgliedern und 37 Kreisverbänden in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens voll handlungs- und kampagnenfähig“. Was die Mitgliederzahl anbelangt, lässt sich diese Angabe derzeit nicht überprüfen. Dies wird glaubwürdig erst in mehr als einem Jahr möglich sein, wenn der Bundestag den Rechenschaftsbericht der Partei für das Jahr 2010 veröffentlicht, bei dem die „pro NRW“-Funktionäre Schummeleien wegen der drohenden Sanktionen tunlichst vermeiden müssen.

Was die Kreisverbände angeht, lässt sich aber bereits jetzt leichter die Diskrepanz zwischen Schein und Sein nachvollziehen. 36 angebliche Kreisverbände sind aktuell auf der „pro NRW“-Homepage aufgeführt. Darunter sind freilich auch solche zu finden, die noch gar nicht gegründet sind oder für die es keinen Kreisvorstand gibt, sondern lediglich „Ansprechpartner“, zuweilen aus anderen Kreisen. Dass – nur als Beispiel für eine Liste, die sich verlängern ließe – „pro NRW“ in Dortmund, Bochum, Herne oder dem Hochsauerlandkreis aktuell über arbeitsfähige Strukturen verfügen würde, hat die „Bürgerbewegung“ bislang nicht einmal selbst behauptet.

Ähnlich verhält es sich mit den von Wiener erwähnten „acht neuen übergeordneten Bezirksverbänden“. Zum Teil existieren auch sie bislang nur auf dem Papier, wie zum Beispiel in Südwestfalen oder im Münsterland.

„Ansprechpartner“ für den Bezirksverband Münsterland ist im Übrigen der „pro Köln“-Stadtrat Bernd Schöppe. Was ihn für diese Tätigkeit im Norden des Bundeslandes qualifiziert? Womöglich, dass auch Münster schließlich über einen Dom verfügt. (ts)

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