UN/MG: Rassistische Demos in Lünen und Mönchengladbach angekündigt

LÜNEN/MÖNCHENGLADBACH – Seit einigen Tagen kursiert in sozialen Netzwerken ein Aufruf zu einem „zweiten Spaziergang“ unter dem Motto „Gewaltfrei gegen Islamisierung, Asylwahnsinn und Extremismus“, der am Sonntag, den 1. November in Lünen stattfinden soll. Die Werbung findet sich unter anderem auf der Seite „Selm wehrt sich“, einer gegen Geflüchtete gerichteten Facebook-Gruppe, die sich das Deckmäntelchen einer „Bürgerinitiative“ umgehangen hat, aber vermutlich von organisierten Neonazis betrieben wird. So sind die grafischen Elemente der Seite von der NPD übernommen worden, für die Emailadresse und Homepage werden die Internetdienste der Dortmunder Neonazis genutzt. Im letzten Jahr trat zudem ein NPD Ortsverband Selm/Bork in Erscheinung.

„Patrioten NRW“

Bei den InitiatorInnen der Lünener Demo am 1. November handelt sich sich um eine Personengruppe, die im Internet als „Patrioten NRW“ auftritt, und die in den letzten Wochen regelmäßig an Demonstrationen diverser Pegida-Ableger sowie an der Kundgebung der „Hooligans gegen Salafisten“ am Sonntag in Köln teilnahm. Ein Foto zeigt einen der Demo-Initiatoren, Karl-Heinz Anton aus Lünen, Arm in Arm mit dem HoGeSa-Aktivisten Andreas „Kalle“ Kraul. Einen „ersten Spaziergang“ in Lünen unternahm die Gruppe eigenen Angaben zu Folge am 3. Oktober. Allerdings sollen daran nur sieben Personen teilgenommen haben.

Streit unter den InitiatorInnen

Ob die Demonstration in Lünen wie geplant stattfinden kann, ist ungewiss. Unter den InitiatorInnen ist zwischenzeitlich ein Streit ausgebrochen, der sich unter anderem um die Nennung des Namens „Patrioten NRW“ bei der Anmeldung und um das weitere Vorgehen dreht. Entnervt teilte der vermeintliche Anmelder, ein sich „Hanns-Heinz Schmidt“ nennender Mann aus Hagen mit, dass er die Demo wieder absagen werde. Schmidt, der auch als Kontaktperson des „Zentralrats der Deutschen“ auftritt, nutzt ein Profilbild, das den Schriftzug „Je suis Oskar Gröning“ und ein Foto des verurteilten SS-Unterscharführers zeigt. Der im Vernichtungslager Auschwitz stationierte Gröning war im Juli wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen vom Landgericht Lüneburg zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

„Merkel muss weg“

Bereits am Freitag, den 30. Oktober, soll in Mönchengladbach eine Demonstration mit dem Titel „Merkel muss weg! Für unsere Kinder, unsere Familien und unsere Heimat“ stattfinden, zu der die Gruppe „Mönchengladbach steht auf“ aufruft. Auch Kraul bewirbt die Veranstaltung, die in der Heimatstadt des HoGeSa-Anmelders Dominik H. Roeseler (pro NRW) stattfindet. Nach eigenen Angaben soll die Demonstration aber „überparteilich“ sein. Man verstehe sich nicht als „Menschenhasser oder Rassisten“, sondern „einfach nur [als] Patrioten und Menschen mit Herz und Verstand“. Anmelder ist nach Information der „Rheinischen Post“ eine Privatperson.

Das Bündnis „Mönchengladbach stellt sich quer“ ruft zu Gegenprotesten auf. Auch in Lünen formiert sich Widerstand gegen den rassistischen Marsch. Das „Bündnis gegen Rechts“ kündigt eine Gegenaktion an.