LEV: Schwarzgekleidete Braunhemden

LEVERKUSEN – Leverkusener Neonazis wollen gegen Überlegungen, eine Synagoge in der Farbenstadt zu bauen, mobil machen.

Dass zum aktuellen Neonazismus des Jahres 2011 auch der Antisemitismus gehört, muss eigentlich nicht extra betont werden. Ob es um die Globalisierung geht, die angeblich von der amerikanischen Ostküste (einer in der Szene gebräuchliche Chiffre für Juden) gesteuert wird oder um den Versuch, Nazi-Deutschland von der Schuld am Zweiten Weltkrieg reinzuwaschen (der doch letztlich nur entstanden sei, so die Neonazis, weil Juden Deutschland den Krieg erklärt hätten) oder um die Leugnung des Holocausts: Der Hass gegen Juden ist nach wie vor fester Bestandteil der ideologischen Grundausstattung der Szene. Wer sich traut, diesen antisemitischen Hass auch lautstark rauszulassen – ob im Hinterzimmer oder bei öffentlichen Veranstaltungen – darf sich sicher sein, dass ihn sein braunes Fußvolk umjubelt.

Regionale Kampagnen

Organisierte antisemitische Kampagnen im lokalen Bereich waren freilich in den letzten Jahren eher selten. 2003/2004 hatten „parteifreie“ Neonazis und NPD in Bochum eine solche Kampagne gestartet. Dort ging es ebenfalls um den Bau einer Synagoge. Auch eine Demonstration gehörte zum Aktionsrepertoire der Szene. Der heutige NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer und der „parteifreie“ Neonazi Axel Reitz, die bei der Veranstaltung als Redner auftraten, wurden in der Folge wegen Volksverhetzung verurteilt.

Nun also womöglich Leverkusen. Dort hat sich vor wenigen Monaten ein „Kulturverein Davidstern“ gebildet. Er will den Juden in der Stadt, deren Zahl vor allem durch den Zuzug aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion auf 300 gewachsen ist, wieder eine Anlaufstelle bieten. Zunächst geht es um Räume, die man nutzen kann, längerfristig um die Wiedereinrichtung einer eigenständigen jüdischen Gemeinde und um eine neue Synagoge.*

„Synagoge 1938 entfernt“

Für Neonazis ist die Tatsache, dass die Nachfahren derer, die ihre ideologischen Ahnen restlos eliminieren wollten, weiter leben – und das sogar selbstbewusst –, eine Provokation. Der „Kulturverein Davidstern“ habe in Leverkusen „einiges zu unserem Ärgernis“ vor, ließen Leverkusener Neonazis wissen. Für Ärger in braunen Kreisen sorgt insbesondere die Überlegung, wieder eine Synagoge zu bauen. Die alte, die in Opladen stand, sei 1938 „entfernt“ worden, erklären die Neonazis. Dabei steht das verharmlosende Wort „entfernt“ für die Tatsache, dass die alte, bescheidene Backstein-Synagoge im Zuge der Pogrome vom November 1938 niedergebrannt und zerstört wurde.

„Skurrile Pläne“

Mit „skurrilen Plänen“ würden „die Juden in Leverkusen sich Aufmerksamkeit verschaffen“, kommentieren die Neonazis den Wunsch nach einem neuen jüdischen Gotteshaus. Dieses Vorhaben werde man „nicht schweigend hinnehmen“, drohen sie.

Mögen sie heute optisch auch ganz im Style „Autonomer Nationalisten“ daherkommen – das Braunhemd stünde ihnen immer noch besser. (ts)

* http://www.rhein-berg-online.ksta.de/html/artikel/1323950099168.shtml

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