W: „Pro NRW“ will Borgmann aus der Partei werfen

Wuppertal – Die Luft bei der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung pro NRW“ wird für ihren ehemaligen Wuppertaler Kreisvorsitzenden bzw. Kreisbeauftragten Frank Borgmann immer dünner. Während die Parteispitze dessen Kritik an möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl des Bezirksvorstands für das Bergische Land nur höchst zögerlich und unter Druck zur Kenntnis nahm*, sind einige „pro NRW“ler bis in die höheren Etagen der Parteihierarchie hinein nun mit der Ankündigung, dass man Borgmann aus der Partei werfen werde, umso rascher bei der Hand.

Eröffnet wurde das Trommelfeuer gegen Borgmann im sehr „pro NRW“-nahen Internetblog „freiheitlich.org“. Neu ist das nicht, dass dort auch gegen „Parteifreunde“ hergezogen wird, die von der Linie der Parteispitze abweichen. Manfred Rouhs traf das vor einigen Monaten, nun Borgmann.

Dabei tun sich drei Autoren hervor. Einer, der Bonner Stadtrat Nico Ernst, schreibt unter seinem eigenen Namen. Zwei weitere verwenden Pseudonyme – falls es sich denn tatsächlich um zwei verschiedene Kommentatoren handelt: Rechtschreibfehler, Zeichensetzung und Schreibstil könnten auch vermuten lassen, dass es sich um ein und denselben Autor aus der Spitze der Partei handelt. 

Autor „Berger“ lieferte die Vorlage. „Gefährlich könnte für PRO nur eine zersetzung in den eigenen reihen wirken.Über Karneval hat ein Wuppertaler PRO- Amokläufer in wessen Auftrag auch immer sogar militante Linksextremisten mit Interviews beglückt,um PRO NRW zu schaden“, klagte er. Und weiter notierte er, „pro NRW“ werde „alles daran setzen geschlossen und einig in den Wahlkampf zu ziehen.Dies wird auch gelingen,da können Sager und Co geifern wie sie wollen“.**

„Bergers“ Bruder im Geiste und im schlechten Deutsch „Armin“ sekundierte: „Wer in einer solchen Phase mit NRW-Rechtsaußen kooperiert über den braucht man kein Wort mehr verlieren.Die Karavane wird weiterziehen!Der pro nrw Parteitag wird eindrucksvoll belegen,dass pro nrw hochmotiviert,geschlossen und innovativ in diese entscheidene Wahlschlacht gehen wird.“*** Borgmann, als Neuzugang bejubelt, dann zum Kreisvorsitzenden bzw. -beauftragten erkoren und schließlich als Landtagskandidat nominiert, sei ein „notorischer Querulant“ und „ohne jede soziale Kompetenz“, wettert jener „Armin“ nun. Und „Berger“ möchte wie „Armin“ ebenfalls einmal pöbeln: „Arbeitsscheu“ sei der inzwischen ungeliebte Parteifreund, schiebt er nach.

Der wiederum betonte in einer Stellungnahme für „NRW rechtsaußen“ Ende letzter Woche, er sei „immer zur Stelle“ gewesen, „wenn es um Verteilaktionen, Mahnwachen/Demos oder das Sammeln von Unterstützungsunterschriften ging“. Für Kommunal- und Landtagswahl habe er die Unterschriften von schätzungsweise etwas mehr als 800 Bürgern in Wuppertal, Remscheid, Essen, Duisburg, dem Oberbergischen Kreis und dem Rheinisch-Bergischen Kreis gesammelt. Helfen dürfte ihm auch dieser Hinweis freilich nicht: Bisher hat bei „pro NRW“ noch jeder, der Kritik am System Beisicht laut werden ließ, den Kürzeren gezogen...

Unnachsichtig gegen Borgmann vorzugehen, empfiehlt auch Nico Ernst: „Die Zusammenarbeit mit der ,Antifa’ ist ein Sündenfall, der nicht geduldet werden kann!“ Dass gerade Ernst sich so hervortut, überrascht nicht, gehört er doch neben dem „pro NRW“-Öffentlichkeitsarbeiter Andreas Molau und dem neuen Ansprechpartner der angeblichen „Bürgerbewegung“ in Wuppertal, Andre Hüsgen, zu jenen Ex-NPDlern, von denen Borgmann meint, sie würden sich mehr und mehr bei „pro“ breitmachen. (rr/ts)

* /nrwrex/2011/03/w-pro-nrw-spitze-mit-leichen-im-keller

und

/nrwrex/2011/03/w-unregelm-igkeiten-bei-pro-nrw-wahlen

** Mit den Formulierungen „militante Linksextremisten“ und „Sager und Co“ meint „Berger“ offenbar die Internetseite „NRW rechtsaußen“. Ein „Interview“ von „NRW rechtsaußen“ mit Borgmann hat es im Übrigen nicht gegeben.

*** Mit der Formulierung „entscheiden[d]e Wahlschlacht“ meint „Armin“ eine eventuelle Neuwahl zum Landtag.