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„Abschiebungen nach Afghanistan stoppen“

Interview mit der Gruppe "nedaje afghan" ("Afghanischer Aufschrei")
Foto: Dennis Pesch

Welche Aktivitäten habt Ihr bisher durchgeführt?

Nabie Ghorbani (NG): Bisher haben wir in Düsseldorf sechs Demos gegen Abschiebungen nach Afghanistan mitorganisiert und sind bei Demos in anderen Städten als Unterstützer aufgetreten. Außerdem haben wir an Pressekonferenzen und Diskussionsveranstaltungen gegen Abschiebungen teilgenommen.

Seyedbagher Hoseyni (SH): Wir versuchen auch, andere afghanische Geflüchtete zu unterstützen. Menschen, die einen Ablehnungsbescheid bekommen, helfen wir, einen Anwalt zu finden. Wir haben auch kostenlose Deutschkurse weitervermittelt und Familien bei Alltagsproblemen unterstützt.

NG: Eine weitere Aktion war unser Protestzelt, das wir während des Wahlkampfs in Düsseldorf organisiert haben. Wir wollten damit noch einmal die Parteien und die deutsche Gesellschaft auf unsere Situation und die schlechten Bedingungen in Afghanistan aufmerksam machen.

Wie waren denn die Reaktionen auf euer Protestzelt?

NG: Sehr gut. Es gab viele Menschen, die uns unterstützt haben. Es sind sogar Menschen aus anderen Städten gekommen. Während der ersten Tage kamen beispielsweise Vertreter der Die Linke und des Flüchtlingsrats NRW und die lokale Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch vorbei und haben mit uns gesprochen.

Was sind eure Forderungen?

SH: Wir wollen die Abschiebungen nach Afghanistan stoppen — und auch die in alle anderen Länder, in denen Krieg herrscht. Wir wollen Integrationskurse für alle. Wir wollen keine Großzelte als sogenannte Erstaufnahmeunterkunft, in denen Menschen manchmal sogar jahrelang leben müssen, sondern richtige Unterkünfte, in denen sie ein menschenwürdiges Leben führen können.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

NG: Wir planen ein Gespräch mit dem NRW-Ministerpräsidenten und wollen ihn damit konfrontieren, dass es beim BAMF keine Einzelprüfungen mehr gibt, sondern Menschen aus Afghanistan mittlerweile standardisierte Ablehnungsbescheide bekommen. Wir wollen auch mit den Kirchen in NRW ins Gespräch kommen und wünschen uns von ihnen Unterstützung. Menschen, die vor Krieg und Bedrohung fliehen, dürfen nicht abgeschoben werden! Außerdem haben wir vor, vor den kommenden Bundestagswahlen eine Demonstration zu organisieren.

Was wünscht Ihr euch von Menschen, die euch im Alltag und bei politischen Aktionen unterstützen (wollen)?

SH: Von den Parteien wollen wir, dass sie sich gegen Abschiebungen nach Afghanistan positionieren, damit wir nicht in der ständigen Angst leben müssen, abgeschoben zu werden. Die Menschen, die uns im Alltag unterstützen wollen, könnten uns zum Beispiel bei der Sprache und der Integration helfen. Das erleichtert unser Leben.

NG: Von den Studierenden wünschen wir uns Unterstützung, indem sie sich über unsere Situation informieren und das verbreiten. Ansonsten wünschen wir uns, dass Menschen zu den Demonstrationen und Veranstaltungen kommen, mobilisieren und uns unterstützen.

Gibt es sonst noch etwas, was euch wichtig ist?

NG: Die Situation in Afghanistan hat sich stark verschlechtert in den letzten Monaten. Wir fordern die Parteien und die deutsche Regierung dazu auf, kein politisches Spiel mit den afghanischen Geflüchteten zu treiben.

Euch beiden — Nabie und Seyedbagher — vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Und dir, Alireza Akbari, für die Übersetzung.

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