Artikel aus dem Ressort Geschichte

Fredy Hirsch aufr dem "Hagibor"
Ein jüdischer Sportlehrer aus Aachen und die Rettung der Kinder von Theresienstadt

1932, irgendwo zwischen Ratingen und Düsseldorf. Kurz nachdem eine Gruppe „Kittelbach-Piraten“ eine Straßenbahn bestiegen hat, fliegt die Mütze eines jüdischen Pfadfinders aus der Bahn auf die Straße. Und dann einer der „Kittelbach-Piraten“ hinterher. Angelegt haben sie sich diesmal mit den Falschen — der jüdischen Pfadfindergruppe von Fredy Hirsch. Doch wer war Fredy Hirsch?

Monument zur Erinnerung an die Opfer des Massenmords in Chełmno
Das Vernichtungslager Kulmhof in Chełmno

In der 300 Einwohner*innen umfassenden Gemeinde Chełmno, 70 Kilometer nordwestlich der Großstadt Łódź, errichteten die Deutschen im Dezember 1941 das erste Vernichtungslager im besetzten Polen. Mindestens 152.000 Jüdinnen*Juden sowie über 5.000 weitere Menschen, die allermeisten Sinti*zze und Rom*nja, wurden dort durch Kohlenmonoxid in zu mobilen Gaskammern umgebauten Lastkraftwagen ermordet.

Deutungskämpfe um die Vergleichbarkeit kolonialer und NS-Verbrechen

In den letzten Jahren gewinnen Sichtweisen, die Erinnerungen hör- und sichtbar machen, die von rassistischer Diskriminierung und kolonialer Unterdrückung erzählen, mehr und mehr an Aufmerksamkeit. Es entzündete sich eine Debatte, in deren Zentrum die Frage nach der Vergleichbarkeit der Shoah mit kolonialen Verbrechen steht. Ungeachtet der Aufregung der Debatte geht es jedoch gar nicht um ein Ob, sondern vielmehr um das Wie.

Vor 40 Jahren — Das „Heidelberger Manifest“ als akademischer Tabubruch

Das Thema der am 6. Juli 1982 vom Bayerischen Rundfunk live gesendeten Talkshow „Schlag auf Schlag“ hätte kaum reißerischer angekündigt werden können: Diskutiert werden sollte „das Ausländerproblem in der Bundesrepublik“. Eingeladen war unter anderem Theodor Schmidt-Kaler, Professor für Astronomie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB), der in Veröffentlichungen die angebliche „Überfremdung“ der BRD beklagt hatte. Jetzt bot sich ihm ein Forum, um seine rassistischen Thesen vor einem Millionenpublikum auszubreiten.

100 Jahre Pogrom von Tulsa

Vom 31. Mai bis 1. Juni 1921 überfiel die weiße Bevölkerungsmehrheit das Schwarze Viertel in der US-amerikanischen Stadt Tulsa. Mit staatlicher Duldung wurde das Greenwood-Viertel geplündert und nahezu komplett zerstört, bis zu 300 Menschen wurden getötet und hunderte verletzt. Das Pogrom wurde über Jahrzehnte verschwiegen und vertuscht, bis die Opfer, ihre Nachfahren und antirassistische Aktivist*innen Aufarbeitung und Gerechtigkeit einforderten.

Foto: Archiv AK DIZ Emslandlager e.V.
Als Postkarte gedrucktes gemaltes Bild des Strafgefangenenlagers Esterwegen, vermutlich Anfang der 1940er Jahre
Die Emslandlager 1933 bis 1945

Im Nordwesten Deutschlands errichteten die Nationalsozialist*innen zwischen 1933 und 1945 insgesamt 15 Lager: die sogenannten Emslandlager. Hier entstand 1933 das „Lied der Moorsoldaten“ im Konzentrationslager Börgermoor. Bis 1945 erreichten diese Lager ein immenses verbrecherisches Ausmaß, das bis heute oft unbekannt ist.

Foto: MRK/novypamatriklety.cz
Das Gelände des ehemaligen „Zigeunerlagers“ befindet sich gegenüber den hinteren drei Hallen der inzwischen stillgelegten Schweinefarm. Im Vordergrund des Bildes der Gedenkort.
Von antirassistisch motiviertem Revisionismus

Die Schweinefarm auf dem Gelände des ehemaligen KZ Lety ist endlich beseitigt (vgl. die Artikel in LOTTA #59, S. 61 f. und #68, S. 53), ein neuer Gedenkort in Planung. Doch die Debatten um das „Zigeunerlager“ in Lety u Písku, etwa 80 Kilometer südlich von Prag, nehmen kein Ende. Dabei geht es nicht nur um das Lager selbst, sondern auch um die Deutung des nationalsozialistischen Genozids an den Rom*nja und Sinti*zze im Allgemeinen.

Denkmal für die Toten der Märzrevolution 1920 auf dem Bottroper Westfriedhof.
Deutungskämpfe um den historischen Ort der Märzrevolution 1920

Nachdem es in LOTTA #77 um die aufständischen Kämpfe der organisierten Arbeiter*innenbewegung im Zusammenhang mit der Märzrevolution im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ging, und in LOTTA #78 um die Reichswehr- und Freikorps-Einheiten, die gegen sie eingesetzt wurden, beschäftigt sich der dritte und letzte Teil dieser Artikelserie mit den Aspekten Erinnerung, Gedenken und Rezeption.

Rechter Paramilitarismus während des „Kapp-Lüttwitz-Putsches“

Nachdem es in der letzten Ausgabe der LOTTA schwerpunktmäßig um die aufständischen Kämpfe der organisierten Arbeiter*innenbewegung im Zusammenhang mit der „Märzrevolution“ im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ging, beschäftigt sich der zweite Teil der dreiteiligen Artikelserie mit den „Reichswehr“- und „Freikorps“-Einheiten, die gegen die „Märzrevolution“ eingesetzt wurden.

Zur Geschichte der Landesheilanstalt Hadamar im Nationalsozialismus

In Hadamar (Landkreis Limburg-Weilburg/Hessen) wurden zwischen 1941 und 1949 fast 15.000 Menschen, die zumeist als psychisch krank oder geistig behindert galten, ermordet. Die Landesheilanstalt war eine von sechs Einrichtungen, in denen im Rahmen der „Aktion T4“ Menschen ermordet wurden, die im Nationalsozialismus als „lebensunwert“ galten. In den 1980er Jahren entstand auf dem Gelände der heutigen „Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie“ zunächst eine Ausstellung und später eine Gedenkstätte.