BN: Noch ein Rechts-Historiker bei Bonner Burschenschaft

Bonn – Die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ bietet am heutigen Freitag erneut einem Historiker aus rechten Kreisen ein Forum.

Als Referent bei den „Raczeks“ ist Olaf Haselhorst angekündigt. Er soll über den Deutsch-Französischen Krieg der Jahre 1870/71 sprechen. Haselhorst hat zu diesem Thema ein Buch herausgegeben, in dem sich unter anderem Beiträge des FPÖ-nahen Historikers Lothar Höbelt sowie des in extrem rechten Verlagshäusern veröffentlichenden Generalleutnants a.D. Franz Uhle-Wettler finden. Der Ares-Verlag, in dem Haselhorsts Sammelband erschienen ist, hat unter anderem Werke von Alain de Benoist – dem bedeutendsten Vordenker der „Neuen Rechten“ – und mehreren FPÖ-Politikern publiziert. In einem weiteren Ares-Band beantwortet Rudolf von Ribbentrop, der Sohn des NS-Außenministers Joachim von Ribbentrop, laut Verlagsankündigung die Frage: „War die Politik des Dritten Reiches wirklich von Anfang an auf Krieg gerichtet?“

Bei der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ haben bereits mehrfach Rechtsaußen-Historiker referiert. Die Burschenschaft führt auf ihrer Referentenliste etwa Olaf Rose, der im Mai 2004 über „Deutsche Friedensbemühungen von 1939 bis 1941“ berichtet haben soll. Rose hatte es kurz zuvor geschafft, im Rahmen einer Dokumentation über „Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in Herne und Wanne-Eickel zwischen 1940 und 1945“ die Zahl der Zwangsarbeiter in der Region von 30.000 auf nur 9.000 herunterzurechnen. 2004 – in dem Jahr, als er bei den „Raczeks“ referierte – erstellte er gemeinsam mit Michael Vogt den Film „Geheimakte Heß“, in dem die bemerkenswerte Behauptung aufgestellt wird, Großbritannien habe das Deutsche Reich daran gehindert, Frieden zu schließen. Im Jahr 2006 erhielt Olaf Rose schließlich einen adäquaten Job als Berater der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag.

Roses Co-Autor Michael Vogt ist ebenfalls bereits als Referent bei den „Raczeks“ gewesen und hat sich dort laut Referentenliste der Burschenschaft im Juni 2009 über die Nürnberger Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg geäußert. Über Vogt, Alter Herr der Burschenschaften „Danubia München“ und „Germania Köln“, ist bekannt, dass er den Kriegsverbrechertribunalen einen „Siegerrassismus“ gegen die Deutschen unterstellte. Im Jahr 2007 verlor er aufgrund von Kontakten in die rechte Szene seinen Job an der Universität Leipzig, was die „Raczeks“ jedoch nicht daran hinderte, ihn einzuladen.

Zu den Historikern, die die „Raczeks“ auf ihrer Referentenliste aufführen, gehört auch Stefan Scheil, der bei der Burschenschaft im November 2008 aufgetreten sein soll. Sein Thema: „Polens Zweite Republik und ihr Traum vom Imperium“. Scheil hat sich mehrfach zu einer angeblich aggressiven Politik Polens gegenüber Deutschland in der Zwischenkriegszeit geäußert. Erst kürzlich bekundete er in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, ihm sei „bekannt“, dass man in Warschau im März 1939 „einen sofortigen polnischen Angriff auf Deutschland für möglich“ gehalten habe. Außerdem erklärte der Referent der „Raczeks“, „die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg“ sei „durchaus als relativ anzusehen“. Von einer Alleinschuld könne man keinesfalls sprechen. (jk)

  • Frühere Berichte zu der Bonner Burschenschaft:

/nrwrex/2010/12/bn-burschenschafts-blatt-ffnet-sich-f-r-npd-positionen-und-rechte-verschw-rungstheori

/nrwrex/2010/12/bn-burschenschaft-bef-rchtet-aussterben-der-deutschen-und-zieht-ber-kunststaaten-her