Artikel aus dem Ressort Rezension

Noch seltener als der Antifeminismus der extremen Rechten werden bislang ihre Entwürfe von Männlichkeit thematisiert. Dies betrifft auch die Szene selbst, in der diese Rollenbilder so eingeschrieben erscheinen, dass sie kaum diskutiert werden.

Nach den jüngsten Berichten über Chats mit extrem rechten Inhalten beim Frankfurter SEK und den Vorfällen bei der Bundestagspolizei stellt sich die Frage, ob es noch eine Polizeibehörde gibt, in der keine rechten „Staatsfeinde in Uniform“ im Dienst sind.

Ein neues Buch gibt einen umfangreichen Einblick in die Facetten irrationaler, antidemokratischer, antisemitischer und extrem rechter Ausdrucksformen im Kontext von Protesten gegen die staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen.

„In Jedwabne (…) kann man sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass das Gedächtnis ein Schla­cht­feld ist. Und davon, wer die Schlacht gewonnen hat“, schreibt Anna Bikont im Nachwort zur deutschen Ausgabe ihres Buches „Wir aus Jedwabne. Polen und Juden während der Shoa“, die 16 Jahre nach der ursprünglichen, polnischen Version erschien.

Kann es sein, dass es noch kein Buch zu Neonazis im Kampfsport gab? Wenn, dann hat Robert Claus diese Lücke mit „Ihr Kampf“ nun gefüllt. Das Buch verspricht zu zeigen, wie sich Europas extreme Rechte für den Tag X wappnet. Robert Claus ist Autor, Referent und Moderator. Zuletzt veröffentlichte er 2017 „Hooligans — eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik“, in dem Kampfsport und Neonazismus peripher eine Rolle spielen.

Seit Jahrzehnten warnen Antifaschist*innen vor den tödlichen Folgen rechter Hetze und Gewalt. Immer wieder wird dabei auf die Diskrepanz zwischen der Zahl der staatlicherseits anerkannten Todesopfer rechter Gewalt und der Zahl der von Journalist*innen und antifaschistischen Initiativen recherchierten Todesopfer hingewiesen. Doch eher selten wird die Geschichte der Menschen, die sich hinter diesen Zahlen verbergen, erzählt, bekommen die Opfer einen Namen und ein Gesicht.

Von März 1942 bis November 1943 ermordeten die deutschen Besatzer im Rahmen ihrer „Aktion Reinhard(t)“ (siehe LOTTA #66, #67 und #69) etwa 1,8 Millionen Menschen, zumeist in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka. Die meisten Opfer waren aus den jüdischen Ghettos im besetzen Polen deportiert worden, hinzu kamen aus Westeuropa deportierte Juden*Jüdinnen. Im Gegensatz zu Auschwitz sind die Lager der „Aktion Reinhard(t)“ nahezu unbekannt.

Der niederländische Autor Rost van Dujin hat sich auf die Spuren der adeligen Baroness Julia Op ten Noort begeben, die als Missionarin für die christliche Oxfordgruppe den SS-Führer Heinrich Himmler in den 1930er-Jahren kennen- und verehren lernte und sich zu einer einflussreichen Protagonistin der niederländischen NS-Anhänger*innenschaft entwickelt hatte. Das Buch basiert auf umfangreicher Quellenarbeit und bietet einen äußerst interessanten Einblick in den außergewöhnlichen biographischen Werdegang. Der Autor ist kein Unbekannter in der niederländischen Polit-Szene.

Die Zeitungskolleg*innen vom der rechte rand (drr) haben eine umfangreiche Artikelsammlung zur Entwicklung und zum politischen Wirken des Instituts für Staatspolitik herausgebracht. Die Sammlung von Artikeln aus 20 Jahren drr sowie neu verfasste Beiträge zum Thema zeigen, wie die Entwicklung einer der bedeutendsten extrem rechten Denkfabriken von Beginn an kritisch-analytisch aus antifaschistischer Sicht begleitet wurde.

Radikalisierung im Netz — bei den Attentätern von Hanau, von Halle, vom OEZ München, immer wieder ist die Rede davon. Natürlich ist nicht „das Internet“ allein verantwortlich für Gedankengut und Handeln der Täter. Foren, Plattformen und Chats können aber dennoch ideologisch wie in der Motivation eine große Rolle spielen.