K: Zwei konkurrierende „Hooligan“-Demos angekündigt (1 Update)

KÖLN – Rund um den Jahrestag der Kölner „Hooligans gegen Salafisten“-Demonstration sollen am 24. und 25. Oktober 2015 gleich zwei Aktionen rechter Hooligans in der Domstadt durchgeführt werden. Aber die jeweiligen VeranstalterInnen sind nicht gut aufeinander zu sprechen.

„Dergleiche Ort, diegleiche Demoroute, diegleiche Uhrzeit, dergleiche Anmelder“ - mit diesen Worten wird eine vom stellvertretenden „pro NRW“-Vorsitzenden Dominik H. Roeseler für den 25. Oktober angemeldete Demonstration beworben. Roeseler reklamiert für seine Aktion „Köln 2.0 – friedlich und gewaltfrei gegen islamischen Extremismus“ die legitime Nachfolge des großen Mobilisierungserfolgs von 2014. Bis zu 4.800 Teilnehmenden versammelten sich damals auf dem Breslauer Platz am Kölner Hauptbahnhof, von wo aus sie sich nach einem Auftritt der Band „Kategorie C“  in Bewegung setzen. Der Aufmarsch mündete wenig später in Straßenschlachten mit der überforderten und unterbesetzten Polizei.  Offiziell angemeldet hatte die Demonstration der Mönchengladbacher Roeseler.

Distanzierung von Roeselers "Köln 2.0"

Einer seiner Mitstreiter, der damalige „Regionalleiter West“ der HoGeSa, Andreas Kraul, ist auch in diesem Jahr wieder mit von der Partie. Ansonsten hat Roeseler - entgegen seiner ersten Behauptung „gesamte alte Orgateam“ sei wieder mit von der Partie - seine MitstreiterInnen weitestgehend verloren. Vier rechte Hooligan-Vereinigungen veröffentlichten vor einigen Tagen eine gemeinsame Erklärung, in der sie eine Demonstration am 24. Oktober in Köln ankündigen und sich von Roeselers Anliegen distanzieren: „Köln 2.0 ist somit keine Veranstaltung von Gemeinsam-Stark Deutschland, HoGeSa, B.D.H, Berserker Deutschland sowie auch nicht von Erlebnisorientierten Fußballfans. Für das Bündnis stand es im Vordergrund gemeinsam zu agieren und dies tun wir auch und lassen am Samstag, den 24.10.2015 Taten sprechen“, heißt es in der Erklärung. Roeselers Anmeldung sei nicht abgesprochen gewesen, man wolle sich nicht für „politische Zwecke 'benutzen'“ lassen.

Roeseler war Anfang Juni nach Unstimmigkeiten über die Demoanmeldung von seinem Posten als „Pressesprecher“ von „Gemeinsam-Stark Deutschland“ (GSD) entfernt worden. Streitigkeiten und wechselnde Fraktionsbildungen begleiten die Entwicklung der „Hooligans gegen Salafisten“ seit ihrer Entstehung im Herbst vergangenen Jahres. So wechselte ein Großteil der OrganisatorInnen aus der Anfangszeit bereits im Januar zum neu gegründeten Verein GSD - unter ihnen auch Dominik Roeseler. In LOTTA #59 (Bestellen!) stellten wir deshalb fest, dass die verbliebene HoGeSa-Führung um Andreas Kraul ziemlich isoliert sei. Mittlerweile darf sich Kraul nicht einmal mehr im Namen der HoGeSa äußern – dafür hat er sich wieder mit dem ebenfalls geschassten Roeseler zusammengetan. Vor drei Wochen, am 19. Juli, stellte Kraul mitsamt Gefolgschaft einen großen Teil des rund 100-köpfigen Aufmarsch von „pro NRW“ in Hagen.

Juristische Aufarbeitung dauert an

Nun wird sich zeigen, welcher der beiden Fraktionen es gelingt, mehr AnhängerInnen auf die Straße zu bringen. Dabei darf angezweifelt werden, dass sich die sich selbst als „Hooligans gegen Salafisten“ verstehenden nationalistischen Fußballfans besonders viel aus den Streitigkeiten der Führungscliquen machen. Für sie bedeutet „Hooligans gegen Salafisten“ vor allem ein attraktives Identitätsangebot und eine Gelegenheit ihren Rassismus rabiat und in aller Öffentlichkeit zu artikulieren. Vermutlich werden sich auch dieses Jahr wieder zahlreiche organisierte Neonazis an der einer oder der anderen Aktion beteiligen.

Die Justiz ist derweil noch mit der Aufarbeitung des letzten Oktobers beschäftigt: Gestern verurteilte das Amtsgericht Köln eine 24-jährigen wegen versuchter gefährlicher Körperverletztung und Diebstahls zu einer dreijährigen Haftstrafe. Weitere Prozesse werden folgen.

Update, 26.8.2015 - 9:00 Uhr

Die Gruppierung "Gemeinsam-Stark Deutschland" teilte am 13. August mit, dass die für den 24. Oktober geplante Demonstration abgesagt wurde. Es mache keinen Sinn, wenn beide Seiten "dickköpfig" seien, hieß es. Man wolle eine "super Demo ermöglichen" und habe sich deshalb "zum Wohl der gesamten patriotischen Bewegung" zu der Absage entschlossen.